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Headline:Nachhaltigkeit als Wirtschaftscredo der Zukunft?
Stichwort:Nachhaltigkeit
Rubrik:Geld
Datum:19.März.2001, 10:22
Text:(18.3.2001/Umweltfonds.de/Niki Rosinski) In den Finanzmärkten mehren sich die Signale für eine veränderte Bewertung sozial-ökologischer Unternehmen. Unternehmen, die sich den Herausforderungen von Nachhaltigkeit frühzeitig stellen, sind Experten zufolge die Marktführer der Zukunft.

Verblüffung bei Dow Jones vor zwei Jahren: Das von der Zürcher Ratingagentur SAM zusammengestellte Portefeuille sogenannter nachhaltiger Unternehmen wies eine Kursentwicklung auf, die die konventionellen Indizes über fünf Jahre übertraf. Damit stand Nachhaltigkeit im Rampenlicht der internationalen Finanzmärkte und bald darauf neben EURO STOXX und DAX als Dow Jones Sustainability Group Index (DJSGI) auf den Finanzseiten der Wirtschaftsblätter. Andere Anbieter ziehen nach: Ende Februar diesen Jahres kuendigte mit FTSE ein weiterer fuehrender Indexanbieter eine Reihe von Nachhaltikgeitsindizes an.

Das Konzept Nachhaltigkeit
Dieser Auftritt im Finanzmarkt ist umso erstaunlicher, als das Konzept der Nachhaltigkeit (Sustainability) in einem gänzlich anderem Kontext entstanden war: Mit der Agenda 21 wurde auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 die politische Konzeption eines Entwicklungspfades vorgestellt, der die Bedürfnisse der heute lebenden Generation erfüllen soll ohne die Entwicklungsfähigkeit der kommenden Generationen zu gefährden. Das Prinzip dieser Entwicklung ist Nachhaltigkeit. Prof. Schaltegger, Inhaber der Professur für Umweltmanagement an der Universität Lüneburg, erläutert es so: "Nachhaltigkeit ist ein Begriffskomplex, der im Wesentlichen aus einer ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dimension besteht. Die Erfolgsbedingung einer nachhaltigen Entwicklung ist die möglichst optimale Integration aller drei Dimensionen, um so wirtschaftliche Ansprüche mit gesellschaftlichen Anliegen und ökologischen Grenzen in Einklang zu bringen. Das klingt nach einer Zauberformel, ist aber vor allem eine gewaltige Herausforderung für alle Akteure. Denn es geht darum, den facettenreichen Begriff Nachhaltigkeit im Zusammenhang zu konkretisieren, um zum Beispiel erfolgreich Unternehmensstrategien oder Anlagekonzepte daran orientieren zu können".

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Was die Unternehmen des DJSGI aus Sicht der Finanzmärkte erfolgreicher macht als weniger nachhaltige Unternehmen, sagt Dr. Alois Flatz, Leiter des Research bei der SAM Sustainability Group in Zürich: „Nachhaltige Unternehmen schaffen Mehrwert, indem sie Chancen wahrnehmen und Risiken vermeiden, die sich durch soziale, ökologische und ökonomische Entwicklungen ergeben. Solche Unternehmen bezeichnen wir als Sustainability-Leader“. Als Beispiel nennt er Shell. "Der Ölmulti wandelt sich immer mehr zu einem ökologisch-sozialen Vorreiter der Branche. Mittlerweile ist Shell der größte Hersteller von Solarzellen. Damit arbeitet das Unternehmen bereits heute an seiner zukünftigen Marktposition als führender Energielieferant nach dem Ende des Ölzeitalters".
Es mehren sich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg von Unternehmen. Eine Studie der Bank Sarasin bestätigt dies zumindest für die ökologische Seite der Nachhaltigkeit: Die Autoren verweisen darauf, dass Unternehmen, die große Anstrengungen im Umweltschutz unternehmen, finanziell erfolgreicher sind.

Bedingungen für eine nachhaltige Zukunft
Eine Erfolgsstory allein reicht jedoch noch nicht aus für einen langfristigen Veränderungsprozess. Ob Unternehmen in Zukunft "nachhaltiger" werden, hängt nach Meinung von Dr. Flatz zum einen vom Verhalten der großen Kapitalgeber und zum anderen von den politischen Rahmenbedingungen ab. Bei den Pensionsfonds, Investmentgesellschaften und Versicherungen (Institutionelle Investoren) beobachtet er ein sprunghaftes Ansteigen des Interesses für Nachhaltigkeits-Investments. Aiko Bode von der Gerling Sustainable Development Project GmbH nennt dafür drei Gründe: "Erstens erhöht sich die Qualität der Anleger-Portfolios durch die rigidere Auswahl der Unternehmen im Rahmen der Nachhaltigkeitsprüfung. Zweitens sind sozial-ökologisch engagierte Unternehmen weniger anfällig für Imageschäden, die dann auf den Aktienkurs durchschlagen. Aus Investorensicht mindern sich dadurch die Reputationsrisiken für Unternehmensbeteiligungen. Drittens können sich institutionelle Investoren, wie z.B. Versicherungen, durch Nachhaltigkeits-Know-How als interessante Partner für neue Kundensegmente positionieren".
Der Markt für nachhaltige Anlageprodukte wies in letzter Zeit ein erstaunliches Wachstum auf: Laut einer aktuellen Studie des Branchendienstes ECOreporter.de wuchs das Volumen der in Nachhaltigkeits- und Umweltfonds investierten Gelder allein in der BRD in den letzten zwei Jahren um 600 Prozent. Demnach seien heute etwa 3 Mrd. DM in entsprechende Fonds investiert. Mit der Liberalisierung des europäischen Marktes für Pensionsfonds könnte dieser Trend noch einen weiteren Schub erhalten: Seit Juli 2000 sind britische Pensionsfonds gesetzlich verpflichtet, offenzulegen, ob und in welchem Ausmaß sie soziale und ökologische Aspekte in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen. Diese Initiative könnte laut Walter Kahlenborn, Projektkoordinator bei Ecologic, wegweisend für andere europäischen Länder sein. Erste Erfolge stellen sich laut einer britischen Studie bereits ein: Demnach verwaltet die überwiegende Mehrheit der Pensionsfonds ihre Investments bereits unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Kriterien.
Hinzu kommt die poltitische Dimension: Von vielen Seiten wird über Standards und Abkommen auf einen umfassenden Ordnungsrahmen für Nachhaltigkeit hingearbeitet. Akteure dieser sogenannten Global Governance sind die Vereinten Nationen, nationale Gesetzgeber und regierungsunabhängigen Organisationen (NGOs). Dieses Gebilde wird umso stärker je höher Nachhaltigkeit auf der politischen Agenda steht. Und hier gibt es Grund für Optimismus, denn Nachhaltigkeit gilt zunehmend als gesellschaftlicher Imperativ.

Der Druck der Anleger wächst
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf Unternehmen, sich mit Nachhaltigkeitfragen auseinanderzusetzen: Die noch schwachen Signale des Finanzmarktes werden lauter und finden zunehmend Resonanz. Immer häufiger fragen große Investoren Unternehmen, wie sie ihre ökologischen und sozialen Herausforderungen bewältigen wollen. Dazu meint Friedrich Lauer, verantwortlich für externe Berichterstattung und institutionelle Anleger bei DaimlerChrysler: "Nachhaltigkeit wird in den nächsten fünf Jahren ein bedeutendes Thema für die Kommunikation mit unseren Shareholdern". Auch Dr. Georg Riegel, bei DaimlerChrysler Forscher im Bereich Gesellschaft und Technik, ist sich sicher: „Ein vielseitiges Nachhaltigkeitsengagement ist in Zukunft nicht mehr nur eine Option. Dieses Engagement und entsprechende Resultate werden zu einer strategischen Erfolgsbedingung". Unternehmen, die sich heute und somit frühzeitig als Sustainability-Leader positionieren, hätten es leichter, die Marktführer von Morgen zu werden. Sie seien jedenfalls besser gewappnet für BSE-artige Nachhaltigkeitskrisen in ihrem Geschäft.

Quelle:umweltfonds.de
Link:www.umweltfonds.de

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