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Headline:Welche GVO-Schwellenwerte für Saatgut?
Stichwort:GVO
Rubrik:Land-/Gartenbau
Datum:14.März.2001, 17:59
Text:
BDP fordert 'praktizierbare Rahmenbedingungen'
Bonn (agrar.de) - Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP)
sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Festlegung von Schwellenwerten für
gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in konventionellem Saatgut.

Die Verpflichtung, Schwellenwerte festzulegen sei derzeit weder von der
EU-Kommission noch in Deutschland erfüllt, beklagt Dr. Ferdinand Schmitz,
Geschäftsführer des BDP. Bereits 1999 habe die Wirtschaft die EU-Kommission in
Brüssel auf diese Problematik hingewiesen und dringende Maßnahmen gefordert.
Erst nach Auftreten konkreter Beanstandungen sei über den 'Interim Plan of
Action' eine Empfehlung an die EU-Mitgliedsländer erfolgt, für diese Fälle unter
Zugrundelegung eines Schwellenwertes von 0,5 Prozent für genehmigte Konstrukte
(GVOs oder GVO-Bestandteile) und 0 Prozent für nicht genehmigte Konstrukte
national-staatliche Maßnahmen zu treffen.

'Die Bundesregierung sieht zurzeit keine rechtliche Regelungsmöglichkeit,
Schwellenwerte für das unbeabsichtigte Vorhandensein von GVOs festzulegen.
Folglich muss befürchtet werden, dass in Deutschland einer regierungsseitig
bereits geäußerten Rechtsauffassung gefolgt wird und selbst kleinste
Verunreinigungen unzulässig sind', schildert Dr. Schmitz. Durch diese zwar
rechtlich nicht haltbare, aber die gesamte Saatgutwirtschaft belastende
Situation müsse damit gerechnet werden, dass die jeweiligen mit der Überwachung
des Saatgutverkehrsgesetzes und des Gentechnikgesetzes betrauten Behörden bei
Feststellen auch nur geringster 'Verunreinigungen' Maßnahmen ergreifen.

Bis in Deutschland eine EU-Regelung vorliegt stelle die Nullgrenze
unkalkulierbare Risiken für den Saatgutvertreiber dar. 'Saatgut ist kein
technisches, sondern ein natürliches Produkt, das in einem offenen Ökosystem
produziert wird. Wir müssen mit der Tatsache leben, dass pflanzliche Pollen nun
einmal fliegen und sich dieser naturbedingte Vorgang durch technische Maßnahmen
nicht verhindern lässt. Die internationalen Verflechtungen und Warenströme der
deutschen Saatgutwirtschaft werden durch die Unentschlossenheit der
Bundesregierung wesentlich behindert' beschreibt Schmitz die Auffassung der
BDP-Mitglieder.

Die politisch Verantwortlichen fordert der Verband dringend auf,
rechtsverbindliche und praktizierbare Rahmenbedingungen zu schaffen. Die
Festlegung der genannten Schwellenwerte würde nicht nur zu erheblichen
Kostensteigerungen bei der Produktion und dem Vertrieb von Saatgut führen,
sondern auch zu unabsehbaren Haftungsrisiken. Diese würden dann sowohl die
Züchtung- und Saatgutbranche als auch die nachgelagerten Wirtschaftskreise
(unter anderem Landwirte, Verarbeitungs- und Lebensmittelwirtschaft) betreffen.
Darüber hinaus würde die Saatgutproduktion in der EU erheblich erschwert und
letztlich unmöglich. Außerdem würde dies das Ende der Forschung mit GVO-Pflanzen
und GVO-Pflanzensorten in Deutschland bedeuten, da dann praktisch keine
Freilandversuche mit derartigen Pflanzen mehr durchgeführt werden könnten.

Risiken lassen sich nach Ansicht des BDP 'momentan lediglich unter Beachtung
gebotener Sorgfaltsmaßstäbe mit geeigneten Qualitätssicherungsmaßnahmen
eingrenzen, jedoch niemals ausschließen.' Erschwerend komme hinzu, dass
amtlicherseits keinerlei Testmethoden oder eine Vereinheitlichung von Maßnahmen
zur Sorgfaltsbeachtung festgelegt wurden.


Quelle:agrar.de
Link:www.agrar.de

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