Historische Berufe - Handwerksbräuche

Alte Handwerksbräuche

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9 ausgewählte Einträge:

BezeichnungErklärung
Fahnenschwenkenseit dem frühen 17. Jahrhundert ein spezieller Brauch der Gesellen und Lehrjungen des Bäckerhandwerks. Meist am Dienstag nach Ostern oder Pfingsten zogen sie mit klingendem Spiel durch die Strassen und schwenkten vor den Häusern ihrer Meister und angesehenen Bürger Fahnen in Erwartung von Geschenken. Der Tag wurde auf der Herberge mit einem Schmaus beschlossen. Das Motiv des Fahnenschwenkens war bei den Bäckern auch beim Gebrauch des Willkomm-Pokals verbreitet, dessen Deckel eine Figur mit einer Fahne in der Hand trägt. Während ein Geselle trank, schwenkte sein Nachbar den Deckel und damit die Fahne.
Fassschmorenbei den Bauhandwerkern das Leeren eines Fasses Bier, das meist irgend jemand gestiftet hatte.
Fastnachtsumzugbekannter karnevalistischer Brauch. Für die Handwerkszünfte war die Teilnahme an dem Umzug ungeschriebenes Gesetz.
Feiergeselleein Geselle, der von einer Werkstatt Abschied genommen hatte und sich vorerst nicht nach neuer Arbeit umsah, sondern auf der Herberge verblieb und hier einige Zeit vom sauer verdienten Geld zehrte.
Feldtrunk nehmender besonders im Sächsischen verbreitete Brauch, dem wanderfertigen Gesellen einen Abschiedstrunk zu spendieren. Nach dem Leeren des Kruges hatte sich der Wanderbursche mit den Worten zu verabschieden: "Dieser Trunk ist mir zwar sehr lieb, aber eine glückliche Reise noch viel lieber".
Feuer anblasendas Schleifen der Schmiedegesellen mit den unentbehrlichen Gerätschaften Handtuch und Wasserbecken. Während man den zu machenden Gesellen ständig examinierenden Fragen aussetzte, erhielt er immer wieder das pitschnasse, in eiskaltem Wasser getränkte Handtuch "umgetan".
Fischerstechenvon den Fischern um Johanni ausgeübter Brauch. Sie führten auf dem Wasser ein Turnier mit Stangen durch, stachen nach einem Aal oder einer Gans am Pfahl oder ruderten um die Wette, verbunden mit allerlei Übungen. Vor allen diesen Veranstaltungen formierte sich meistens ein Festzug, und abends wurde auf der Herberge weitergefeiert, woran Weib und Kind teilnehmen durften (s. auch Bäuerlein herunterfahren).
Frachtbriefunter den Zimmerern übliches Zeugnis für ungetilgte Schulden. Beim Abschied von der Brüderschaft hatte der Geselle mit vorgeschriebenen Wortwendungen zu bekennen, ob er seinen Verpflichtungen auf der Herberge und gegenüber dem Schneider und dem Schuster nachgekommen ist. War alles in Ordnung, so überreichte man ihm einen gedruckten Zettel; ein handgeschriebenes Papier dagegen, eben der Frachtbrief (auch Latte genannt), signalisierte Schulden. Nach ungeschriebenem Gesetz gab es ohne Frachtbrief oder gedruckten Zettel keine neue Arbeit.
Freiheitstag begeheneine Zusammenkunft der Wagner, die im Lauf der Entwicklung den Charakter eines Festes annahm. Insbesondere am Oberrhein wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts festgelegt, dass sich sowohl die Meister als auch die Gesellen des Wagnerhandwerks alle drei Jahre zusammenzufinden hatten. Hauptanliegen war zunächst, in grösserem Kreis strafbare Handlungen zu erörtern und die Sühne dafür festzulegen. Die Busse war am häufigsten durch Weinausschank zu erbringen. Später entwickelte sich der Freiheitstag mehr und mehr zu einer Festlichkeit, zu der keinerlei ernsthafte Dinge beredet wurden.

Quelle: Alte Handwerksbräuche, Verlag die Wirtschaft 1990, ISBN 3-349-00591-8


Letzte Änderung: 26.12.01 (UG)
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