Historische Berufe - Handwerksbräuche

Alte Handwerksbräuche

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10 ausgewählte Einträge:

BezeichnungErklärung
Pachanten schleifenstrengere Regelung des Schleifens für ausgelernte Buchbinderlehrlinge.
Pallgeld-Knechtein für die Bierzustellung verantwortlicher Geselle (Knecht) einer Bierbrauerzunft. Er durfte ein Trinkgeld - das Pallgeld - erwarten, das gelegentlich sogar in der Höhe vorgeschrieben war, in der Steiermark zum Beispiel 1 Kreuzer je Eimer (etwa 56 Liter). Die Ernennung der Pallgeld-Knechte erfolgte meist in feierlicher Zeremonie.
Parlecke trinkeneiner bestimmten Person aus dem Gesellenkreis zutrinken und den letzten Schluck dann überraschend einem anderen in die Augen schütten. In der Regel benutzte man dafür als Trinkgefäss eine Schüssel, die gelegentlich dem zuvor Begossenen sogar noch auf den Schädel gehauen wurde. Diese recht unfeine Arte des Trinkens mag man unter den Handwerkern wohl praktiziert haben, wenn zugleich das Schleifen angesagt war, wenn sich also ohnehin alles auf Unfug einrichtete.
PasstrinkenRundentrinken mit einer für jeden Teilnehmer genau bestimmten, "dosierten" Trinkmenge. Als Pass bezeichnete man den Eichstrich oder Eichzapfen im Inneren des Trinkgefässes, der ein bestimmtes Volumen kennzeichnet. In der Gesellenrunde benutzte man gern Krüge oder Gläser mit mehreren Pässen, und es war eine weitverbreitete Sitte, die Trinkzüge so zu bemessen, dass exakt der nächste Pass erreicht war. Wer im Verlauf des Umtrunks die meisten stimmigen Pässe verzeichnen konnte, durfte sich Passkönig nennen.
Einer der auf Passgläsern häufig zu findenden Sprüche lautet:
"Vivat. In gesundheit unser Aller Innsgemein
Sollen die Päss ausgetrunken sein
Wer aber seinen Pass nicht treffen kan
Der Soll den andern gleich auch hahn.
Nun so will Ich Sehen zu
Dass Ich den Pass bescheidt auch thu
Wie es mein nachbar hadt gemacht.
Da hien will Ich auch Sein bedacht. Vivat."
PatenpfennigBeitrag für Zehrgeldsammlungen. Das Zehrgeld für die Wanderung wurde überwiegend im Rahmen der Auflage erhoben. Von den Kupferschmieden ist bekannt, dass hier die Sache anders vor sich ging. Langte ein Fremder in der Herberge an, dann wurde einer in der Gesellenrunde gebeten, "dass er möge den Fremden nebst den Groschen unter dem Teller in Obacht nehmen". Während "in Obacht nehmen" hiess, sich mit den Neuankömmling zu beschäftigen, dürften die "Groschen unter dem Teller" auf eine spezielle Sammlung hindeuten.
Pfannenschmausunter den Bierbrauern übliches gemeinsames Labsal anlässlich eines "ganzen Gebräudes", also bei Vollendung eines Gebräus. Je nach wirtschaftlicher Lage bestand der Schmaus aus einem schmalen Imbiss oder auch einmal einem besseren Essen mit einem guten Schluck dazu.
Pfingstaufzugfeierlicher Umzug, für den um die Pfingstzeit den Bäckern, Schneidern, Schuhmachern und Schmieden mancherorts zeitweilig das Recht zugestanden war. Musikanten und Tänzer begleiteten die Handwerker, die ihren Umzug anschliessend auf der Festwiese oder in der Herberge ausklingen liessen.
Pfändungmanchen der Zünfte zugestandenes Recht, einem Meister gegenüber nicht nur eine Strafe auszusprechen, sondern auch ein Pfand einzuholen, wenn der Meister die Strafe schuldig blieb. Im Laufe der Zeit wurde es Brauch, dass der Schuldner beim Pfänden mit einem gehörigen Quantum Bier büssen musste. Übrigens hatten die Zünfte für das Pfändungsrecht dem Stadtgericht jährlich einen bestimmten Betrag, den Panpfennig, zu zahlen.
Postuliereninnerhalb des Gesellenmachens der Buchdrucker dem Deponieren unmittelbar folgender Vorgang, das heisst, dem symbolischen Abschluss der Lehrzeit folgte die sofortige Aufnahme in den Gesellenstand. Dreh- und Angelpunkt des Postulierens waren körperliche Torturen, die mit der Forderung und Entrichtung eines Postulatsgeldes formal ihr Ende fanden. Die blauen Flecken allerdings verblieben noch lange Zeit und hielten die Erinnerung wach.
Prellenein derber Spass, den Metzgerjungen in den meisten süddeutschen Städten am Aschermittwoch über sich ergehen lassen mussten. Das Prellen (Schnellen) erfolgte mittels einer Kuhhaut, auf die man den Lehrjungen legte. Dann schwenkten die Gesellen die Kuhhaut derart, dass der junge Mann hoch durch die Luft schleuderte. Nicht selten zogen sich die "Delinquenten" dabei allerlei Verrenkungen, Prellungen und Verstauchungen zu.

Quelle: Alte Handwerksbräuche, Verlag die Wirtschaft 1990, ISBN 3-349-00591-8


Letzte Änderung: 26.12.01 (UG)
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