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Afghan Whigs

    Ende der achtziger Jahre beschloß der halbirische Querkopf Greg Dulli, sich nicht länger in Kneipen rumzuprügeln, sondern seinem Frust Melodie zu geben. In Cincinnati trommelte er seine gleichgesinnten Kumpels zusammen und sie wurden die Afghan Whigs. Gregs Faible für R&B und Soul-Musik sollte den entscheidenden Leitfaden bilden der sich fortan durch die melancholisch-nachdenklichen Songs der Perücken webte und den eigentümlichen Soundmix der Band ausmacht.
    Noch vor der Zeitrechnung des Grunge wurden die Whigs beim Kultlabel Sub Pop gesignt. Die Veröffentlichung von Nirvanas "Nevermind" führte zu einem globalen Massenkauf aller Silberscheiben mit dem Markenzeichen Sub Pop und auch Dulli und seine Mannen profitierten davon.

    Daraufhin landeten die Afghan Whigs unverdienterweise in der seltsamen Schublade des des Soul-Grunge. Wo sie doch wirklich nur bittersüße Popsongs schreiben und versuchen, dem sterbenden amerikanischen Rock'n'Roll eine Lebenserhaltungsmaschine zu sein.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

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Beach Boys, The ...

    Wer mit den Beach Boys Strand, Sonne und gute Laune verbindet, liegt nicht ganz falsch, verkennt aber, dass die Beach Boys weitaus mehr waren, als nur eine schnucklige Rock 'n' Roll Band. Wer weiß denn schon, dass die Beach Boys die erste Band waren, die sich ein eigenes Studio einrichteten und sich selbst produzierten? Die Lebensphilosophie, die die Beach Boys verkörpern, entspricht dem Traum vom ewigen Sommer und immer währender Jugend, ein Thema, das sich noch heute mit Kalifornien verbindet.
    Aber der Reihe nach. 1961 veröffentlichte eine Formation namens "Carl And The Passions" auf dem kleinen Label Candix das Stück "Surfin'", welches zum lokalen Hit avanciert. Wenig später erschien beim Major Capitol die erste Beach Boys Single "Surfin' Safari" und geriet überraschend zum Chartserfolg. Das Line Up der damaligen Besetzung bestand aus den Brüdern Carl (Gitarre, Gesang), Brian (Bass, Keyboards, Gesang) und Dennis Wilson (Schlagzeug, Gesang), sowie deren Vetter Mike Love (Gesang) und Larry Marks - einem Schulfreund - der wenig später durch Al Jardine (Gitarre, Gesang) abgelöst wurde. Treibende Kraft hinter dieser Familienbande war Vater Murry Wilson, der auch den ersten Plattenvertrag beschaffte.

    In rascher Folge wurde Hit auf Hit produziert und immer wurde das Strand- und Surfthema neu variiert und von Mastermind Brian soundtechnisch umgesetzt. Brian war 1964 aufgrund dreier Nervenzusammenbrüche aus der Band ausgestiegen, hielt im Hintergrund jedoch die Fäden in der Hand und somit die Beach Boys auf der Erfolgsschiene. Sein Nachfolger am Bass wurde der Chicagoer Bruce Johnson.

    Das 1966 erschienene Album "Pet Sounds" diente unzähligen Bands als Inspirationsquelle und zählt mit zu den besten Platten, die je veröffentlicht wurden. 33 Jahre nach dem offiziellen Erscheinungsdatum verlieh man den Beach Boys für diese Platte sogar den Grammy, den die Band aber ablehnte. Mike Love, seines Zeichens Sänger der Band meint sogar, es sei lächerlich, dass die Juroren das erst jetzt bemerken. "Pet Sounds" markierte den Wendepunkt in der musikalischen Entwicklung der Band. Wesentlich experimentierfreudiger zeigen sich die Beach Boys hier und legen, bewaffnet mit allerlei komischem Gerät wie Fahrradklingeln, Colaflaschen, Flöten und ähnlichem, Soundfragmente übereinander, die zusammen etwas Symphonisches ergeben, wie man es vorher noch nicht zu Ohren bekam. Ironischerweise gehört gerade dieser Meilenstein der Musikgeschichte nicht zu den Top Sellern der Beach Boys.

    Nachdem sie mit "Pet Sounds" Neuland betreten hatten, wurde der Klang der Beach Boys immer komplexer. Für die nächste Veröffentlichung "Good Vibrations" verschanzte man sich (für die damalige Zeit fast unendlich lange) sechs Monate im Studio. Aber der Aufwand sollte sich lohnen, denn er bescherte den Boys den ersten Millionenseller. Nach diesem Erfolg wollten die Beach Boys zusammen mit dem Musiker Van Dyke Parks das mehrstündige Epos "Smile" vertonen, das zwar in kompletter Form nie seinen Weg auf Schallplatte fand, in Fragmenten aber auf späteren Alben der Kalifornier auftauchte.

    Mit diesen progressiveren Elementen konnte sich die Fangemeinde der Beach Boys nicht so recht anfreunden, so sanken die Verkaufszahlen im Laufe der Zeit immer mehr ab und auch innerhalb der Band kriselte es. Mentor Brian Wilson bedurfte sogar, aufgrund seiner psychischen Instabilität, rund um die Uhr-Betreuung und zwischen Mike Love und Dennis Wilson (der mit seinen Sympathiebekundungen für den Massenmörder Charles Manson für Schlagzeilen sorgte) kam es zur offenen Feindschaft.

    Zum großen Schicksalsschlag kam es am 28. Dezember 1983, als Dennis, ironischerweise der beste Schwimmer und Surfer der Familie, sturzbesoffen beim Tauchen ertrank. Unbeeindruckt davon konnte sich die Band, getragen von einer Nostalgiewelle, wieder von Erfolg zu Erfolg schwingen und hatte 1988 mit "Kokomo" aus dem Tom Cruise-Film "Cocktail" seit ewig Zeiten mal wieder einen Nummer Eins-Hit.

    Am 7. Februar erlag Carl Wilson den Folgen eines Krebsleidens und für eingefleischte Fans sind die "alten" Beach Boys somit Geschichte.

www.beachboys.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

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Beatles, The ...

    Die Errungenschaften der vier Jungs aus Liverpool für die Entwicklung der Popmusik saugt jeder auch nur halbwegs Musikinteressierte quasi mit der Muttermilch auf, sprich: Die halbe Welt kennt die Namen der Bandmitglieder, mindestens zwei Albumtitel und bestimmt zehn Hits. So sollte es zumindest sein. Deshalb geht dieses Portrait gezielt auf einzelne Interviews ein, die den inneren Zusammenhalt bzw. die Auflösung der Gruppe näher ausleuchten sollen.

    In einem Interview mit Beatles-Produzent George Martin Anfang der 70er Jahre erfährt man Details über die Anfänge: "Als mir Brian Epstein 1962 diese Jungs anschleppte, konnte ich keine Anzeichen überragender Songwriting-Qualitäten erkennen. "Love Me Do" und "P.S. I Love You" waren noch die besten, der Rest war schrecklich. Am Ende war es das Charisma der Truppe und die daraus resultierende Sympathie, die mich zum Signing bewegte."

    Am Rauswurf des schüchternen ersten Drummers Pete Best ist Martin denn auch nicht schuldlos gewesen: "Nach der ersten Studiosession sagte ich zu Brian: Hör zu, was du mit den Jungs anstellst, ist deine Sache. Aber für die Single braucht die Band einen soliden Drummer, der sie besser unterstützt. Als die Band dann schließlich Ringo kennenlernte, führte eins zum anderen."

    Auf die Frage nach dem Grad der Beeinflussung des Beach Boys-Albums 'Pet Sounds' im Hinblick auf die Arbeiten an 'Sergeant Pepper' wusste Martin auch einiges zu berichten: "Oh, wir alle liebten 'Pet Sounds'. Alles, was Brian Wilson tat, schien unantastbar. Paul und John wollten ebenso brilliante Stücke schreiben, 'Pet Sounds' war der Maßstab. Wie dort mit Gesangsharmonien gearbeitet wurde, vor allem bei "Good Vibrations", war zweifellos eine Inspiration."

    1966 beschlossen die Fab Four, nicht mehr auf Tour zu gehen. Zusammen mit dem Tod des Band-Entdeckers Brian Epstein 1967 steht dieser Zeitabschnitt für den Anfang vom Ende der Bandharmonie. Dazu Martin: "Es herrschte ein unglaublicher Druck auf den Jungs. Während der Philippinen-Tournee erhielt George Harrison mehrere Morddrohungen.

    Die Band erlebte überall die gleiche Hysterie, sie konnte ihr nicht entfliehen. Du bist immer mit den selben drei Jungs zusammen und irgendwann schreit es in dir: 'Hey, Moment mal! Wo ist meine Freundin? Wo sind meine Kinder? Was ist das für ein Leben?' Es existiert einfach nicht."

    Zu dem angeblichen Bandsplit-Katalysator namens Yoko Ono erläuterte Lennon 1971 in einem Interview mit dem Rolling Stone: "Schon als Brian starb, kollabierten wir und Paul übernahm die Rolle des Bandleaders. Doch wir anderen wollten uns nicht mehr führen lassen. Es ist überall so: Wenn du deine erste Frau triffst, verlässt du die Jungs an der Bar. Du spielst nicht mehr Fußball oder Billard, die Gang zerbricht. 1969 heiratete ich Yoko und entschied mich damit gegen die Jungs.

    Es war eine harte Zeit. Immer wenn ich Pauls 'Get Back' höre, sehe ich ihn im Studio vor mir, wie er bei der Zeile 'Get back to where you once belong' Yoko ansieht. Er wird mich für paranoid halten, aber so war es. George beleidigte Yoko sogar direkt ins Gesicht, aber wir standen auch das durch. Ringo war ok, doch die anderen setzten uns gehörig zu."

    In einem der letzten Interviews vor seinem Tod wurde John Lennon 1981 vom Playboy nach seinen Gefühlen zu den Errungenschaften der Beatles befragt: "Als ich ein Beatle war, dachte ich: Hey, ich bin in der besten Rockband auf dem verdammten Planeten. Aber heute? Ich bin mit jedem einzelnen Song von uns unzufrieden. Letzte Nacht hörte ich 'Lucy in the sky...' im Radio, es war schlimm. Ich meine, der Song ist gut, aber er wurde falsch aufgenommen.

    Am meisten ärgert mich, dass meine Songs unterbewusst zerstört wurden. 'Strawberry Fields' und 'Across The Universe' sind solche schrecklichen Aufnahmen. Bei Pauls Songs feilten wir stundenlang an jedem noch so kleinen Detail, doch wenn meine Songs dran kamen, setzte immer so eine Schlaffheit bei den anderen ein ...

    Auf die Frage, ob er eine Vision von "when I'm sixty-four" habe, meinte Lennon 1971: "Ich denke, Yoko und ich sind ein gütiges, altes Ehepaar in einem Haus an der irischen Küste, wo wir ab und zu im gemeinsamen Sammelalbum des Wahnsinns blättern".

www.beatles.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

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Beck

    Der wEIrdO bEck macht Musik für die zappende Generation. Wir leben im Beck-Zeitalter, das zeigen schon diverse Jahresumfragen in unzähligen Zeitschriften. Das geht nun schon einige Zeit so, spätestens seit "Odelay" ist klar, dass der Erfolg von "Mellow Gold" keine Eintagsfliege war. Die enorme Produktivität von Beck Hansen, der 1970 als Sohn eines gefragten Studiomusikers in Los Angeles geboren wurde, zeigt sich nicht nur an den paar Alben, die die offizielle Diskografie allein für 1994 verzeichnet. Sondern auch auf Konzerten, wo BH beweist, dass er immer ein paar Überraschungen in petto hat.

    1997 wurde der innovationsfreudige Musiker bei der Verleihung der MTV-Video-Awards gleich fünfmal ausgezeichnet. Dazu eben noch schnell mal zwei Grammys eingefahren ... das kann sich sehen lassen. Und hören: der Mann würde am liebsten jeden Abend in irgendeinem Club spielen, wenn seine Plattenfirma ihn ließe.

    Hört man ihn mal live, dann zeigt sich, dass Beck sich zwar immer noch souverän über alle Stilgrenzen hinweg setzt. Doch die Low-Fi-Begeisterung scheint abgeflaut: Neuerdings klingt das nicht selten wie eine ganz normale Folkrock-Kapelle. Mit einem kleinen Unterschied: Immer wieder setzen Beck und seine hervorragend eingespielte Band so cool und gekonnt ihre unerwarteten Breaks, dass die musikalische Moderne stets allgegenwärtig bleibt.

    Mittlerweile ist auch Beck auf der Flucht vor seinem Erfolg. Mit allen Mitteln versucht er das Slacker-Image los zu werden, seinen Hit "Loser" vom Album "Mellow Gold" hat er schon seit Jahren nicht mehr gespielt. Beck Hansen auf irgendeinen Stil festlegen zu wollen, macht ohnehin schon lange keinen Sinn mehr: Jedes neue Album klingt komplett anders als das vorige. Nach wie vor aber hört man jeder Note von Beck die musikalische Besessenheit und Begeisterung an, die ihn vor allen anderen Stars der Gegenwart auszeichnet.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

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Belle And Sebastian

    "Belle Et Sebastien". Ein altes Kinderbuch von Madame Cecile Aubry. Besser bekannt als englische Comic-Fernsehverfilmung "Belle and Sebastian" aus den siebziger Jahren. Anscheinend mochten die Bandmitglieder die Story von Sebastian und seinem Hund Belle so gerne, dass sie sich danach benannten. Aber ein Name alleine reicht nicht aus, um die europäischen und amerikanischen Charts zu erklimmen. Also hier eine kleine Lehrstunde unter der Überschrift "Wie werde ich eine ernstzunehmende Band":

    Lektion Eins: Wie entsteht eine Band?

    1996. Stuart Murdoch (Sänger und Songwriter) ist arbeitslos und verbringt seine Zeit in einem staatlich geförderten Musikkurs. In diesem sitzt auch Stuart David (Bass). Die beiden setzen sich zusammen und beginnen Songs zu schreiben. Die ersten Demos werden mit Gastmusikern aufgenommen. Doch man möchte eine organische Band werden. So geht man auf die Suche - und trifft in der Wohnung eines Bekannten einen Drummer (Richard Colburn). Er wird vom Fleck weg eingeladen, Bandmitglied zu werden. Mike Cooke (Trompete und Gitarre) wird bei einer Aufführung in der Uni gesichtet und man ist so begeistert, dass er gebeten wird, bei einem Stück mitzuspielen. Danach bleibt er einfach dabei.

    Die anderen sieht Stuart in einem Glasgower Café. Er findet sie cool und fragt, ob sie in seiner Band mitspielen wollen. Wollen sie und schon bestehen Belle and Sebastian aus sieben Mitgliedern: Stevie Jackson spielt Gitarre und singt von Zeit zu Zeit, Isobel Campbell ist Cellistin und singt die Frauenparts, Chris Geddes spielt Keyboard und Klavier. Das achte Mitglied - Sarah Martin (Violine und Gesang) kommt etwas später dazu. Belle and Sebastian sind komplett.

    Lektion Zwei: Wie wird man bekannt?

    Alljährlich wird vom "Stow College Music Business" eine junge Band ausgewählt, die auf deren Kosten eine Single produzieren darf. 1996 sind Belle and Sebastian "the chosen ones". Da sie schon viel gutes Material haben, bekommen sie die Chance, ein ganzes Album herauszubringen. Die Originalversion von "Tigermilk" wird aufgenommen und 1000 LPs gepresst.

    Im August 1996 wird die Band vom Indie-Label "Jeepster" gesignt, gefolgt von der Veröffentlichung der LP "If You're Feeling Sinister" im November. Belle and Sebastian spielen in diesem Jahr noch zwei Radio 1 Sessions.

    Noch fällt das Album bei den Hörern durch, doch die Presse hat das Potenzial der Schotten erkannt. Im folgenden Jahr schaffte es die Band jedoch, auch das Publikum für sich zu begeistern. Nachdem sie im Vorprogramm der Tindersticks gespielt haben bringen sie die drei "Sommer-EPs" raus. Die erste "Dog on Wheels" schafft es im Mai 1997 auf Platz 59 der britischen Single-Charts. "Lazy Line Painter Jane" steigt im Juli des selben Jahres auf Platz 41 in die Charts ein. Der Bann ist gebrochen und Belle and Sebastian auf dem Weg zu größerer Bekanntheit.

    Die LP "If You're Feeling Sinister" wird in diesem Sommer in Nordamerika veröffentlicht, der Chartsdurchbruch gelingt mit "3...6...9 Seconds Of Light". Die EP schnellt auf Platz 32 der britischen Charts, alles was in England über Platz 40 landet, wird als "Megaseller" gewertet.

    Lektion Drei: Wie schafft man es, populär und gleichzeitig unbeliebt zu werden?

    Und dann kommt "The Boy With The Arab Strab". Belle and Sebastian sind immer noch eine extrem fanorientierte und pressescheue Band. Trotzdem übersteigt der Erfolg des Albums alle anderen Veröffentlichungen der Band: Es steigt in die Charts auf Platz 12 ein und bricht die Herzen sowohl der Fans als auch der Kritiker.

    Im Februar 1999 passiert das Unglaubliche: Belle and Sebastian, die nun schon seit knapp drei Jahren Platten veröffentlichen, werden bei den Brit Awards als "Best Newcomer" nominiert. Und sie gewinnen den Publikumspreis - gegen Megaseller-Teeniebands wie die "Steps". Von Nobodies werden sie zu Titelbildern der Sun. Denn man wittert einen Skandal: Belle and Sebastian-Fans sollen ein sogenanntes "block-voting" für die Band via Internet gestartet haben. Den Hass einiger Popproduzenten, aber auch den der Teenie-Band-Fans haben sich Belle and Sebastian mit dem Gewinn des Awards auf sich gezogen.

    Doch die Geschichte verläuft sich im Sand und die Band konzentriert sich lieber auf den Re-Release von "Tigermilk" im Juli. Den Rest des Jahres und die erste Hälfte des folgenden Jahres verbringen Belle and Sebastian im Studio, um ihr wohl bislang poppigstes Album "Fold Your Hands Child, You Walk Like A Peasant" aufzunehmen. Während der Arbeiten daran verlässt Bassist und Gründungsmitglied Stuard Davis die Band, um sich seiner Band "Looper" zu widmen. Als Nachfolger steigt Bob Kildea ein, der schon auf der Englandtour den Bass gespielt hat.

    Kurz vor Veröffentlichung des Longplayers wird die EP "Legal Man" herausgebracht, die einfach jeden Menschen zum Tanzen bringen muss. Sie wird wieder ein Top 20-Hit. Auch das Album kann an den Erfolg anknüpfen: Es landet auf Platz Zehn der britischen Charts, ein Auftritt bei "Top Of The Pops" folgt.

    Lektion Vier: Was bedeutet der Untergrund?

    Auftritt bei TOTP - nicht gerade ein Zeichen dafür, dass man eine Band noch als Underground-Act bezeichnen kann. Genau so steht es mit einem Platz unter den Top-100 in Amerika. Und doch zeigen Belle and Sebastian immer wieder, dass ihnen die Fans mehr am Herzen liegen, als die Pressearbeit. Sie kümmern sich nicht um populäre Song-Arrangements oder Bandstrukturen. Es wird so gemacht, wie es ihnen passt und nicht wie es sich gehört.

    Eine eigenständige Band also, die sich nicht den Regeln des Marktes unterwirft und lieber ihr eigenes Ding durchzieht. So wurde nach dem großen Erfolg von "Fold Your Hands Child, ..." nicht erwartungsgemäß groß getourt oder gleich ein neues Album hinterher geworfen. Die einzelnen Bandmitglieder pflegten lieber ihre Sideprojects (The Gentle Waves, Snow Patrol, V-Twin und The Amphetameanies, zum Großteil auch auf Jeepster). Stuart Murdoch bewarb sich sogar um die Stelle als Rektor der Glasgower Uni.

    Im Juni 2001 wird eine weitere Belle and Sebastian Single "Jonathan David" veröffentlicht und man hat einen Auftritt in den BBC1 John-Peel-Sessions. Sind nun doch auch Belle and Sebastian in den Mühlen der Musikverwurstungsanlage gefangen?

    Nein, denn sie sagen klipp und klar: "Wir werden zwar ein Paar Interviews oder so machen, aber nur zu Plattenveröffentlichungen. Zwischendurch gibt es das nicht." Das ist deutlich.

    Und außerdem ist zu viel unzerstörbarer, feenhafter Zauber in der Band. Sie scheinen ihren ganz eigenen Underground aufgebaut zu haben: Ihre Musik lässt vermuten, dass sie aus einem anderen, sanfteren und schöneren Land kommen. In dieses wird keine Medienmaffia der Welt je eindringen. Und die Band wird sich dort auch nicht davon verwirren lassen, dass die Erstauflage der "Tigermilk"-EP inzwischen ca. 400 Pfund wert ist.

www.belleandsebastian.co.uk/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Blumfeld

    "Blumfeld, ein älterer Junggeselle, stieg eines abends zu seiner Wohnung hinauf, was eine mühselige Arbeit war, denn er wohnte im sechsten Stock. Während des Hinaufsteigens dachte er, wie öfters in der letzten Zeit, daran, dass dieses vollständig einsame Leben recht lästig sei, dass er jetzt diese sechs Stockwerke förmlich im Geheimen hinaufsteigen müsse, um oben in seinen leeren Zimmern anzukommen..." So beginnt Kafkas Erzählung "Blumfeld, ein älterer Junggeselle", nach der sich die Band benannt hat. Neben Tocotronic und den Sternen zählen Blumfeld heutzutage zu den wichtigsten Vertretern der Hamburger Schule und gelten als eine der einflussreichsten Bands der deutschen Underground-Szene.

    Gegründet im Frühjahr 1990, brachten Jochen Distelmeyer (Gesang, Gitarre), Andre Rattay (Drums) und Eike Bohlken (Gitarre, Bass) im Herbst 1991 ihre Debut-Single bei "What's so funny about..." heraus, dem Label, das ihnen im darauf folgenden Jahr (1992) bei ihrem ersten Longplayer "Ich-Maschine" ebenfalls zur Seite stand.

    Nach einer gemeinsamen Tour mit Pavement konnte Blumfeld nun unter Vertrag beim "Big-Cat"-Label das zweite Album "L'etat et moi" veröffentlichen. Dieses Album etabliert eine völlig neue Art der Textsprache und begreift sich als Diskursmedium. Die Inhalte der Stücke drehen sich zwar um Politisches, doch für Distelmeyer steht die Musik im Vordergrund seiner Kunst und dient ihm nicht nur zum Transport seiner Texte. Ihre Songs gehen von ruhig (You make me) bis kraftvoll und schnell (Superstarfighter).

    Nach ihrem großen Erfolg durch "L'etat et moi" ließen sich die Hamburger Jungs eine Menge Zeit und nahmen einige Umstrukturierungen vor. Es folgte der Ausstieg von Eike Bohlken und der Hinzugewinn von Peter Thiessen und Michael Mühlhaus. Diese bandinterne Veränderung wirkte sich natürlich musikalisch aus. Das Album "Old Nobody", erschienen am 25. Januar 1999, bietet feinsten Mainstream-Pop. Gleich zu Beginn trägt Sänger Distelmeyer ein atemberaubend schönes Liebeslied "Tausend Tränen Tief" (1. Singleauskopplung) vor. Doch nicht nur langsame Balladen bietet die Platte, sondern auch härtere Lieder wie "Status Quo Vadis". Die Texte Blumfelds greifen eher klassische Themen wie Liebe, Kunst, Geschichte und Vergänglichkeit auf und führen diese auf eine konventionelle Sprache zurück. Der ehemalige Verdienst der Erfindung und Gestaltung einer eigenen Sprache scheint somit Vergangenheit!

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Blur

    So verschwommen sind die Mitglieder von Blur gar nicht. Damon Albarn, der Singer/Songwriter, Student der Musik und Schauspielerei, trifft Anfang der 80er auf seinen Schulkameraden Graham Coxon und ab jetzt beginnt so langsam die Geschichte von Blur. In Deutschland geboren, greift Graham schon mit 12 Jahren zur Gitarre. Bassist Alex James und Trommler Dave Rowntree treffen ihn Mitte der 80er im Londoner College und der Gründung einer Band steht nichts mehr im Wege.
    Zunächst läuft alles unter dem Namen "Seymour". Die vier jungen Briten damals noch eher in Sachen Punk unterwegs. 1989 kommt dann der neue Name und mit ihm der erste Plattenvertrag bei Food Records.

    Die erste Single "She's So High" verbreitet kaum Aufsehen. Erst der Nachfolgetrack "There's No Other Way" begeistert ein größeres Publikum. Nicht zuletzt verantwortlich dafür ist wohl der bekannte Produzent Stephen Street, der auch schon für die Smiths, Morrissey und The Cranberries gearbeitet hat. Bis 1997 wird er für Blur hinter den Reglern sitzen.

    Das Debut "Leisure" erscheint im Sommer 1991. Einflüße von Pink Floyd und den Liverpooler Pilzköpfen werden diskutiert. Nach dem zweiten Album "Modern Life Is Rubbish" erscheint 1994 "Parklife" zeitgleich mit Oasis' "What’s the story..." und es beginnt das hinlänglich bekannte mediale Ausschlachten der beiden neuen britischen Hoffnungsträger in Sachen legitime Beatles-Nachfolge. Beide Bands spielen plötzlich "Britpop", obwohl der Sound doch ziemlich wenig Gemeinsamkeiten aufweist.

    Tatsache ist, dass Blur vom Medienrummel profitieren, denn ihren ersten beiden Alben wird über britische Grenzen hinaus wenig Beachtung geschenkt. Mit "Parklife" gibt's dann grenzüberschreitenden Ruhm, Kritikerzuspruch und Award-Belohnung.

    Das Geheimnis des Erfolgs: schöne Melodien, beatleske Chöre, Plastikkeyboards neben Alphörnern und die erklärten Einflüsse von Heroen des Königreichs Marke Bowie, Madness und Kinks. Mit "The Great Escape", ihrem Megaseller, erweitern Blur ihre Vorstellung von Pop um ausgefeiltere Kompositionen und noch absurderen Arrangements.

    1997 dann der Break: Blur werfen Pomp und Glimmersound über Bord und lassen die Gitarren sprechen. "Song 2" wird zum Clubhit und zeigt die Band von einer bis dahin unbekannten, harten Seite. Mittlerweile in Zusammenarbeit mit Producer William Orbit, der auch für Madonnas "Ray Of Light" verantwortlich ist. Mit "13" zeigen Blur, dass sie von ihrem Britpop-Image endlich loskommen wollen. Ungewöhnlich punkig, Songs wie "Bugman" oder "B.L.U.R.E.M.I". Einfühlsame Popballaden dürfen aber trotzdem nicht fehlen. "No Distance Left To Run". Der Trennungssong schlechthin. Ganz viel Soul beweisen sie in "Tender". Von einem Gospelchor wird die erste Singleauskopplung begleitet.

    Im neuen Jahrtausend überraschen uns die smarten Engländer dann leider nicht mehr mit einem neuen Longplayer. Zu sehr waren alle Vier mit ihren Soloprojekten beschäftigt. Graham veröffentlicht bereits sein zweites Soloprojekt "The Golden D". Auf seinem eigenen Label "Transcopic" brachte er 1998 schon "The Sky Is Too High" heraus. Seine eigenen Ideen, die er mit Blur nicht verwirklichen kann, stellt er somit der Öffentlichkeit zur Verfügung!

    Wenigstens eine "Best Of" stellt die Plattenfirma zusammen. 17 altbekannte Blur-Klassiker und ein Bonus-Track: "Music Is My Radar". Ein Song, der mal eben im Studio aufgenommen wurde, fand sich ein paar Tage später schon auf CD gepresst. Bei dieser Single-Auskopplung spürt man wieder eine weitere Entwicklung der UK-Chamäleons.

www.blur.co.uk/
© LAUT, am 08.07.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Bowie, David

    David Bowie hat viele Rollen gespielt und anscheinend kommt er auch mit der des alternden Rockstars bestens zurecht. Nach einigen erfolglosen Singles gelang ihm 1969 mit der LP "Space Oddity", seinem ersten Top-10-Erfolg in den amerikanischen Charts, der Durchbruch. Seitdem schafft es das "Chamäleon" des Musikbusiness immer wieder, mit spektakulären Auftritten Aufmerksamkeit zu erregen. Er war das außerirdische Zwitterwesen Ziggy Stardust, der bleiche Thin White Duke oder ein Young American im Frank-Sinatra-Look.

    Seine frühen Jahre waren von Drogenexzessen begleitet, was es dem Exzentriker immer schwerer machte, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. In den späten Siebzigern verbrachte Bowie einige Jahre in Berlin und die Einsamkeit der Großstadt half ihm, die Geißel Heroin loszuwerden. In Berlin enstand "Heroes", Bowies vielleicht bestes Album, in dem er seine Drogenerfahrungen besang. Der Titelsong wurde auch auf deutsch und französisch aufgenommen und ist Teil des Soundtracks zu "Christiane F. Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo".

    In den Achtzigern verblasste sein Stern etwas, Kritiker wollten erkannt haben, das Bowie ausgebrannt sei. Dennoch hatte er zu dieser Zeit mit Titeln wie "Let's Dance" und "China Girl" seine größten kommerziellen Erfolge. Seitdem entfernte Bowie sich immer mehr von der Popmusik, die ihn groß gemacht hat. Nicht nur in seiner Galerie, auch auf den neueren Alben dominiert elitäres Kunstwollen und verkapselter Ästhetizismus. Ein Missverständnis. Denn Pop-Avantgarde und Amüsierbetrieb sind eng verwandt, oder, um mit Jarvis Cocker (Pulp) zu sprechen: "Es kommt darauf an, den Mainstream zu verbessern."

    Inzwischen begeistert sich David Bowie zunehmend fürs Internet, das Medium, das sich wie kaum ein anderes für das Spiel mit virtuellen Identitäten eignet. Im Herbst '99 veröffentlicht er seine neue Platte "hours..." zuerst im Netz und auch als Internet-Provider tritt Bowie auf. Ein Account kostet 19.95 Dollar im Monat. Wer nur Bowies Website erkunden möchte und dem Star und seiner Band beim Üben zusehen will, ist mit 5.95 US-Dollar monatlich dabei.

www.davidbowie.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Buckley, Jeff

    Jeff Buckley wurde 1966 in Kalifornien geboren, weltweit bekannt wurde er in den 90er Jahren. Sein Vater Tim Buckley, der für seine emotionsgeladenen Lieder berühmt geworden ist, starb 1975 an einer Überdosis. Doch an Tiefe können die Songs des Sohnes durchaus mit denen seines Vaters mithalten.
    Seine erste Maxi mit vier Solosongs, "Live At Sin-é", wurde 1993 bei Columbia in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Es ist eine Aufnahme aus einem kleinen New Yorker Club, auf der sich Jeff Buckley selbst auf der E-Gitarre begleitet. Neben Songs von Edith Piaf und Van Morrison enthält es zwei seiner eigenen Kompositionen, "Mojo Pin" und "Eternal Life". Im Anschluß an die Veröffentlichung tourt Buckley als Solist durch Nordamerika, Uk, Frankreich und Holland.

    Bereits vorher arbeitet er mit seiner Band, Mick Grondahl (Bass) und Matt Johnson (Schlagzeug) sowie dem Produzenten Andy Wallace im Studio an den Aufnahmen von eigenen Songs sowie Leonard Cohens "Hallelujah" und Benjamin Brittens "Corpus Christi Carol". Gitarrist Michael Tighe stößt bald darauf zur Band. Das erste Album "Grace" erscheint im August 1994.

    1994/95 tourt Jeff Buckley solo und mit Band durch Nordamerika und Europa. Er spielt in Japan, Frankreich, Deutschland, Belgien und UK. 1995 wird ihm der begehrte französische "Grand Prix International Du Disque" verliehen, den vor ihm schon Edith Piaf, Jacques Brel, Yves Montand, Bruce Springsteen, Leonard Cohen, Bob Dylan und andere Größen der Musikszene erhalten haben. Für Grace erhält er außerdem die goldene Schallplatte in Frankreich und Australien. 1996 gibt er mehrere Solokonzerte unter einem Pseudonym.

    1997 beginnen in Memphis, Tennessee, die Arbeiten für das zweite Album, das "My Sweetheart, The Drunk" heißen soll. Am 29. Mai verbringt Buckley den Abend mit einem Freund am Ufer des Mississippi. In voller Kleidung geht er schwimmen und wird von der Bugwelle eines vorbei fahrenden Schiffes erfasst. Seine Leiche wird erst drei Tage später am Ufer gefunden. Er wurde 30 Jahre alt.

    Jeff Buckleys Musik lebt von seiner weichen Stimme, die er mühelos über mehrere Oktaven schweifen lässt, von seinem Hang zur Improvisation und von der Leidenschaft, mit der er Emotionen übermittelt, teilweise sogar heraus schreit. Songs wie "Grace" oder "So real" zeigen, dass diese Art zu singen mehr erzählen kann als Worte.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Cave, Nick

    Spätestens seit seinem aufsehenerregenden Duett mit Kylie Minogue ("Where The Wild Roses Grow") dürfte sein Name auch Leuten geläufig sein, die bislang wenig mit den dunklen und nicht selten gewalttätigen Gedankenwelten seiner Songs vertraut waren.

    Begonnen hat die Karriere von Nick Cave (eigentlich Nicholas Cave, * 22.09.57 in Warracknabeal/Australien) auf dem fünften Kontinent, wo er in den späten 70er Jahren die Underground Band "Boys Next Door" gründet und Punkrock in Australien populär macht. In den nächsten Jahren sorgt er mit der Punkbluesband "The Birthday Party" in der Londoner Szene für Aufsehen, bevor er 1983 die "Bad Seeds" aus der Taufe hebt. Fortan besorgen Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) und Mick Harvey (Birthday Party) die musikalische Umsetzung der düster melancholischen Poesie ihres Frontmannes.

    Kein Wunder, dass sich die Anhängerschaft von Nick Cave in den Anfangstagen fast aus-schließlich aus der Punk- und Gruftieszene rekrutierte. Auf den letzten Alben "Murder Ballads" und vor allem "The Boatman's Call" präsentieren sich Nick Cave & the Bad Seeds deutlich gesetzter und erwachsener als auf den Vorläuferalben. Dissonante Geräuschattacken sucht man fortan vergebens. Statt dessen treten die zwischen einfühlsam und arrogant gewalttätig schwankenden Texte Caves, minimalistisch instrumentiert, in den Vordergrund.

    In seiner Freizeit hat Nick Cave inzwischen schon sein drittes Buch veröffentlicht und auch seine Qualitäten vor der Kamera hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Mittlerweile scheint es sogar in seinem Privatleben etwas ruhiger zuzugehen, nach den wilden Wassern einer aufreibenden Beziehung zu PJ Harvey hat Cave den ruhigen Hafen der Ehe angesteuert.

    Auf der Bühne zeigt er aber immer noch, dass es um Alles geht. Im Sommer 2001 besucht er die deutschsprachigen Länder, um sein tolles neues Album vorzustellen, und präsentiert eine Show zwischen Punk, Rock'n'Roll und großem Entertainment, die das Publikum heraus- und den Fotografen überfordert.

www.nickcave.net/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Deep Purple

    "Smoke On The Water", "Child In Time", "Speed King", nie gehört??? Dann aber unbedingt weiterlesen!
    Denn wenn eine Band ausser Led Zeppelin und Black Sabbath in den 70ern den den Grundstein für Hardrock/Heavy Metal legte, dann Deep Purple.

    Soundwälle aus der Hammond-Orgel von Jon Lord und exzellente Saitenquälerei von Ritchie Blackmore gehörten zum unverwechselbaren Sound von Deep Purple.

    Nach grandiosen Erfolgen in den frühen 70ern gab es dann diverse Umbesetzungen im Line Up (mit Zwischenspielen u.a. von David Coverdale und Tommy Bolin), bevor man sich 1984 zusammenraufte und mit "Perfect Strangers" wieder in Originalbesetzung auftrat.

    Aus den Tagen der Streitereien gingen Bands wie Whitesnake (David Coverdale) und Rainbow (Ritchie Blackmore) hervor, die ihrerseits ein gewichtiges Stück (Hard)Rock-Geschichte geschrieben haben.

    Nach dem wenig erbaulichen Album "The Battle Rages On" (1993) ist Blackmore wahrscheinlich wieder eingefallen, warum er die anderen Bandmitglieder hasst. Die logische Folge war: Er verkrümelte sich in Richtung Rainbow und wurde von Ex-Kansas Gitarrist Steve Morse ersetzt. Morse schaffte es zwar, der Band neues Leben einzuhauchen, aber für langjährige Fans stellte sich die Frage: "Ist das noch Deep Purple?"

    Jungspunde fragen sich was ganz anderes: "Sind die nicht schon reif für die Rente?"

    Alles eine Frage des Standpunktes...

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Die Sterne

    Von wegen "Hamburg rockt", es swingt und grooved und zwar gewaltig! Die Sterne scheinen wi(e)der. Frank Spilker (Gesang, Gitarre), Frank Will (Tasteninstrumente), Thomas Wenzel (Bass) und Christoph Leich (Schlagzeug) zählen zu den Mitbegründern dessen, was unter dem Namen "Hamburger Schule" die hiesige Musiklandschaft in den Neunzigern nachhaltig geprägt hat.
    Begonnen hat die Geschichte im ostwestfälischen Provinznest Bad Salzuflen. Ende der Achziger veröffentlicht dort das Label "Fast Weltweit" diverse Singles und Cassetten-Sampler. Aus diesem Umfeld stammen unter anderen Jochen Distelmeyer (Blumfeld) und Frank Spilker. Der nennt seine zu der Zeit in wechselnder Besetzung auftretende Band Die Sterne, "damit das kein anderer mehr tun kann".

    1991 zieht Spilker nach Hamburg lernt dort die anderen Bandmitglieder kennen und seitdem gibt es die Sterne, wie wir sie kennen. Nach ein paar Auftritten als Serge-Gainsbourg-Coverband erscheinen erste Singles und Sampler-Beiträge bei L'AGE D'OR. Aus Einflüssen, die in Soul, Hip Hop und Funk liegen entwickelt die Band ihren eigenen (dann doch wieder Indie-Pop-) Stil.

    Die von Frank Spilker mit beeindruckender Beiläufigkeit vorgetragenen Texte der Sterne sind deutsch, was zu der Zeit nicht gewöhnlich ist, und bewegen sich zitatenreich zwischen Politik und Privatem ohne auf eindeutige Parolen zu setzen. Das findet nicht nur Freunde. Der Legende nach fordert bei einem Konzert in Frankfurt jemand Verständlichkeit, Spilker kontert: "Mitschreiben!"

    1993 erscheint in Zusammenarbeit mit den Hamburger Produzenten-Legenden Chris und Carol von Rautenkranz das Album "Wichtig". Erste Begeisterungsstürme im popintellektuellen Blätterwald setzen ein, die Sterne werden als amtliche Nachfolger von Ton Steine Scherben gehandelt. Ausdauerndes Touren steigert die Popularität weiter, der Begriff "Hamburger Schule" wird geboren und sofort (erfolglos) bekämpft.

    Ein gutes Jahr später wird "Universal Tellerwäscher" vom zweiten Album "In Echt" dank Major-Unterstützung (Motor) samt Video zum Indie-Sommer-Hit. Erneut wird getourt und '95 erscheint "Unter Geiern" bei Rough Trade, eine Vinyl-Zusammenstellung der ersten beiden Alben. Ein Deal mit dem Sony-Label Epic eröffnet den Sternen die Möglichkeit die Szene-Grenzen zu überschreiten. Die reflexhaften Ausverkaufs-Rufe verhallen nach Erscheinen von "Posen" recht schnell, Kompromisse werden nicht gemacht - trotz Hit ("Ruiniert") scheißen die Sterne angesichts der unsäglichen Kunze-Quoten-Debatte auf deutsche Texte.

    Auf der '96er Tour verkauft die Band ganz beiläufig eine 7'' mit dem vielleicht besten Song, den sie je gemacht hat. "Widerschein" gibt einen Vorgeschmack auf das erneut ausgezeichnete vierte Album. Die Sterne werden inzwischen sogar von offizieller Seite als Botschafter deutscher Popkultur wahrgenommen. Auf Einladung des Goethe-Instituts geht's im Oktober '98 auf Nordamerika-Tour um zu demonstrieren, daß es hierzulande Musik jenseits von Scorpions und Rammstein gibt.

    Das '99er-Album "Wo ist hier" entwickelt den Sterne-Sound mit elektronischeren Mitteln weiter und bestätigt die Stellung der Band als wichtige Kraft hiesiger Popkultur.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Divine Comedy, The ...

    Attitüde ist alles. Man gibt sich gehoben. Mod-Haarschnitt und Anzug sind das Mindeste. Perfektionismus ist angesagt. Und immer eine kleine Prise Überheblichkeit...

    In einer Zeit, in der alle Britpop geschrien haben, wenn Musik von der Insel kam, haben auch The Divine Comedy ihre ersten größeren Schritte im Musikgeschäft getan. Um sie ein bisschen von den rotzenden und prügelnden OasisBlurRüpeln abzugrenzen hat die englische Musikpresse sich dann noch eine kleine bis dato selten genutzte Nische für die Divine Comedy ausgesucht: Als Dandys hat man sie eingetütet.

    Sie sollten also die elegante Seite des britischen Pop repräsentieren. Und es schien, als würden The Divine Comedy da auch mitspielen... bis sie im Jahr 2001 das steife Spielchen aufgaben und vermehrt in T-Shirts zu Interviews auftauchten, aber bis dahin...

    1989 entschloss sich Neil Hannon - Mastermind, Sänger Gitarrist und Songwriter - dazu, ernsthaft Musik zu machen. Mit seiner damaligen Band zog er nach London, sie bekam dort sogar gleich einen Plattenvertrag. "Fanfare For The Comic Muse" war das Album, das dabei herauskam. Aber trotzdem schien es mit der Band nicht so zu klappen, wie es Mr. Hannon vorschwebte.

    So beschloss der Mann, seine Band erst einmal als "göttlich" zu betiteln und anschließend auch noch das gesamte Line-Up auszutauschen. Erst jetzt wurde Neil Hannon auch Sänger.

    1993 wurde das in nur 12 Tagen aufgenommene Debutalbum der Divine Comedy - Liberation - veröffentlicht. Dieses Album hat Neil im Alleingang eingespielt.

    Kurz bevor das 1994 folgende "Promenade" aufgenommen werden sollte, lernte er den Komponisten und Musiker Joby Talbot kennen. Er fragt ihn, ob er mitmachen möchte. Talbot ist immer noch Pianist der Band. Noch im selben Jahr soll The Divine Comedy als Vorband von Tori Amos auf Tour gehen. Dazu braucht Neil nun endgültig eine vollständige Band. Auf dieser Tour traf er zufällig auf zwei alte Schulfreunde: Bryan Mills, der darauf hin den Bass bei der Divine Comedy Bass spielen sollte und Ivor Talbot, der erst als Roadie und dann als Gitarrist der Band engagiert wurde. Die Hammond Orgel wurde kurzerhand mit Jobys Mitbewohner Stuart "Pinkie" Bates besetzt.

    Einen Drummer hatte man auch und somit schien die Band vollständig. Doch schon jetzt drohte das Projekt gerade am für die eitlen Dandys so ungewöhnlichen Fußballspiel zu scheitern: Der Schlagzeuger brach sich dabei den Arm und die Arbeit der Divine Comedy war erst einmal unterbrochen. Da dieser "Personenschaden" langwierig zu werden schien, entschied man sich, nach einem neuen Drummer Ausschau zu halten. Man fand ihn in Miggy Barradas.

    1996 wird "Casanova" veröffentlicht, was man in der Sprache der Divine Comedy wohl mit "Erfolgsbeginn" übersetzen könnte. aus diesem Album wird die erste offizielle Single, ein absolut ironisch klingender gute-Laune-Song, ausgekoppelt: "Something for the Weekend" kann Dank eines immensen Airplays auf diversen englischen Radiostationen in die Top 20 der Charts einsteigen. Alle folgenden Singles und Alben landen in den britischen Charts.

    Anfang 1997 zeigen die Divine Comedy noch einmal, dass sie sich exklusiv von typisch britischem Pop abheben. In nur zwei Tagen nehmen sie "A Short Album Of Love" auf. Dazu haben sie nur mal eben ein Orchester mit 30 Streichern benötigt. Ein bisschen posh eben, immer ein Stückchen von der Normalität entfernt. Auch die England-Tour in wird mit einem Orchester bestritten, in den USA beschließt man, ausschließlich Akustik-Gigs zu geben.

    1998 kommt Rob Farrer endlich als festes Mitglied zur Band. Er hat schon vorher oft die Percussions eingespielt. Im selben Jahr entschließt sich die Divine Comedy, noch Noel Cowards Song "I've Been To A Marvelous Party" für den Aids-Benefitz-Sampler "20th Century Blues - The Songs of Noel Coward" aufzunehmen und ein neues Album "Fin De Siecle" einzuspielen.

    1999 erfüllt sich für Neil Hannon ein riesiger Traum: The Divine Comedy spielen in Dublin als Vorband für REM, eines seiner größten musikalischen Vorbilder. Außerdem erscheint das Album "A Secret History... The Best Of The Divine Comedy"... wohl ein kleines Dankeschön an ihre alte Plattenfirma Setanta, die sie in diesem Jahr verließen, um sich für größere Aufgaben zu rüsten.

    2000 geht man im Vorprogramm von Robbie Williams auf Stadiontour und im Jahr 2001 wird das Album "Regeneration" bei Parlophone veröffentlicht. Von der neuen Plattenfirma erhofft sich die Band mehr Möglichkeiten. Setanta sei einfach nicht mehr mit ihnen mit gewachsen und habe das nun nötige Geld nicht aufbringen können.

    Dandytum Adieu, die Stadien werden angepeilt. Hoffentlich bleibt die Musik auch nach "Regeneration" so außergewöhnlich eigen, dass den Hörern wie auf den alten Alben die Entscheidung zwischen Lachen und Weinen oft schwer fällt... In dem Fall sollen sie ruhig ein größeres Mainstream-Publikum ansteuern.

www.thedivinecomedy.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Doors, The ...

    Jim Morrison und Ray Manzarek arbeiteten zusammen an Projekten für die Filmhochschule an der UCLA, als sie ihr gemeinsames Faible für die Musik entdeckten. Es war im Sommer 1965, als ein Aufschrei durch Amerika zog, ein Verlangen nach Frieden, Rock und neuen Perspektiven. Man öffnete "The Doors Of Perception" und ließ sich von der Inspiration leiten. Die Jungs trafen auf Robby Krieger und John Densmore und verschmolzen wie im sprichwörtlichen amerikanischen Schmelztiegel. Sie verbanden Einflüsse aus Rock, Blues, Soul und Morrison's exaltierter Poesie zu einem psychedelischen Rockmonster. Augenzeugen berichteten von voodookultigen Bühenenshows, man huldigte dem neuen Messias.
    Ein anderer amerikanischer Traum wies den Fans den Weg der Sonne nach Westen. Für die Plattenindustrie waren die Doors plötzlich die neuen Beach Boys, weil der mytische Kult gleich auch ein riesiges Merchandising entfachte. Die Leidenschaft des schüchternen Morrison galt aber mehr der Dichtung, als der Musik. Er war eher der poetisch begabte Schüler Nietzsches und Rimbauds, als eine wagnersche Popdiva und beschloss damals, lieber sein "American Prayer" auf Platte zu sprechen. Er versenkte sich in eine Flut aus Bourbon und anderem Sprit, um sich auf der Bühne total verausgaben zu können.

    Die Produktivität blieb deswegen nicht aus - 8 Platten in 6 Jahren Schaffensphase. Der Motor war dabei immer die Band, dort stimmte die Chemie. Doch der Motor blieb stehen mit dem frühen Tode Jims. Die Kollegen gingen ihre eigenen Wege und Jim hinterließ ein riesiges Erbe an Gedichten und Songs, die bis heute noch nichts an Aktualität eingebüßt haben. 1994 erfüllte Manzarek dem Pearl-Jammer Eddie Vedder seinen Kindertraum. Die Verbliebenen taten sich noch einmal zusammen, um mit Eddie als Sänger ein kleines Minicomeback zu feiern. Die Doors klingen aber weiterhin besser aus der Konserve zusammen mit dem Lizard King.

www.thedoors.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Dylan, Bob

    Kaum ein anderer Weißer hat soviel für die Rockmusik getan, wie der 1941 geborene Bob Dylan. Seinen Namen hat er vermutlich aus Respekt vor Dylan Thomas (Unter dem Milchwald!) gewählt, eigentlich heißt er Robert Allen Zimmermann.

    Zunächst traute er seinen Fähigkeiten als Songwriter nicht: Das Debutalbum enthält viele Covers, aber nur zwei Eigenkomositionen. Aber bereits seine beiden nächsten Platten, "The Freewheelin' Bob Dylan" und "The Times They Are A-Changin'" machte ihn zum Weltstar, sein "Blowin' In The Wind" wurde zur Hymne einer ganzen Generation.

    Plötzlich war Bob Dylan, noch nicht einmal 25 Jahre alt, eine Symbolfigur der Protestbewegung. Lange hat er das Dasein als Lichtgestalt nicht ausgehalten; noch bevor ihn 1966 ein schwerer Motorradunfall aus der Bahn warf, machte er auf der Bühne ernst mit schmutzigen lautem Rock'n'Roll.

    Das wiederum war seinen Fans ein Dorn im Auge und auch wenn Dylan Mitte der 70er mit "Planet Waves", "Blood on the Tracks" und "Desire" noch einmal drei Nr.1-Hits in den Albumcharts hatte, schien es doch vielen, die "Never Ending Tour", die ihn seitdem um den Erdball führt, sei ein absteigender Ast. Auch die plötzliche Jesus-Begeisterung schien Beleg dafür, daß der Mann im Diesseits nicht mehr viel zu erwarten hat.

    1997 aber hat Bob Dylan sich mit "Time Out Of Mind" eindrucksvoll zurück gemeldet. Das ist traurig-schöner Blues, die Instrumentierung erinnert an Cajun und New Orleans und Dylan's Stimme klingt rauh und strahlt zugleich eine Wärme aus, die man so von ihm noch nicht gehört hat. Ein Alterswerk? Hoffentlich nicht das letzte.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Echo and the Bunnymen

    Schwarze, hochgestellte Haare, dunkle lange Trenchcoats, Post Punk und traurige, komplizierte Texte über alles Schlechte dieser Welt. Das waren Echo & the Bunnymen 1978, als sie ihre Gründung feierten. Ian McCulloch, Will Seargant, Les Pattinson und Pete de Freitas erfanden zwar keine neue Musikrichtung, aber sie gaben ihr Gestalt. Nicht ganz so düster wie Joy Division und nicht so schwierig wie Eyeless in Gaza trafen sie damals den Nerv der Zeit.

    "Ocean Rain", ihr drittes Album, war 1984 der Durchbruch. Doch statt weiterzumachen, wurde die nächste Platte "The Game" ein äußerst durchschnittliches, flaches Popalbum. Die Band schob das auf das Ausscheiden ihres fünften Mannes Bill Drumond zurück, der neue Weg gehen wollte und das mit KLF auch tat. Ian McCulloch sah keine Möglichkeit aus dem kreativen Dilemma wieder aufzutauchen und verließ die Band. Der Rest von Echo & the Bunnymen suchten sich einen neuen Sänger und veröffentlichten das Album Reverberation. Ian McCulloch verklagte die Band, bekam aber kein Recht vor Gericht. Das Album wurde der Megaflop; niemand wollte Echo & the Bunnymen ohne Ian McCulloch hören und so versuchten sie erst gar nicht, eine zweite Platte herauszubringen.

    Auch Ian McCullochs Platten hatten nicht die gewünschten Verkaufszahlen erzielt. Also gründete er zusammen mit Will Seargant Electrafixion. Die Platte war zwar auch nicht der erhoffte Erfolg, aber man redete wenigstens außerhalb des Gerichtes wieder miteinander. Sie merkten, dass sie sich privat immer noch was zu sagen hatten und riefen Les Pattinson an, um Echo & the Bunnymen wieder ins Leben zu rufen. Pete de Freitas war leider schon 1989 bei einem Unfall ums Leben gekommen.

    Mit dem Album "Evergreen" zeigten sie dann, daß sie nicht zum alten Eisen gehören und auch heute noch wunderschöne Musik schreiben können. Zwar wesentlich kommerzieller als zu Anfang, aber nicht so platt wie auf "The Game". Sozusagen die richtige Musik, um an regnerischen, kalten Tagen in seinem Bett zu liegen und an all die armen Menschen zu denken, die jetzt draußen in der Welt des Bösen arbeiten müssen.

www.bunnymen.com/
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Interpreten
Element Of Crime

    Mitte der Achziger in West-Berlin: Alle reden vom New Wave, nur vier Jungs wollen nicht nur reden, sondern Teil dieser Bewegung sein. Sie gründen Element of Crime nach dem gleichnamigen Kultfilm.

    Nach ersten Anlaufschwierigkeiten kommt 1987 ihr Album "Try to be Mensch" heraus, das wegen der John Caleschen Produktion in der Musikpresse für gehörigen Aufruhr sorgt. Es folgen zwei weitere Platten im Jahrestakt und schließlich eine Live-CD. 1991 wagen sie den Sprung, bringen das erste komplett deutschsprachige Album heraus und stiften in Fankreisen Verwirrung.

    Nach mittlerweile fünf Chansonalben düfte sich die Aufregung aber gelegt haben, und Fans wie Kritiker überschütten die intelligten Rockmusiker mit Lob. Garant für den -mittelerweile auch komerziellen- Erfolg bleiben dabei die Gänsehauttexte Sven Regeners, der es schafft, menschliche Gefühle ungeschönt in schimmernde Hüllen zu verpacken.

    Melancholische Lebensfreude könnte man Regeners Grundeinstellung nennen, dabei nicht zu vergessen seine augenzwinkernde Selbstironie und das kritisches Ausleuchten einer Welt, die sich wie ein unerwartetes komplexes Schreckenswunder jeden Tag neu vor ihm aufbaut und ihm Seltsames ins Ohr flüstert.
    Element of Crime lebt vom zartbitteren Nachgeschmack der zerfransten Melodien, die durchzogen von Akkordeon und Blasinstrumentenklängen erst die richtige Basis für die Texte bilden.

    "Too old to die young" steht mittlerweile auf den Band-T-Shirts, die an die Fans verkauft werden, und obwohl die Herren des Melancho-Pops wirklich nicht mehr die allerjüngsten sind, ist ihre Musik beinahe zeitlos geworden und bringt Gefühlssaiten im Hörer zum schwingen, die altersunabhängig jedem bekannt sind.

www.element-of-crime.de/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Fink

    Die Band findet im Jahre 1996 zusammen und will es offensichtlich gleich wissen: Das erste Konzert wird im Vorprogramm von Lambchop absolviert, danach folgen Konzerte mit 16 Horsepower, den Jayhawks, Hank McCoy and the Deadringers und Die Braut haut ins Auge. Und das alles im Gründungsjahr der Band.

    In Eigenregie wird im folgenden der Longplayer "Vogelbeobachtungen im Winter" unter der Regie von Dinesh Ketelsen (ex-Nationalgalerie) aufgenommen und auch auf dem selbst gegründeten Label "XXS Records" veröffentlicht, da sich kein Label fand, dass sich an der Band interessiert zeigte. Es folgt eine Tour durch Deutschland. Die Reaktionen auf das Album und die Tour hinterlassen positive Eindrücke. Es folgt die Platte "Loch in der Welt".

    Seit einem gemeinsamen Auftritt mit Element of Crime bei der Popkom 1998 sind die beiden Bands befreundet, was ihnen später gemeinsame Tourneen beschert. Schließlich wird man bei dem Label L’age D’or, das für die Zusammenarbeit mit den Sternen, Tocotronic oder den Aeronauten bekannt ist, auf Fink aufmerksam. Es folgt das Album "Mondscheiner" und ausgedehnte Tourneereisen. Mit neuer Besetzung wird das selbstbetitelte neue Album veröffentlicht.

    Nach diversen Besetzungswechseln wird Dinesh Ketelsen offizielles Bandmitglied. Die Band besteht derzeit außerdem aus Henning Wandhoff, Nils Koppruch und Andreas Voss. Diverse Gäste unterstützen die Band auf Tour wie auch im Studio mit Trompete, Vibraphon, Geige, Orgel und vielem mehr. Daraus ergibt sich eine musikalische Mischung, die sich nur bedingt kategorisieren lässt. Eine Mischung aus Country, Rock und Jazz gibt der Band einen individuellen Charakter.

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Interpreten
Kante

    Kante - hinter diesem nicht gerade massentauglichen Namen verbergen sich Andreas Krane am Bass, Peter Thiessen am Mikro und der Gitarre (bei Blumfeld auch am Bass) und Sebastian Vogel am Schlagzeug und den Tasten.
    Gegründet wurden Kante bereits 1988. Bis zur Veröffentlichung ihres Debuts dauerte es jedoch noch neun Jahre, erst 1997 kommt "Zwischen Den Orten" in die Plattenläden. Das Album wird von der Presse begeistert aufgenommen und bringt Kante damals den Status des zweit-beliebtesten Newcomers bei den Spex-Lesern ein. Im Frühjahr 1998 erscheint ein Album mit Remixen des Erstlings namens "Redirections".

    Anfangs noch zwischen den Tocos, Blumfeld und den Sternen angesiedelt, haben Kante inzwischen ihren eigenen Stil entwickelt, weniger Hamburger Schule, mehr Einflüsse aus anderen Bereichen. So sind auf der neuesten Platte der Nordlichter, welche im Januar 2001 erschienen ist, neben den vertrauten Gitarren auch Bläser, Streichorchester und ein Chor zu hören.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Led Zeppelin

    Einmal, im April 1968, kam der meistgefragte Session-Gitarrist Englands, Jimmy Page, auf die Idee, eine eigene Band zu gründen. Nach Zusammenarbeit mit The Who, Eric Clapton und den Kinks hatte Page bei Studioaufnahmen für Donovans "Hurdy Gurdy Man" den Bassist John Paul Jones kennengelernt. Page reiste nun nach Birmingham, um einen potentiellen Leadsänger namens Robert Plant unter die Lupe zu nehmen. Dem Trio fehlte nur noch ein Drummer und Plant schlug sofort seinen Freund John Bonham vor. Im September 1968 spielten die vier schon ihre ersten Shows in London, gefolgt von einer kurzen Tour durch Skandinavien. Schon nach kurzer Zeit hatte man sich auf den Bandnamen Led Zeppelin geeinigt. Der Legende nach folgt der Name einem Ausspruch vom The Who Mitglied John Entwistle, der meinte daß Pages Projekt "would go down like a lead balloon".
    Die Band unterschrieb einen mit 200 000$ ungewöhnlich hoch dotierten Vertrag mit Atlantic Records und schon im Januar 1969 erschien das erste, selbstbetitelte Album. Die Mischung aus kräftigem Folk, Blues und Rock erreichte niemals die Charts und doch sind mit "Good Times, Bad Times" und "Communication Breakdown" zwei charakteristische Led Zeppelin-Stücke enthalten. Led Zeppelin tourten ausgiebig und arbeiteten gleichzeitig schon am Nachfolger II. Und siehe da: "Whole Lotta Love" schoß auf Platz 4 der amerikanischen Billboard Charts - und sollte für immer die höchste Plazierung bleiben.

    Das ist die Faszination Led Zeppelin: Kritiker hassten sie, die Radiosender ignorierten sie, aber die Band hatte einen unvergleichlichen Erfolg in den Siebziger Jahren. Sowohl mit Plattenverkäufen als auch mit Liveshows. Für eine ganze Generation fungierten sie als Sprachrohr der Gefühle. Seit ihrem Split im Jahr 1980 nach dem weniger ruhmreichen Tod John Bonhams, der nach einer durchzechten Nacht im Alter von 32 Jahren an seinem Erbrochenen erstickte, ist die Legende um Led Zeppelin nur gewachsen. Das liegt zum einen an einer Serie von genau geplanten Album Re-Releases, zum anderen an hunderten Hardrock und Heavy Metal Bands, die auf Led Zeppelins Wegen wandeln und sich noch heute von ihrer Musik inspirieren lassen.

    Nachdem in den 80er Jahren mehrere Versuche scheiterten, die Band zu reformieren, klappte es 1994 mit Page&Plant "Unledded", dem eine gutbesuchte Welttour folgte und die Kritiker endlich wohlgesonnene Worte finden ließ.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Manic Street Preachers

    Sie gehören zu den ganz Großen des britischen Popzirkus: Engagierte Lyrics, transportiert von einnehmenden, radiotauglichen Melodien, vorgetragen von der charakteristischen Stimme des Sängers James Dean Bradfield - das sind die Markenzeichen der Manic Street Preachers.
    Das Debutalbum der Band aus Blackwood in Wales erscheint 1992. "Generation Terrorists" ist ein Werk so voller Kraft und Schönheit, wie es eben nur britischen Bands gelingt, wenn sie jung sind. Die Single "Motorcycle Emptyness" ist eine Hymne, die Leben verändern kann - ein wirklich großer Popsong!

    Es folgen im Einjahrestakt zwei weitere Alben, die man aus Symphatie okay finden kann. Im Februar 1995 passiert dann das, was der Melody Maker als "Pop's Biggest Mystery" bezeichnet. Am Vorabend einer US-Tour verschwindet der von vielen als Identifikationsfigur der Band gesehene Gitarrist und Texter Richey Edwards aus seinem Londoner Hotelzimmer. Einige Wochen später wird sein Auto an der Severn-Brücke, die England mit Wales verbindet, gefunden. Von Richey selbst fehlt bis heute jede Spur.

    Damit scheint das Ende der Manics besiegelt. Doch schon bald reift in den drei verbliebenen Bandmitgliedern die Erkenntnis, dass "Weitermachen leichter war, als Zuhause zu hängen und aufs Telefon zu starren". Und so erscheint im Mai 96 mit "Everything Must Go" das vierte Album der Manic Street Preachers. Dass dieses ihren größten kommerziellen Erfolg und die endgültige Aufnahme in den britischen Pop-Olymp bedeuten sollte, dass "A Design For Live" die Hitsingle wurde, die jeder einzelne Song des ersten Albums hätte werden können, ja müssen, gehört wohl zu dem, was gemeinhin als "Ironie des Schicksals" bezeichnet wird.

    Nachdem alle wichtigen Awards und "Album des Jahres"-Titel der Insel gewonnen sind, schreibt die Band noch einige Songs für das vielgelobte Kylie Minoque-Album. Im Herbst '98 erscheint bereits das überragende "This Is My Truth Tell Me Yours", Anfang 2001 Know Your Enemy. Richey bleibt verschwunden.

www.manics.co.uk/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Nirvana

    1989 veröffentlichte das Seattle-Label Sup Pop "Bleach" von dem damals noch völlig unbekannten Trio Nirvana. Damals konnte noch keiner wissen, dass diese Entdeckung ein ganz neues Genre aus der Taufe heben würde, nämlich den Grunge.

    1991 kam dann "Nevermind" und Kreativkopf Kurt Cobain wurde zum neuen Rock-Messias. Mit der Hymne an eine ganze Generation "Smells like Teen Spirit" traf er den Nerv der Zeit. "Here we are now, entertain us..." heißt es in diesem Song und beschreibt Cobains Unmut und Langeweile.

    Welche er auch als Grund für seinen Selbstmord am 5. April 1994 in seinem Abschiedsbrief angab. Aber die Legende lebt weiter - auf CD und in den unzähligen Fangruppen. Ein früher Tod hat schon manchen Messias unsterblich gemacht.

    Vor allem, wenn er auch noch leicht geheimnisumwittert ist. Hartnäckig halten sich Mordtheorien, sogar Witwe Courtney steht unter Verdacht. Wieder andere glauben an den Freitod und wollen ihrem Idol nacheifern.

    Bis heute - über fünf Jahre nach Cobains Tod - verweigern die Behörden in Seattle eine offizielle Grabstätte. Sie fürchten den Ansturm von hysterischen Fans und Zustände wie in Paris am Grab des Doors-Sängers Jim Morrison. Sogar die Garage, in der sich Kurt Cobain erschoss, wurde abgerissen.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Oasis

    "Wir sind die beste Band der Welt." So oder so ähnlich bekommt man es zu hören, wenn man die Britpop-Heroen auf ihre musikalischen Fähigkeiten anspricht. Eigentlich überspringen Oasis die nervige Frage-Prozedur und plärren ihre Weisheiten ganz ohne Anstoß in die Welt hinaus. Aber was steckt dahinter?

    Oasis machen Britpop, nicht ganz so einfallsreichen wie ihre Kollegen von Pulp oder Blur, das erwartet auch keiner von ihnen. Einfache, gradlinige, durchaus melodiöse Songs, dargeboten von der recht durchdringenden Stimme von Liam Gallagher, das ist es, wonach die Oasis-Fangemeinde giert.

    Nach ihrem zweiten Album hatte man allerdings noch größere Taten von Oasis erwartet - scheinbar ist Noel (Nöl?) Gallagher hier nicht nur von sich selbst, sondern auch von diversen Kritikern überschätzt worden. Und The Masterplan, das letzte Machwerk aus dem Hause Oasis, gefällt nicht mal dem Chefkoch selbst.

    Wenn nicht gerade ein Band-Musiker ausstieg, ein Ersatz gefunden oder gar einer der Hauptakteure (in diesem Fall der kleine Bruder des Oasis-Masterminds, die singende Trällertröte Liam "der Schreckliche" Gallagher) von allen Medien als vermisst gemeldet wurde, kehrte immer wieder eine ungewöhnliche Ruhe um die britischen Krawall-Brüder ein. Da drängte sich einem doch die Frage auf, wieso gerade Scooter (???) und nicht Oasis dem allgemeinen "Millenium-Rummel" mit einer "Fuck The Millenium"-Single das Sahnehäubchen aufsetzten ...

    Doch dann war es da, das neue Jahrtausend. Und mit ihm kam eine neue Single und das vierte Studio-Album der Britpopper. Die folgende Tour ist mal wieder typisch: Nach wenigen Gigs hat Noel keine Lust mehr, trotzdem erscheint noch 2000 ein Live-Album. Und wie immer zerreißen sich die einen das Maul darüber, während die anderen in Wallung geraten. Und manch einer mag sich auch an die späten 60er erinnert fühlen - aber: Noel Gallagher ist nicht John Lennon und mit den Beatles haben Oasis ja nun wirklich nichts gemeinsam.

www.oasisinet.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Pearl Jam

    Am Anfang war ein tragischer Todesfall: Die Heroinüberdosis des Sängers von Mother Love Bone, einer Band, der auch Stone Gossard und Jeff Ament angehörten. Die Truppe war gerade ins Rollen gekommen, landete dank Gene Simmons von Kiss ein Video bei MTV und hatte einen Deal mit einem Majorlabel in Aussicht. Leider war der Tod des Sängers Andy Woods auch das Ende der Band.
    Woods Zimmergenosse, der Sänger Chris Cornell von Soundgarden, beschloß einige Songs über diesen Verlust als ein Tribut für Andrew Woods aufzunehmen. Dieses Projekt mündete in einem kompletten Album: "Temple Of The Dog". Hier stieß Mike McCready zu Ament & Gossard, und ihre Musik gelangte über ein Demoband in die Hände des Tankwarts Eddie Vedder. Eddie ersann sich andere Vocals, mixte sie über die Musik und schickte das neue Tape an die Band. Ament, Gossard und McCready waren beeindruckt und gründeten mit Vedder nach zwei Namensänderungen Pearl Jam.

    Ihr Debutalbum "Ten" schlägt ein wie eine Bombe. "Alive", "Even Flow" und "Once" sind wochenlang auf jeder Radiostation zu hören und "Jeremy" gewinnt die MTV Video Awards. Die Band nimmt mit ihren emotionsgeladenen Auftritten immer mehr Fans für sich ein und löst einen Medienrummel aus, der ihr ein Jahr später über den Kopf wächst: Da schießt sich nämlich Kurt Cobain das Gesicht weg und für die Vertreter der Presse ist Ed Vedder plötzlich der lebende Heilige des Seattlesounds.

    Die Band reagiert mit Abschottung. Ab dem zweiten Album "Vs." beschließt man, keine Videoclips mehr zu drehen. Interviews werden rar, und die einzigen Schlagzeilen verursachen ausgefallene Konzerte, weil Pearl Jam die Preispolitik der Ticketmaster-Kette nicht akzeptiert. Ein mit Neil Young aufgenommenes Album (Mirrorball) und viele Zweitprojekte der Bandmitglieder (Brad, Three Fish, etc.) sorgt dafür, dass die Musik von Pearl Jam im Laufe der Zeit ruhiger wird.

    Im Jahr 2000 machen Pearl Jam dann wieder verstärkt von sich reden. Innerhalb weniger Monate veröffentlichen sie die Livemitschnitte der "Binaural"-Tour, insgesamt über 70 CDs mit ca. 142 Stunden Musik. Plötzlich steigen fünf PJ-Alben gleichzeitig in die amerikanischen Billboard-Charts ein: Das hat's noch nie gegeben. Das einzige Konzert der Tour, dessen Mitschnitt nicht veröffentlicht wird, ist der Unglücks-Ggig von Roskilde, bei dem Ende Juni neun Menschen zu Tode getrampelt werden.

www.pearljam.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Pulp

    Spindeldürr, fettige Haare, keine Modelfresse, tanzt recht ungelenk und dennoch - Jarvis Cocker ist ein Sexsymbol. Frauen, die man sich persönlich nicht einmal anzuschauen wagt, verehren den Frontman der Gruppe Pulp abgöttisch.
    1978 gründete Jarvis die Band, damals noch unter dem Namen "Arabicus Pulp". Ein Jahr später nannte man sich dann nur noch "Pulp", spielte einige Gigs und nahm 1980/81 ein Demoband auf und drückte dies John Peel in die Hand. Der fand’s Klasse und lud die Band in seine Show ein. Doch dabei blieb es dann auch, es gab leider keine Deals mit Plattenfirmen.

    Und frustriert verliessen sie ihn: Cocker stand alleine mit Pulp da, seine Mitstreiter gingen 1982 lieber an die Uni. Jarvis heuerte neue Mannen, darunter auch Keyboarder Simon Hinkler (später bei The Mission) an. Zusammen spielte man das Album "It" ein, welches jedoch zum kommerziellen Flop wurde und zum zweiten Mal war der Sänger allein. Der holte den Gitarristen/Violinisten Russell Senior an Bord, die beiden verpflichteten den Drummer Magnus Doyle und Peter Mansell am Bass.

    Musikalisch nahmen Pulp vom leicht folkig angehauchten Touch Abstand, nicht zuletzt durch die neue Keyboarderin Candida Doyle. Gerade als es vorwärts zu gehen schien, verletzte sich Cocker recht heftig. Schuld waren die Frauen, besser gesagt eine davon. Cocker wollte diesem Geschöpf imponieren und stürzte bei seiner Poser-Action aus einem Fenster und landetet 30 Fuss tiefer auf der Fresse, verletzte sich an Füssen, Handgelenken und einigem mehr. Zwei Monate war er an den Rollstuhl gefesselt, ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, Gigs zu spielen. That's Rock'n'Roll.

    Nach der Veröffentlichung von "Freaks" und internen Turbulenzen hatte die Band gegen 1987 ein stabiles Line Up. Cocker zog 1988 nach London und begann Film am St. Martin’s College zu studieren. "Separations", eine weitere Platte entstand in dieser Zeit, wurde aber erst 1992 veröffentlicht.

    Pulp trennte sich von Fire Records und veröffentlichte aufbauend auf dem Erfolg von "My Legendary Girlfriend" beim Gift-Label einige weitere Singles. "Babies" war eine dieser Auskopplungen und verschaffte ihnen den Majordeal mit Island Records, bei dem unter anderem auch U2 unter Vertrag stehen. His ’N’ Hers das Majordebut erklomm die britischen Top Ten, bekam ausgezeichnete Kritiken und Pulp waren fett im Geschäft. Cocker bescherte der neue Ruhm fast schon eine Omnipräsenz in der britschen Medienlandschaft. Er wurde irgendwie zu einer Art Nationalheld hochstilisiert und wurde ganz nebenbei auch noch zum Sexsymbol verklärt.

    1995 knallte es dann so richtig bei Pulp: Die Single "Common People" wurde ein Riesenhit und landete auf Platz 2 der UK-Singelcharts. Auf dem Glastonbury Festival spielte Pulp in diesem Jahr ebenfalls im Headlinerfeld, nachdem die Stone Roses kurzzeitig absagen mussten. Dieser Auftritt katapultierte sie in England in den Status Superstar und pushte das Album "Different Class" mächtig. Eine zweite Vorab-Singel "Mis-shapes" wurde eingeschoben und erreichte ebenfalls Platz zwei. "Different Class" stieg von 0 auf 1 in die Albumcharts ein und erreichte bereist in der zweiten Woche Platinstatus. Der Erfolg führte zu weltweiten Aktivitäten der Band ("Different Class" wurde im Februar 1996 auch in den USA veröffentlicht). Die ganze Popstar-Pallette brach somit über die Gruppe herein.

    Den Pulp-Style entwickelte man 1998 mit dem Album "This Is Hardcore" und der Vorabsingle "Help the Aged" konsequent weiter. Die Scheibe wurde von Fans und Kritikern gleichsam heiss erwartet, stiess in diversen Kritiken auf äusserst positive Resonanzen, bloss die Kaufzahlen verhielten sich nicht kongruent dazu. Noch immer hatten wohl zu viele "Disco 2000" in den Ohren und konnten sich nicht auf die sehr filigran gestrickten und hervorragend arrangierten Kompositionen einlassen. Das Titelstück "This Is Hardcore" sowie "A Little Soul" wurden ebenfalls ausgekoppelt. Der Hype blieb, wenn auch etwas abgeschwächt, erhalten.

    Pulp sind noch immer aktiv. Im Frühsommer'99 spielten sie einige Gigs mit teilweise neuem Material; der neue Longplayer ist für Ende 2000 angesetzt.

www.vanishing.freeserve.co.uk/pulp/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
R.E.M.

    Als R.E.M. am 5. April 1980 ihr erstes Konzert in der Kirche ihrer Heimatstadt, Athens/Georgia, gaben, hörte die Band noch auf den Namen "Twisted Kites". Mike Mills, der als Drucker für die ansässige Tageszeitung arbeitete. Bill Berry, der sich als Studiodrummer durchschlug. Peter Buck, Inhaber eines Plattenladens. Und natürlich der engagierte Frontmann Michael Stipe, der damals als Kunststudent an der Universität von Georgia eingeschrieben war. Sie finanzierten sich die Aufnahme ihrer ersten Single Radio Free Europe selbst und beeindruckten Miles Copeland damit so sehr, daß er sie für sein I.R.S.-Label unter Vertrag nahm und im Vorprogramm von The Police auf Tour schickte.

    Nach der ersten EP "Chronic Town" und dem Debutalbum "Murmur", die sich noch am britischen New Wave orientierten, war klar, daß sich hier vier Individuen gefunden hatten, bei denen die Chemie stimmte und die charismatische Identifikationsfiguren darstellten. Die Kritiker überschlugen sich und R.E.M. hatten sich bereits eine treue Fangemeinde erspielt.

    Es folgten fünf Alben, bevor die Band mit "Green" zu Warner Bros. wechselte und die darauffolgende Platte "Out Of Time" mit dem Welthit Losing My Religion den endgültigen Durchbruch auch in Europa brachte.

    Mit Grammy-Auszeichnungen und MTV-Awards überschüttet, begann die Band, sich auch außerhalb des Musikbusiness zu engagieren. Für PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) etwa, oder die "Tibet House" -Initiative, eine Organisation in New York die sich für die Erhaltung der tibetanischen Kultur einsetzt. Das nächste Album "Automatic For The People" verkaufte sich über sieben Millionen mal und brachte R.E.M. den höchstdotierten Plattenvertrag der Musikgeschichte. 80 Millionen Dollar ließ es sich Warner kosten, daß auch die nächsten Alben auf dem eigenen Label erscheinen.

    Inzwischen ist mit Bill Berry ein Viertel der Band in den Ruhestand getreten, aber auch nach 18 Jahren Musikbusiness macht das verbliebene Trio unbeirrt weiter mit der schwer einzuordnenden Rockpoesie, die R.E.M. zu den ganz Großen werden ließ. 2001 erscheint das zwölfte Werk "Reveal", das erstmals wieder die unverschämt eingängige Melancholie des Hitalbums von 1992 versprüht.

www.remhq.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Smiths

    Die Smiths waren die beste Indie-Pop-Band der 80er und ihr Einfluß auf viele der heutigen Bands ist unumstritten. Der Manic Street Preachers Sänger James Bradfield ging sogar soweit und meinte, die Schmidts seien die Beatles unserer Generation gewesen.

    (Steven Patrick) Morrissey (Gesang), Johnny (Maher) Marr (Gitarre), Andy Rourke (Baß) und Mike Joyce (Drums) aus Manchester gründeten 1982 die Smiths und waren, bis auf eine dreimonatige Pause aufgrund eines Heroinproblems von Andy Rourke, bis zum Bandsplit 1987 in der gleichen Besetzung zusammen. Als Sprungbrett für die Karriere erwies sich, wie bei allen wichtigen Bands der 80er, John Peel, den man damals als den Gott des Indie-Rocks bezeichnete. Mit ihrer Musik waren sie die Rettung des Britpop, nachdem die englischen Charts zu der Zeit mit englischen Synthiepopbands überfüllt waren.

    Wunderschöne Melodien, luftige Gitarren, eine runder melodiöser Baß und traurig aggressive Texte über die Welt im kleinen und großen machten sie zu Stars. Morrisseys Texte bewegten sich zwischen sozialkritischen Ansichten des Lebens und seiner subjektiven, nicht für jeden direkt nachvollziehbaren Gefühlswelt und spiegeln auch Motive seines großen Vorbilds Oscar Wilde wieder. Oft benutzte er Sarkasmus oder Ironie in seinen Texten als Stilmittel und verunsicherte damit die Medien. Durch zahlreiche Fehlinterpretationen seiner Texte kamen sie immer wieder in die Presse. Der größte Skandal folgte wohl auf die Anschuldigung, Morrissey würde in dem Song Panic rassistische Parolen singen. Dabei ging es ihm um seine tiefe Abneigung gegenüber Diskomusik.

    Am 29.07.1989 verließ Johnny Marr die Band, um sich anderen Projekten zu widmen. Damit leitete er das Ende der Smiths ein. Zwar brachten die Übriggebliebenen noch ein Album heraus, aber man merkte ihnen an, daß der Saft raus war. Wie bei allen wichtigen Bands, hören auch bei den Smiths die Reuniongerüchte nicht auf. Nachdem sich andere Ikonen der 80er, wie z. B. Echo & the Bunnymen oder Bauhaus wieder zusammengefunden haben, würde es aber auch nicht verwundern, wenn das nächste Jahrtausend mit einer Smiths-Platte starten würde. Zu hoffen wäre es.

shoplifters.morrissey-solo.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Suede

    "Hype" ist der Makel, der Suede, zumindest auf dem Kontinent, wohl ewig anhaften wird. Sie waren 1992 die Lieblinge der bekanntermaßen "begeisterungsfähigen" britischen Musikpresse: Coverstories, Vergleiche mit David Bowie und den eigentlich unvergleichlichen The Smiths und das alles, ohne eine einzige "anständige" Platte veröffentlicht zu haben. Auf der Insel nichts besonderes, bei uns Grund genug, die Nase zu rümpfen und wegzuhören. Zumal Rest-Europa seinerzeit genug damit beschäftigt war, langhaarigen Schmuddeltypen aus Seattle zu lauschen. Glamour war da nicht angesagt. Aber der Reihe nach:

    1989 ziehen die Schulfreunde Brett Anderson (Gesang) und Mat Osman (Bass) aus ihrem Arbeiterklasse-Heimatkaff in der Nähe von Brighton nach London und gründen gemeinsam mit Gitarrist Bernard Butler, den sie per Annonce im NME gefunden haben, die Band Suede. Unterstützt von einer Drum-Machine und Bretts damaliger Freundin Justine Frischmann (heute Elastica-Sängerin und Ex von Blur's Damon Albarn) als zweiter Gitarristin sammeln sie erste desaströse Live-Erfahrungen.

    Es folgen der Austieg Justines und der Rauswurf der Maschine; an deren Stelle tritt Drummer Simon Gilbert. Und in dieser Kombination klappt es: Suede schließen mit dem Indie-Label Mute einen Vertrag über zwei Singles und beginnen auf Livegigs eine ständig wachsende Anhängerschaft um sich zu versammeln. Die hinreißend melodischen Gitarrenriffs, die melancholischen, in sexueller Grauzone angesiedelten Texte und Bretts unglaublicher Gesang sorgen für Aufsehen und der erwähnte Hype beginnt. Nach den Singles "The Drowners", "Metal Mickey" und "Animal Nitrate" schießt das Debüt-Album im März '93 direkt auf Platz 1 der UK-Charts. Top Of The Pops-Auftritte, Awards und ausverkaufte Konzertsäle sind die Folge.

    Ein Jahr später, während der Aufnahmen zum zweiten Album "Dog Man Star", kommt es zum Eklat: Bernard Butler, bis dahin musikalischer Kopf der Band, verlässt Suede. Anderson führt die Arbeit weitestgehend alleine zu Ende, das Album orientiert sich mehr in Richtung Bombast-Rock und erlangt erneut Kritikerlob, aber nicht ganz den kommerziellen Erfolg des Debuts. Der aufkommende Britpop-Hype scheint Suede im Gegensatz zu den Kollegen von Blur und Oasis eher zu schaden als zu nutzen. Im erst 17jährigen Richard Oakes findet man aber einen würdigen Butler-Nachfolger.

    Mit dem Nr.1-Album "Coming Up" feiern Suede 1996 ihre triumphale Rückkehr an die Spitze der britischen Popliga. Fünf Top-10-Singles und das nur aus B-Seiten bestehende Doppelalbum "Sci-Fi Lullabies", das ebenfalls die Top 10 erreicht, untermauern diese Stellung. Und mit dem Keyboarder Neil Codling erhält die Band neue musikalische (und optische) Inspiration.

    Die zeigt sich auch auf "Head Music", dem fünften Album der Briten, das keyboardlastiger und experimentierfreudiger ist, ohne den typischen Suede-Sound aufzugeben. Vielleicht gelingt es ihnen damit, auch bei uns den Hype-Makel abzuschütteln.

www.suede.net/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Tindersticks

    Es gibt wohl keine englische Band, die dermaßen versnobt auf den Musikbühnen der Welt auftritt, wie die Tindersticks. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen versuchen sie nicht zu verbergen, dass sie englische Dandys sind. Ihre Auftritte werden in Anzügen absolviert und die Sprache, in der sie Interviews geben, kann man wohl nur als Upper-Class-Englisch bezeichnen. Die Arroganz ist allerdings berechtigt.

    Vollkommen unabhängig vom Britpop und den anderen englischen Musikströmungen bevorzugen die Tindersticks einen dunkeln, chansonartigen Sound, der vielschichtiger nicht sein kann. Wo ihre Zeitgenossen oft direkt und auf den Punkt musizieren, sind die Tindersticks gemächlich, machen dichte und schwierige Lieder, die mit anspruchsvollen Texten und wiederkehrenden Melodien überlagert werden, getragen von Stuart Staples murmelndem Gesang und melancholischer Orchestration.

    1992 wurden die Tindersticks von Stuart Staples (Gesang), David Boulter (Keyboard), Dickon Hinchcliffe (Violine), Neil Fraser (Gitarre), Mark Cornwill (Bass) und Al McCauley (Drums) ins Leben gerufen. Die ersten drei Singles veröffentlichten sie noch auf dem eigenen Label Tippy Toe. Dann bekamen sie einen Plattenvertrag bei This Way Up.

    Ein Konzert der Tindersticks kann man nur als Erlebnis beschreiben. Gerührte Fans vergießen Tränen und schreien sich die Seele zwischen den Titeln aus dem Leib, als hätten sie Angst, ihr Leben würde ohne diese Band einfach aufhören. Und die Band gibt es ihnen zurück, indem sie sich so weit in ihre Musik vertieft, dass man fast fürchtet, sie würden nie wieder ins normale Leben zurückkehren.

www.tindersticks.co.uk/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Tocotronic

    Die Angry Young Men des deutschen Indie-Pop, die Musterknaben der sogenannten Hamburger Schule - Tocotronic zählen zu den wichtigsten deutschen Bands der 90er Jahre.
    Ende 1993 gründen die Hamburger Punkmusiker Jan Müller (Baßgitarre), Arne Zank (Schlagzeug) und der aus Freiburg zugezogene Gitarrist und Sänger Dirk von Lotzow Tocotronic (benannt nach einem Gameboy-Vorläufer) und starten damit ein Pop-Phänomen nahezu britischen Ausmaßes. Die seinerzeit in Selbstreferenz fast erstarrte Hamburger Musikszene feiert erste Konzerte der Band wie eine Offenbarung: Die eigenwilligen Frisuren, der Cordhosen-Werbe-T-Shirt-Trainingsjacken-Stil, die Höflichkeit der Ansagen werden gewürdigt und bewundert. Der Fanclub Megatronic gründet sich noch bevor ein einziger Tocotronic-Ton auf Platte verewigt ist.

    Die Band veröffentlicht im Selbstverlag Rock-O-Tronic eine Single, deren Titelzeile "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" sich kurze Zeit später auf Häuserwänden und in einem Blumfeld-Song wiederfindet. Über Blumfeld-Kopf Jochen Distelmeyer entsteht der Kontakt zum Label L'Age D'Or, die den Vertrieb der Single und zugehöriger T-Shirts übernehmen.

    Anfang '95 erscheint das Debut-Album "Digital ist besser" und setzt einen Meilenstein in der deutschsprachigen Indie-Pop-Geschichte: Trashiger Post-Grunge à la Dinosaur Jr., versehen mit identifikationsstiftenden Texten, teils punkiges Sloganeering, teils rührend-melancholische Momentaufnahmen vom Jugendalltag. Die popintellektuelle Presse bejubelt den Ausdruck einer neuen Generation und diesmal sieht das auch die Generation so: Eine zweiwöchige Club-Tour trägt den Namen Tocotronic über die Stadtgrenzen Hamburgs ins Bewusstsein junger, wütender Menschen.

    Ganz Indie-Deutschland kann sich auf diese Platte einigen und reibt sich verwundert die Augen, als bereits im Juli ein weiteres (Mini-)Album erscheint. Um das Stück "Michael Ende, Du hast mein Leben zerstört" entwickelt sich eine skurille Geschichte: Die TAZ druckt den Text als Nachruf auf den im August '95 verstorbenen Schriftsteller. Daraufhin geht im Labelbüro ein mysteriöses Droh-Fax ein. Die Band beschließt, das Lied nie wieder zu spielen.

    Mit dem dritten Album "Wir kommen um uns zu beschweren" steigen Tocotronic im Frühjahr '96 als erste Lado-Band in die deutschen Charts ein. Ermöglicht wird dieser Verkaufserfolg durch einen Vertriebsdeal mit dem Majorlabel Motor. Melancholischer und selbstreflexiver als auf den Vorgängern gelingt es den Tocos, dem Fluch der dritten Platte, die für viele Hamburger Bands zuvor das Aus bedeutete, zu entgehen. Die Konzerttour führt jetzt durch größere Hallen und Theater. Der Musiksender Viva will Tocotronic den "Comet" verleihen. Die Band bedankt sich auf der Preisverleihung gewohnt artig und lehnt ab.

    Für die Aufnahmen zu "Es ist egal aber" geht es erstmals raus aus Hamburg in ein westfranzösiches Kaff. Das Album markiert einen Wendepunkt: Die Texte nehmen mehr Abstand, die Musik wird differenzierter, sogar Streicher finden ihren Platz.

    Danach folgt eine für Tocotronic-Verhältnisse ungewöhnlich lange Veröffentlichungspause. Geschlagene eineinhalb Jahre dauert die Arbeit an "K.O.O.K.", unterbrochen von einer kleinen US-Tour und Produzententätigkeiten für die Band Jonas. Im Juli '99 erscheint das fünfte Toco-Album, der deutlichste Bruch bis dahin. Die Songs verharren jetzt im Midtempo, entfernen sich von der klassischen Strophe-Refrain-Songstruktur, die Texte gewinnen an Abstraktion. Und auch der Look ist erwachsener geworden, die Werbe-T-Shirts sind eher Suede-artigen Hemden und schwarzen Kunstlederjacken gewichen. Im darauffolgenden Jahr geht man sogar noch einen Schritt weiter: ein Remixalbum "K.O.O.K. - Variationen" erscheint, auf welchem hauptsächlich elektronische Versionen der K.O.O.K. Stücke enthalten sind.

© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Toploader

    Wer träumt nicht davon, drei Jahre nach Bandgründung einen Longplayer der eigenen Band in den Regalen sämtlicher Plattenläden wieder zu entdecken? Vielleicht haben auch Toploader davon geträumt, ganz sicher sogar, und um der Geschichte vorzeitig die Spannung zu nehmen, sie haben es auch tatsächlich geschafft. Und das, obwohl "Onka's Big Moka" weder die Neudefinition von Rockmusik darstellt, noch in hypnotischer Manier den Hörer ans Sitzkissen fesselt.
    Obwohl, haha, das wäre wiederum konsequent. Denn das Besondere am äußeren Erscheinungsbild der fünfköpfigen Band aus Eastbourne, England, ist der sitzende Sänger Joseph Washburn. Das tut er nicht aus Kreuzschmerz lindernden Gründen, nein, er spielt zudem Keyboard-Orgel. Yo. Da fällt selbst gewieften bzw. betagten Musikjournalisten so schnell kein Äquivalent der Rockgeschichte aus dem Ärmel.

    Egal, wo waren wir: Joseph singt und spielt Orgel seit er Sieben ist, schreibt die Songs und sieht (wie man so liest) gut aus. Bier trinkt er zu allem Überfluss auch gerne und wie's der Deibel will, trifft er 1997 auf drei weitere der Trunkenheit und Musikalität durchaus nicht abgeneigte Kumpane namens Rob (d), Dan (g), Matt (b) und zuletzt Julian (nochmal g).

    Voilà, die fünf Freunde aus dem UK-Nest Eastburne. Spielen sich das Gesäß in kleinen Proberäumen ab, entwenden ihren Bandnamen dem eines Ausdrucks für das Drehen von Kräuterzigaretten und treten schließlich in so vielen Clubs auf, bis sowohl Sony als auch Paul Weller auf sie aufmerksam wird.

    Die erste Single "Achilles Heel" legt im Mai 1999 den Grundstein für weitere Erfolge. Man spielt plötzlich zusammen mit Travis und den Stereophonics und als auch noch "Let The People Know" chartet, preist die englische Presse das Quartett als "Next Big Thing" in der Tradition Stevie Wonders, Jamiroquais und Supertramps. Letzteren kommt der Toploader-Sound insgesamt auch erheblich näher als dem der Band-Favorites The Charlatans.

    "In 20 Jahren wird man unser Album auflegen können und es wird schlichtweg gut sein", prognostiziert Gitarrist Dan. Na, da sind wir ja mal gespannt!

www.toploader.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Travis

    Vier ehemalige Studenten der "School of Art" sahen die Kunst in der Musik und gründeten eine Band. Travis heißt die neue britische Hoffnung aus Glasgow. Schon mit fünf Jahren versprach Sänger und Songschreiber Fran Healy seiner Mutter "Mami, ich werde ein Popstar".

    Der Umzug 1996 von Glasgow nach London hat sich für Fran, Andy, Dougie und Neil sichtlich gelohnt. Nach 23 Jahren Glasgow und keiner Chance auf einen Plattenvertrag, haben sie ihn kurze Zeit später in Englands Hauptstadt prompt unterschreiben können. London scheint also immer noch das Geheimrezept für Reichtum und Berühmtheit zu sein.

    Das Debut "Good Feeling" wurde 1997 veröffentlicht. In nur vier Tagen wurde es aufgenommen, kennzeichnend ist das Nebeneinander von netten Popsongs und heftigeren Rocknummern. Kritiker schrieben daher, dass es sich um ein schizophrenes Album handelt. Die erste Single-Auskopplung "All I Want to Do is Rock" ging sofort in die Charts und hielt sich einige Zeit in den Top 30. Ursprünglich sollte der Song "All I Want To Do Is Fuck" heißen, aber Fran wollte seine Mami nicht ärgern und "Rock" hört sich seiner Meinung nach phonetisch einfach besser an.

    Travis sind also, laut Presse und Journalisten, schizophren. Sie sind zwar nicht sehr nachtragend, aber das haben sich die Schotten trotzdem gemerkt. Zwei Jahre später erschien "The Man Who". Der Titel basiert auf Oliver Sack's Buch "The Man Who Mistook His Wife For A Hat". Dort werden einzelne Geschichten von verschiedenen Arten der Schizophrenie erzählt. Travis scheinen Sinn für Humor zu haben, dies bemerkt man spätestens beim Anhören der Texte.

www.travisonline.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Williams, Robbie

    Wenn sich ein Künstler auf die Bühne stellt und fragt, was er für seine Fans tun kann, hat das Seltenheitswert. Und erst recht, wenn er sich im sonstigen Leben wie eine launige Diva aufführt, der nicht gebührend Respekt gezollt wird.
    Doch genau das macht Robbie Williams und genau das macht ihn aus. Sein Programm heißt "Let me entertain you", seine Show ist er selber und seine Fans lieben ihn dafür.

    Das war zu Take That Zeiten nicht anders. 1990 brach der damals 16-Jährige Robert Peter Maximillian Williams die Schule ab, um für die Idee des Agenten Nigel Martin-Smith herzuhalten. Robbie traf die anderen Jungs, sang vor und hatte den Job. Seine Rolle war die des Clowns und er war ein guter Clown. Doch das quirlige Eigenleben, dass er entwickelte, war in seinem Vertrag so nicht vorgesehen. Nach fünf Jahren, etlichen Reibereien mit dem Management und Drogenexzessen mit dem Gallagher-Duo, verließ Robbie Gary & Co.; das Leben bei der erfolgreichsten Reißbrett-Band der Neuzeit lag hinter ihm.

    Seine Solokarriere läutete der smarte Brite mit einem musikalischen Befreiungsschlag ein. Sein Cover des George Michael Songs "Freedom" konnte nur den vordersten Chartplatz der Spice Girls nicht knacken. Und gemeinsam mit seinem "Musical Director" Guy Chambers, der einen Großteil des Songwritings übernommen hat, konnte er auch den Respekt der Skeptiker einfordern.

    Bei Live-Auftritten dagegen verschanzt sich Chambers gern hinter dem Keyboard. Ein Entertainer, der sich auf die Bühne zelebrieren und trotz seines rüpelhaften Verhaltens von ausverkauften Hallen unverschämt selbstbewusst feiern lassen kann, ist einfach nicht zu toppen.

    Für die Frauen im Publikum ohnehin nicht. Denn wenn der Mann ihrer Begierde vor ihnen auf der Bühne steht und fragt, was er denn für sie tun kann, ist er für sie nur noch eins: 185 Zentimeter geballter Sex.

www.robbiewilliams.co.uk/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten

Interpreten
Young, Neil

    "They all sound the same" schreit jemand aus dem Publikum. "It’s all one song" antwortet Neil Young ruhig, bevor er beginnt, auf der '97 Liveplatte "Year Of The Horse" in die Saiten seiner Gitarre zu hauen.

    Besser ist der kanadische Musiker kaum zu charakterisieren. Nicht, weil seine Lieder alle gleich klingen, sondern weil sie fern von sonst üblichen Elementen wie Glamour, Mode und Verkaufszahlen entstehen und sich so durch eine ganz besondere Konsequenz auszeichnen.

    In den 40er Jahren in der kanadischen Provinz aufgewachsen, zieht es ihn 1963 nach Toronto, wo er als Folk-Songwriter durch die Clubs tingelt und in Joni Mitchell und Stephen Stills verwandte Seelen trifft. 1966 siedelt er nach Los Angeles um und gründet mit Stills die Folk-Rock Gruppe "Buffalo Springfield." Die Zusammenarbeit dauert zwei Jahre und führt mit drei veröffentlichten Platten zu den ersten Erfolgen.

    1969 erscheint "Neil Young", das erste Soloalbum. Anerkennung kommt jedoch erst mit seinem zweiten Werk, "Everybody Knows This Is Nowhere." Mit "Cinnamon Girl," "Cowgirl In The Sand" und "Down By The River" enthält es drei seiner berühmtesten Lieder - die er, im typischen Young-Stil, an einem einzigen Tag schrieb, als er mit Grippe im Bett lag. Auf der Scheibe arbeitet er zum ersten Mal mit Crazy Horse zusammen, die Gruppe, die ihn bis heute immer wieder begleiten wird. Im August tritt er mit "Crosby, Stills und Nash" beim Woodstock Festival auf. CSN&Y wird eine der erfolgreichsten Gruppen des Folk-Rock Genres; Young verlässt sie zwar 1971, ist aber immer wieder für ein Reunion-Album gut, zuletzt 1999 mit "Looking Forward."

    Parallel veröffentlich er 1970 "After the Gold Rush," ein Erfolg, der den Weg für das '72er "Harvest" eröffnet, das Album, das ihn zum Superstar macht. In Nashville aufgenommen und zwischen Folk, Pop und Country angesiedelt, wird es in den USA zur meistverkauften Platte des Jahres. Mit "Heart Of Gold" enthält es zudem sein bekanntestes Lied.

    Es folgt eine erste Phase der introspektiven Haltung. Bis 1978 veröffentlicht er sieben meist düstere und pessimistische Alben, aus denen lediglich "Zuma" (1975) mit dem Klassiker "Cortez the Killer" hervorsticht - eine Einstellung, die mit dem Drogentod verschiedener Personen in seiner nächsten Umgebung sowie mit der Geburt eines geistig behinderten Sohnes in Verbindung gebracht wird.

    1979 ist Young plötzlich wieder da - von Crazy Horse unterstützt nimmt er mit "Rust Never Sleeps" das Album auf, das Anfang der 90er Jahre als Geburtsstunde des Grunge gilt. Auf der ersten Seite gibt sich das Combo wie gewohnt akustisch, um auf der zweiten mit Feedback und Verzerrern loszulegen. Mit "My My, Hey Hey (Out Of The Blue)" (akustisch) und "Hey Hey, My My (Into The Black)" (heavy) enthält es die Hymne des unangepassten Rockers - der Vers "It’s better to burn out than to fade away" wird 1994 in Kurt Cobains Abschiedsbrief stehen.

    Wenige Monate später erscheint "Live Rust" (mit dazugehörigem Film), die Momentaufnahme einer typischen Neil-Young-Performance, mal mit Mundharmonika und Akustikgitarre, mal Unendlichkeiten lang mit dem Korper wippend in ohrenbetäubenden Feedbackorgien vertieft - die zwei Seiten seines musikalischen Schaffens.

    1978 kommt sein zweiter Sohn zur Welt, von der gleichen Krankheit befallen wie der erste. Die Folge ist, dass der Musiker für einen großen Teil der 80er Jahre aus dem Blickfeld verschwindet. Zwar erscheint fast jährlich eine neue LP, doch er verliert sich zwischen Country, Rock'n'Roll und, mit dem '82 "Trans," gar in elektronische Gefilde à la Kraftwerk. Der Tiefpunkt dürfte das peinliche, mit Synthie und Kinderchor aufgenommene "Landing On Water" (1986) sein, das zu einem Rechtsstreit mit seinem Label führt ('unverkäuflich', lautet der Vorwurf).

    Mit dem bluesigen "This Note's For You" gewinnt er 1988 mit dem dazugehörigen Anti-Video-Video einen MTV-Award, obwohl der Sender sich geweigert hat, es auszustrahlen: In einer Szene erscheint ein Michael-Jackson-Doppelgänger, dessen Haaren in Flammen aufgehen, um von einer Whitney-Houston-Doppelgängerin mit Pepsi gelöscht zu werden. Es ist der Neubeginn; das 89er "Freedom" erhält mit "Rockin' In The Free World" eine Hymne in bester Young-Tradition, die Nachfolger "Ragged Glory" und "Weld," wieder mit Crazy Horse, sind hart-klingend und stoßen auf positive Reaktionen.

    Endgültig zurück ist er 1992 mit "Harvest Moon", ein Album, das nahtlos an das '72er "Harvest" anknüpft. Die akustische Phase setzt sich 1993 mit "Unplugged" fort. Nach dem Selbstmord Cobains ist er allerdings auch ein Begriff für jüngere Bands und Generationen; das Ergebnis ist "Mirrorball" (1995), in Zusammenarbeit mit Pearl Jam. In nur vier Tagen geschrieben und aufgenommen, ist es das Zeugnis eines Young in Bestform: Es rockt gewaltig und bringt ihm einen Grammy als 'Best Male Rock Vocal Performer' ein.

    1996 erscheint erst der Soundtrack zu Jim Jarmushs Film "Dead Man," anschließend "Broken Arrow," mal wieder mit Crazy Horse. Der Regisseur bedankt sich mit dem Film "Year Of The Horse," eine Liveaufnahme, die 1997 mit dem gleichnamigen Album erscheint.

    Nach der nicht recht gelungenen Reunion mit CSN im Jahre 1999 erscheint im Frühjahr 2000 das akustische Meisterwerk "Silver & Gold", von Kritikern und Käufern gleichermaßen gefeiert. Im Herbst 2000 erscheint schließlich mit "Road Rock Vol. I" erneut ein Livealbum, diesmal in Begleitung einer All-Star-Band, zu der auch seine Schwester und seine Frau gehören.

    Wenn man die Platten dazu zählt, die Neil Young mit Buffalo Springfield und CSN aufgenommen hat, kommt man in 35 Jahren Karriere auf über 40 offizielle Veröffentlichungen - darunter nur ein 'Best-Of.' Die Schreibfreude des Musikers löst nach wie vor Begeisterung bei den Fans und Bangen bei seiner Plattenfirma aus: In den Kellern lagern die Tapes von unzähligen Aufnahmen, die nie auf den Markt gekommen sind. Seit Jahren wird die Veröffentlichung der 'Archives' verkündet, ein Werk, dessen Umfang ungefähr dem des schon erschienenen gleichen sollte. Vielleicht ist es ja 2001 soweit.

www.neilyoung.com/
© LAUT, am 26.08.01 erfaßt von Robert Morten




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