Historische Berufe - Handwerksbräuche

Alte Handwerksbräuche

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8 ausgewählte Einträge:

BezeichnungErklärung
Maigrafenfestin Norddeutschland aus den mittelalterlichen Vollversammlungen und Gerichtstagen, den "Maisprachen", hervorgegangenes Frühlingsfest der Handwerker. Sein Höhepunkt war die Wahl einer Maikönigin, eines Maikönigs oder auch eines Maigrafen, die für einen Tag lang das Zepter führen durften. Allgemeine Maigrafenfeste wurden schon im frühen 15. Jahrhundert auch Handwerkern in anderen Regionen erlaubt, so z. B. in der Schweiz den Schneidern und "Schuhknechten" oder in Mitteldeutschland den Knochenhauern.
Meisteressenabschliessende Zeremonie des Meisterwerdens. Ursprünglich hielt sich das Meisteressen in recht bescheidenem Rahmen. Es war von der Absicht des Neuaufgenommenen getragen, den älteren Meistern seine Reverenz zu erweisen. Aber schon im 16. Jahrhundert nahmen die Aufwendungen für dieses Gastmahl enorm zu. Beispielsweise erliess der Rat Berlins 1565 die einschränkende (!) Anweisung, jedem Meister "nur" vier Pfund Fleisch, ein Huhn und eine Schüssel gekochten Essens vorzusetzen - die Getränkemenge wurde offensichtlich nicht per Dekret eingeschränkt. Im 17. Jahrhundert uferten die Meisteressen derart aus, dass der junge Meister seine Werkstatt oft mit einer grossen Schuldenlast übernehmen musste, zumal er im Verlauf des Mutens und der Meisterpromotion schon beträchtliche Gebühren zu erstatten hatte (s. auch Strafbüchse füllen).
MeisterpromotionVorgang des Meisterwerdens. Dach dreimaligem Muten, Vorlage und Begutachtung des Meisterstücks sowie Entrichtung einer Gebühr erfolgte dann der Eintrag in das Meisterbuch. Die offizielle Promotion beschlossen ein Trunk aus dem Willkomm-Pokal "auf die ehrbaren und rechtschaffenen Meister nach Handwerksbrauch und Gewohnheit" und das Meisteressen. Mitunter folgte aber auch noch der Gebrauch des Ladestocks. Der neuernannte Meister erhielt mit ihm fünf symbolische Schläge, und zwar erstens im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, nächstens "für seine Gnaden, den König", dann für den Herrn Vater, viertens für die Frau Mutter und abschliessend für Recht und Ordnung.
MeistersingerTeilnehmer bzw. Höchstausgebildeter im sogenannten Meistergesang der Handwerkszünfte des 14. bis 16. Jahrhunderts. Die Handwerker fanden sich in Singeschulen zusammen, um den Gesang zu pflegen. Die Meister ihres Handwerks hatten manche Hürde zu nehmen, bevor sie sich endlich auch unter den Sangesbrüdern Meister nennen durften. Zunächst begann man als "Schüler" und avancierte nach etlichen Prüfungen zum "Schulfreund", "Singer" oder "Dichter". Wer dann einen neuen "Ton" (eine Melodie) erfunden hatte, die "Tabulatur" (die Vorschriften) bestens kannte und korrekt anwendete, galt als "Meister". Falls aber ein aus den Reihen der Meister gewählter "Merker" (Kontrolleur) feststellte, dass jemand gegen die Tabulatur verstossen hatte, so konnte dem Betreffenden der Meisterrang wieder aberkannt werden. Mit dem gegen Ende des 16. Jahrhunderts einsetzenden Niedergang des Zunftwesens begann schliesslich auch der Verfall des Meistergesangs.
Metzgersprungeine hauptsächlich von den Münchner Metzgern praktizierte Variante des Schleifens, die bis 1896 regelmässig überwiegend zur Faschingszeit stattfand. Dabei formierte sich ein festlicher Zug mit Musikanten an der Spitze, zwei "Metzgerbüberln" auf Pferden, dann die loszusprechenden Lehrjungen und die Gesellen, und schliesslich die Meister. Sobald der für die Taufe vorgesehene Brunnen erreicht war, mussten die Ausgelernten in Kostümen aus Lammfell in das kalte Wasser springen, sich necken lassen und im Brunnen schwimmende Nüsse und Äpfel unter die Zuschauer werfen. Unter geringerer Anteilnahme des Publikums fand der Metzgersprung gelegentlich auch in Salzburg, Zürich und Meran statt.
Morgenspracheursprünglich nur am frühen Morgen durchgeführte Zusammenkunft der Zunftmeister. Die später generell so bezeichneten Versammlungen fanden zunächst nur zwei- bis höchstens sechsmal im Jahr statt und dienten vorrangig zur Klärung von Zunftangelegenheiten. Das Verhalten in der Versammlung war eindeutig geregelt. So heisst es in den "Privilegien" der Tuchmacher zu Köpenick aus dem Jahre 1644: "Soll Niemandt mit tötlicher gewehr (Waffen - D.N.) zuer Morgensprache kommen, auch Keinen hader anfangen, oder ohne Verlaubniss der Zunftmeister etwas reden. Wer darwider handelt, soll die Thonne füllen..."
Die erwähnte Tonne, eine grosse Schenkkanne, deutet bereits darauf hin, dass der Umtrunk nicht zu kurz kam. Allmählich ging es in den Morgensprachen immer weniger um notwendigerweise zu erörternde Dinge, sondern man traf sich ganz einfach aus Tradition zum Gespräch und zur angenehmen Runde (s. auch Quartalstag begehen).
Mund-Maurer seinBezeichnung für die Tatsache, dass ein ehrbarer Maurergeselle nicht nur sein Handwerk, sondern auch dessen brauchtümliche Sprache richtig beherrschte. Beispielsweise wurde der Fremde während des Examens vom Örtengesellen gefragt: "Was bist Du für ein Maurer?" "Ein Mund-Maurer". "Woran erkennt man das?" "An meinem ehrbaren Grusse und Mundsprache."
Mutenursprünglicher Ausdruck für "um etwas förmlich anhalten". Allmählich wurde es im Handwerk Brauch, auch um Meisterehren anzuhalten, wobei die Zunft eine bestimmte Mutzeit festlegte. Das bedeutete für den Bewerber, innerhalb der gesetzten Frist in der Regel dreimal vor den versammelten Meistern zu erscheinen und dabei Mutgeld zu zahlen.
Mit der Einführung der Mutzeit sollte der Zugang zum Handwerk erschwert werden. Zugleich wurde die Frist dafür genutzt, Hinweise über die Fähigkeiten und Charaktereigenschaften des sich um Meisterehren bewerbenden Gesellen zu beschaffen.

Quelle: Alte Handwerksbräuche, Verlag die Wirtschaft 1990, ISBN 3-349-00591-8


Letzte Änderung: 26.12.01 (UG)
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