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Headline:Gentech: Etikettenschwindel aus dem Ständerat
Stichwort:Gentech
Rubrik:Technologie
Datum:3.April.2001, 23:41
Text:Pro Natura, WWF Schweiz und die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG) entlarven das sogenannte de facto Moratorium für den Einsatz von Gentechnik in der Schweizer Landwirtschaft als Etikettenschwindel. Die Umweltorganisationen warnen, einzele transgene Nutzpflanzen könnten bald in der Schweiz eingesetzt werden. Mit zwei neuen Studien belegen sie, dass der Schweiz mit dem ständerätlichen Vorschlag ein Debakel droht - nicht nur umweltpolitisch.

Knapp drei Jahre nach der Genschutzinitiative haben die Umweltorganisationen Pro Natura, WWF Schweiz und SAG am am 30. März 2001 in Bern eine Standortbestimmung vorgenommen. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Ständerates will im Gentechnikgesetz auf ein juristisch klar geregeltes Moratorium für den Einsatz transgener Pflanzen in der Schweizer Landwirtschaft verzichten. Sie gibt vor, mit strengen Vorschriften die allfällige Freisetzung transgener Pflanzen aber «de facto» auf Jahre hinaus zu verzögern. Stimmt das?

Gentechfelder durch die Hintertür
Bernadette Oehen, Gentech-Fachfrau des WWF Schweiz, winkt ab: «Wer den Vorschlag der WBK als de facto Moratorium bezeichnet, schwindelt.» Oehen kritisiert, dass die von der WBK vorgeschlagenen Ausschlusskriterien zu wenig hart seien, um die Bewilligung für den Anbau einzelner transgener Pflanzen tatsächlich dauerhaft zu verhindern. So schliesse das Kriterium der Antibiotikaresistenz zwar verschiedene Mais- und Rapssorten vom Anbau aus. Für andere Nutzpflanzen, die lediglich mit Herbizidresistenz «ausgerüstet» sind, gelte das aber nicht. Bernadette Oehen: «Wir müssten in absehbarer Frist damit rechnen, dass transgene Zuckerrüben, Tomaten oder transgener Mais in der Schweiz angebaut werden darf.» Pro Natura, WWF Schweiz und SAG erwarten vom Ständerat, dass er in der Juni-Debatte über die Bücher geht und das Bewilligungsverfahren durch ein klares Moratorium ergänzt.

Gentech gegen Natur
Pro Natura hat die Auswirkungen der Gentech-Landwirtschaft auf die Natur studiert und dazu die aktuellsten Forschungsresultate zusammengestellt. Die Risikoforschung ist ein Stiefkind des Gentech-Business. Weltweit werden weniger als ein Prozent aller Freisetzungsversuche mit einer ökologischen Begleitforschung verbunden. Gezielte Untersuchungen bekräftigen jedoch zunehmend Risiken, die von der Gentech-Lobby bisher als unwahrscheinlich eingestuft wurden. Beat Jans, Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura: «Unbeabsichtigte, überraschende Veränderungen sind bei gentechnisch veränderten Pflanzen häufiger als bei herkömmlichen Züchtungen. Die Gentechniker kennen die Prozesse, die sie in einer Pflanze auslösen immer noch sehr schlecht. Ihre Produkte sind unberechenbar.» Die von der Gentech-Lobby gerne versprochene massive Reduktion des Herbizid- und Insektizideinsatzes wird durch neutrale Studien nicht bestätigt. Das US-Landwirtschaftsministerium stellte in verschiedenen Untersuchungen fest, dass für Gentech-Felder der Herbizidverbrauch gewissen Regionen sogar anstieg. Beat Jans: «Dazu kommt die Gefährdung von Nützlingen. Die gentechnisch veränderten Pflanzen, die ohne Moratorium schon bald angebaut werden sollen, müssen als eine unnötige Bedrohung für heute schon bedrohte Schmetterlings- und Vogelarten angesehen werden.»

Vorsorge statt Risiko
Die Gentech-Debatte ist geprägt von einer Risikodiskussion, ergänzt durch ein nur zum Teil umgesetztes Vorsorgeprinzip. Das neue SAG-Studienpapier «Vom Risiko zur Vorsorge» plädiert für eine erweiterte Sicht. Daniel Ammann, Geschäftsleiter SAG, forderte anlässlich der Pressekonferenz: «Wir wollen einen Vorsorgeansatz, der über die heutige Diskussion hinausgeht.» Die SAG schlägt einen gesellschaftlichen Diskurs vor, der weit über den Stand der naturwissenschaftlichen Diskussion hinausgeht. In der EU ist in den letzten Jahren ein klarer Trend zum Vorsorgeansatz zu beobachten. So hat Österreich bisher keine einzige Inverkehrbringung von Gentech Pflanzen genehmigt. Andere Länder (F, GB, GR) haben spezifische Moratorien für bestimmte Gentech-Sorten erlassen. Daniel Ammann: «Der Vorsorgeansatz berücksichtigt zum Beispiel ethische Fragen, das verbreitete Nicht-Wissen über Gentechnik oder ökonomische Gesichtspunkte.»


Quelle:PronNatura Schweiz
Link:www.pronatura.ch

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