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Headline:Ausgliederung Städtische Werke Winterthur: Gutachaten Glauser
Stichwort:Liberalisierung
Rubrik:Energie
Datum:10.Januar.2001, 00:03
Text:Städtische Werke Winterthur (StWW):
Fachgutachten zur stadträtlichen Vorlage
Heini Glauser, Energieingenieur, e a si, Windisch, im Auftrag der SP Winterthur
1. Einleitung und Ausgangslage StWW
Die StWW sollen gemäss der stadträtlichen Vorlage für die bevorstehende Öffnung des Strommarktes fit gemacht werden. Dazu will der Stadtrat 5 der 7 StWW-Geschäftsbereiche ausgliedern und in eine neue Aktiengesellschaft einbringen. Betroffen sind die 5 Geschäfts-bereiche: Elektrizitäts-, Gas- und Fernwärmeversorgung, KVA und Energie-Contracting.
Die bevorstehende Öffnung des Strommarktes hat zu einer grossen Verunsicherung geführt. Nach zwei Jahrzehnten faktischem Status quo in der Elektrizitätsbranche wird seit 5 Jahren alles in Frage gestellt. Strukturen, Personal, Preise, Rentabilität, Zukunftsperspektiven, etc.. Consultingfirmen nutzen die Gunst der Stunde und heizen die verunsicherte Stimmung an. Drei Hauptargumente dominieren die Situation:
- Es muss rasch gehandelt werden;
- Die Umwandlung von Elektrizitätsversorgungsunternehmungen (EVU) in Aktiengesell-schaften ist notwendig, es bestehen keine Alternativen;
- Nur mit Allianzen und Fusionen können EVU im Markt bestehen.
Die Vorlage des Stadtrates nimmt diese omnipräsenten Forderungen auf und schickt die bisher erfolgreichen StWW auf einen klaren Privatisierungskurs. Mit dieser Vorlage werden die drei parallelen Trends im Strommarkt aufgenommen und gleichzeitig auch auf Gas, Fernwärme und KVA angewendet:
- Die Strommarktliberalisierung, die zur Zeit im EMG geregelt wird. Mit der Liberalisie-rung soll im Strommarkt der Wettbewerb eingeführt werden. Billigere Strompreise werden dadurch erwartet. Mit den Vorgaben der EU ist die Strommarktliberalisierung auch für die Schweiz zwingend, denn die Schweiz ist eines der bestintegrierten Länder im europäi-schen Stromverbund (UCPTE) und hat in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Funktion als Stromhandelsdrehscheibe wahrgenommen.
- Ausgliederungen (aus den kommunalen und kantonalen Verwaltungen) und Rechts-formänderungen sollen die betriebliche Effizienz steigern, die Abläufe straffen und Ko-operationen und Fusionen ermöglichen. Eine “moderne Unternehmung” ist das Schlag-wort.
- Mit Privatisierungen soll primär der politische und staatliche Einfluss auf die Unterneh-mensführung reduziert oder eliminiert werden. Die Frage der Eigentumsverhältnisse wird jedoch vielerorts tabuisiert. So auch in der StWW-Vorlage: “Die neue, eigenständig ope-rierende Firma bleibt vollumfänglich im Eigentum der Stadtgemeinde.” (Weisung S. 5) Gleichzeitig wird aber die Option Verkauf schon klar geregelt (Weisung S. 27): “Die Ver-äusserung von Aktien der StWW AG durch die Stadt Winterthur bzw. eine Aktienkapital-veränderung bedarf der Zustimmung des Grossen Gemeinderates, wobei das Referen-dum ausgeschlossen ist.” Nur bei einer mehrheitlichen Veräusserung besteht die Mög-lichkeit zum fakultativen Referendum.
Wer die hektischen Besitzes-Veränderungen auf dem europäischen Strommarkt beobachtet, insbesondere diejenigen in Deutschland, Österreich und Holland, wird leicht erkennen, dass eine StWW AG, mit dem vorgesehenen Aktienkapital von 50 Mio. Franken, zu einem begehr-ten Übernahmekandidaten wird. Mit der vorgesehenen Aktiengesellschaft werden die StWW “heiratsfähig” gemacht.
Alternativen zur einheitlichen AG werden im Bericht zwar erwähnt, aber mit wenigen Sätzen abgetan. Bei wesentlichen Punkten stehen in der Vorlage simple Behauptungen, ohne ent-sprechende Begründung oder Erklärung. Drei Beispiele:
- “Es versteht sich von selbst, dass die verselbständigte Unternehmung vollumfänglich nach umweltverträglichen Prinzipien arbeiten wird.” (Weisung S. 6)
- “Die StWW als sechstgrösstes Stadtwerk gehören zu den bedeutenderen Marktteilneh-merinnen der Schweiz. Sie sind aber nicht gross genug, um im liberalisierten Umfeld aus eigener Kraft mithalten zu können.” (Weisung S. 17). Grösse wird hier unreflektiert zu ei-nem zentralen Erfolgskriterium hochstilisiert.
- “Die Kundschaft erwartet von der StWW eine effiziente, umweltbewusste und auf be-triebswirtschaftliche Kriterien ausgerichtete Unternehmensführung. Die Methoden der Verwaltungsführung sind dafür nicht mehr geeignet.” (Weisung S. 19) Wozu dienen denn all die NPM-Programme der letzten Jahre?
Die stadträtliche Vorlage beinhaltet beträchtliche Gefahren und Unklarheiten. Eine überstürzte Rechtsformänderung und die Privatisierungsmöglichkeit kann die Strommarktöffnung behindern (kein fairer Wettbewerb), die Stadt Winterthur lang-fristig sehr teuer zu stehen kommen und den energiepolitischen Zielsetzungen ent-gegenlaufen.
2. Infrastruktur und Handel/Endkundengeschäft trennen!
Der Wettbewerb im Strommarkt soll den Kunden und Anbietern Handlungsmöglichkeiten geben. Das Ziel ist ein funktionierender Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern von Strom und Energiedienstleistungen. Dazu sind einerseits unabhängige AnbieterInnen und KäuferInnen und anderseits ein neutraler “Marktplatz” notwendig.
Damit dieses Ziel (unabhängige Wettbewerber und neutraler “Marktplatz”) erreicht wird, muss klar zwischen Monopol- und Wettbewerbsbereichen unterschieden werden. Der grösste Teil der StWW-Anlagen, insbesondere die Netze, sind eindeutige Monopolbe-reiche, hier wird in absehbarer Zeit kein Wettbewerb stattfinden. Die Netze haben somit die Funktion des neutralen Marktplatzes. Der Energiehandel, das Endkundengeschäft und die Dienstleistungen sind dagegen sehr geeigenete Wettbewerbsbereiche. Für einen funkti-onierenden Wettbewerb ist es zwingend, dass die beiden Bereiche Monopol und Wettbe-werb unternehmerisch getrennt werden.
Monopolbereiche versus Wettbewerbsbereich
Netze Energiehandel
Unterwerke Endkundengeschäft
Trafostationen Dienstleistungen
Die Erfahrungen in liberalisierten Märkten ähnlicher Art zeigt, dass bei ungleichen Wettbe-werbssituationen von Unternehmen einerseits mit Netzbesitz und Handel/Endkunden-geschäft und anderseits nur mit Handel/Endkundengeschäft dauerhafte und fast unlösbare Probleme entstehen.
Beispiel 1: Der schweizerische Telecom-Markt zeigt auf eindrückliche Weise die Probleme, die durch ein unvollständiges Unbundling (Auftrennung der Funktionen) entstehen. Ein wich-tiges Beispiel ist die Swisscom-Last Mile (Kabelverbindung zwischem dem einzelnen Tele-fonanschluss und der lokalen Telefonzentrale): weil die Swisscom die Kosten der Last Mile kaum allgemeingültig berechnen kann (und will?), verlangt sie aus Sicht ihrer Konkurrenten zu hohe Durchleitungsgebühren (Interconnection). Falls die ComCom, der Preisüberwacher oder die Wettbewerbskommission, zur Förderung des Wettbewerbes, zu tiefe Durchleitungs-entschädigungen anordnen, besteht längerfristig die Gefahr von schlechtem oder ungenü-gendem Netzunterhalt (s. auch Kap. 5). Diese spezielle Konkurrenzsituation zwischen dem bisherigen Monopolisten (mit Netz) und den neuen Anbietern (ohne eigenes Netz) führt auch zu volkswirtschaftlich ineffizienten Parallelstrukturen: die Last Mile wird nun mit Funkbetrieb (local loops) überbrückt, dies obwohl heute praktisch jedes Haus in der Schweiz schon ans Festnetz angeschlossen ist.
Beispiel 2: Die Neuorganisation im englischen Stromhandel. Die Regierung Blair und das verantwortliche Department of Trade und Industry empfiehlt aufgrund analoger Probleme (wie Beispiel 1), im nunmehr 10 Jahre geöffneten Strommarkt, eine konsequente Trennung der Verteilnetze und der Stromanbieter. Als Träger für die lokalen Verteilnetze werden die Communities (Gemeinden) vorgeschlagen.
Beispiel 3: In Deutschland müssen die Durchleitungskosten unter direkten Konkurrenten nun vor den Gerichten entschieden werden.
Im EMG (Elektrizitätsmarktgesetz) ist in Art. 7 die getrennte Rechnungsführung für die ver-schiedenen Geschäftsbereiche vorgeschrieben: ein Restfragment von Unbundling. Diese Trennung von Netzbetrieb und Endkundengeschäft nur auf buchhalterischer Ebene ist kaum zu überprüfen. Darum sind Querfinanzierungen zu oder von den anderen Geschäftsberei-chen vorprogrammiert.
Die Auslagerung der heutigen Betriebsstruktur, mit Netzen und mit den Wettbewerbsberei-chen, mag den StWW auf den ersten Blick Vorteile gegenüber zukünftigen Konkurrenten bieten. Dieser vermeintliche Vorteil für die StWW kann sich aber leicht in einen gravierenden Nachteil umkehren. Falls in absehbarer Zeit der erwünschte Wettbewerb nicht funktioniert, können die StWW vom (noch zu bestimmenden) Regulator gezwungen werden, die Durchlei-tungskosten unter die effektiven Kosten, eines hochwertigen Netzbetriebes, zu senken. Durch eine klare unternehmerische Trennung können dagegen beide zukünftigen Betriebe funktionsgerecht entwickelt werden. Der Service Public ist eine Aufgabe des Netzbetriebes und belastet somit nicht das Endkundengeschäft im Konkurrenzkampf.
Nur durch die klare Trennung von Netz und Endkundengeschäft können faire Durchleitungsgebühren festgelegt werden. Der Service Public sollte durch eine un-abhängige Netzbetreiberin, die der Politik untergeordnet ist, gewährleistet werden.
3. Die Ertragswertmethode ist einseitig und ungenügend
Die Bewertung der StWW nach der Ertragswertmethode gibt nur eine Sichtweise wieder und ist zur Beurteilung eines kapitalintensiven Unternehmens sehr einseitig. Für einen möglichen Käufer mag diese Sichtweise durchaus stimmen, in Anbetracht der momentanen Unsicher-heiten im Strommarkt (es gibt noch keinen funktionierenden Markt), den langfristigen Per-spektiven und dem grossen Volksvermögen ist es fahrlässig, einzig auf den kapitalisierten Ertragswert zu setzen.
Die zukünftigen Erträge hängen stark davon ab, welche Durchleitungstarife verlangt werden können. Gemäss VSE-Modell (einer Basis für die EMG-Verordnung) resultieren für die StWW Durchleitungsvergütungen von 24 - 48 Mio. Fr. (Tabelle 1). Die Marge 1999 zwischen Stromeinkauf und Verkauf lag im Vergleich dazu bei knapp 40 Mio. Fr..

Eine weitere wichtige Unbekannte sind zukünftig die zusätzlichen Ertragsmöglichkeiten der Netze. Falls mit Powerlining die Stromnetze in Zukunft als hoch potente Telekommunikati-ons-Schienen genutzt werden können, steigt deren Ertrags-Wert sprunghaft.
Unabhängig vom aktuellen Ertragswert der Netze, kosten diese bei Erneuerung harte Fran-ken. Daher ist die Erhebung des Wiedererstellungswertes und des Zeitwertes (Wiedererstel-lungswert minus Abschreibung) von grosser Bedeutung. In Tabelle 2 ist der Wiederbeschaf-fungswert und der Zeitwert mit Hilfe des StWW-Geschäftsberichtes und mit Hilfe von Erfah-rungswerten abgeschätzt. Der Zeitwert liegt ca. 3 mal höher als der kapitalisierte Ertragswert: ca. Fr. 550 Millionen.
Wer in Zukunft eine StWW-Aktie zum Nennwert kaufen kann (bei 50 Mio. Fr. Aktien-kapital), erhält einen Realwert, der ca. 11 mal höher liegt.


StWW - Wiederbeschaffungswerte der Ausgliederungen (Schätzung)
Berechnungen auf Basis des Geschäftsberichtes 1999 und von Erfahrungswerten
Meter/Anzahl/m2 EinheitspreisFr. Wiederbeschaffungs-wert, in Mio. Fr. Restwert 2000 Zeitwert (2000)in Mio. Fr.
400/230 V-Kabel 603'500 360 217.3 60% 130.4
400/230 V-Freileitungen 16'500 150 2.5 50% 1.2
Gleichstromkabel * 2'700 400 1.1 50% 0.5
6 kV-Kabel 29'400 410 12.1 50% 6.0
11 kV-Freileitungen 7'800 200 1.6 50% 0.8
20 kV-Kabel 139'800 410 57.3 70% 40.1
50 kV-Kabel * 10'194 1'000 10.2 70% 7.1
110 kV-Kabel * 1'612 5'000 8.1 70% 5.6
Trafostationen (20kV-400V) 212 175'000 37.1 60% 22.3
Trafostationen (50kV-10kV) * 5 1'500'000 7.5 60% 4.5
Unterwerke (gem. Weisung - 8) 5 24'000'000 120.0 80% 96.0
Elektrizitäts-Versorgung 474.6 314.6
Gasnetz (Nieder+Hochdruck) 247'280 400 98.9 50% 49.5
Druckred.-Stationen u.ä. + 20% 19.8 70% 13.8
Gas-Versorgung 118.7 63.3
Fernwärmenetz * 17'000 2'000 34.0 70% 23.8
Heizwerk, Stationen, u.ä. + 20% 6.8 70% 4.8
Fernwärme-Versorgung 40.8 28.6
KVA (gem. Weisung - 8) 144.0 75% 108.0
Contracting (?)
Liegenschaften/Anlagen 78'000 450 35.1 100% 35.1
Total Neuwert/Zeitwert 813 550
* Grobschätzung, da keine Referenzzahlen

4. Wieso ist der Wiederbeschaffungswert für die Stadt wichtig?
Der Wiederbeschaffungswert gibt die Kosten an, die zur Erstellung der heutigen Infra-strukturen notwendig wären. Da die Anlagen nicht mehr den Neuwert haben, sondern gemäss ihrem Alter einen reduzierten Wert (Restwert), wird in der Tabelle 2 der aktuelle Anlagen-Zeitwert geschätzt. Wenn die Erträge die Kapitalkosten nicht erwirtschaften kön-nen, wird kein marktorientiertes Unternehmen bereit sein, die Anlagen zu erhalten und Neuinvestitionen vorzunehmen, deshalb ist die Optik der Ertragswertberechnung ver-ständlich.
Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass die Netze und andere Infrastrukturen der StWW bisher effizient und wirtschaftlich erstellt, betrieben und unterhalten wurden und gleichzei-tig auf einem neuwertigem Stand sind, gibt es keinen ersichtlichen Grund für eine grosse Differenz zwischen Ertragswert und Zeitwert!
Mit dem StWW-Wert, basierend auf den erwarteten Erträgen, die der Ausgliederungsbot-schaft zu Grunde liegen, wird der Wert der StWW sehr tief beurteilt: ca. 170 Mio. Franken. Der Ertragswert liegt bei ca. einem Drittel des Zeitwertes. So wird es sicher möglich sein, die erwarteten Gewinne im offenen Markt, auch unter schwierigen Konkurenzbedingun-gen, zu erwirtschaften. Zwei Drittel des StWW-Wertes werden damit als “stille Reserven” der neu zu gründenden AG mitgegeben.
Damit die “stillen Reserven” (ca. 300-400 Mio. Franken) bei allfälligen Fusionen oder Verkäufen der StWW der Stadt Winterthur nicht abhanden kommen, sollte schon jetzt der heutige Zeitwert auf der Basis der Wiederbeschaffungskosten beurteilt und klar deklariert werden.
5. Der Betrieb der StWW-Netze als “Goldesel”?
Die zu erwartenden Durchleitungsvergütungen (s. Tabelle 1) liegen im Vergleich zur heu-tigen Marge zwischen Stromeinkauf und -verkauf sehr hoch. Nur ein Teil dieser Marge wird für die Netze benötigt. Somit steht einem weiterhin qualitativ hochwertigen Netzbe-trieb- und Unterhalt eigentlich nichts im Wege.
Im Rahmen der Strommarktliberalisierung wird jedoch von vielen Seiten unterstellt, dass im Betrieb der Netze und beim Endkundengeschäft noch grosse Effizienz- und Kostenein-sparpotentiale brachliegen. Zur Diskussion stehen Benchmark-Modelle, gemäss denen die Durchleitungsvergütungen im Quervergleich ähnlicher Versorgungsunternehmen fest-gelegt werden. Die Vergütungen sollen analog zu Norwegen und England kontinuierlich abgesenkt werden und sich am günstigsten Netzbetreiber orientieren, um damit eine ma-ximale Kosteneffizienz-Steigerung zu forcieren.
Bei Netzen mit optimalen Ausgangsbedingungen entstehen folgende Gefahren:
- Der langfristige Netzunterhalt wird reduziert und das Unternehmen lebt vom Kapital. Die unterschiedlichen Betrachtungszeiträume zwischen den jährlichen Betriebsab-schlüssen (mit den entsprechenden Erfolgserwartungen) und dem langfristigen Netzunterhalt (ca. 10-20 jährige Perspektiven) fördern die kurzfristige Optik mit Blick auf den Jahresabschluss. Falls die Situation eintreten sollte, dass die Netze zu Gunsten der Jahresabschlüsse vernachlässigt werden, wird die Stadt Winterthur dereinst die Netze ein zweites Mal neu aufbauen müssen.
- Eine zweite nicht erwünschte Möglichkeit zur Steigerung der Einnahmen besteht in gesteigertem Stromumsatz. Ein Verteilwerk, dem es gelingt, den Stromabsatz der Kunden zu steigern, profitiert von festgelegten Durchleitungsvergütungen pro kWh. Stromsparbemühungen beim Stromeinsatz kollidieren mit dem verlangten finanziellen Betriebserfolg.
6. Schlussfolgerungen
Die stadträtliche Vorlage zur Ausgliederung der StWW ist unausgereift und birgt grosse Gefahren:
1. Anstelle von neuen Strukturen, die den Wettbewerb im Strommarkt ermöglichen und fördern, werden die bisherigen Strukturen zementiert. Die Marktfähigkeit der StWW wird vermeintlich gefördert, neue Anbieter werden dadurch jedoch benachteiligt. Der Monopolteil mit dem Netz sollte konsequent vom Endkundengeschäft und dem Stromhandel getrennt werden.
2. Die Überführung des Netzes in eine privatrechtlich organisierte Aktiengesellschaft fördert die Veräusserung oder Fusion dieses wichtigen Infrastruktur-Elementes. Das über Jahrzehnte akkumulierte Kapital, das im Netz steckt, wird zu einem Bruchteil des Wertes “heiratsfähig” gemacht. Die Infrastruktur-Netze sollten im Verwaltungsver-mögen der Stadt bleiben oder in eine Gesellschaftform ausgegliedert werden, die nicht veräussert werden kann.
3. Die operative Ebene der StWW braucht mehr Handlungsspielraum und die Möglichkeit zum schnellen Reagieren. Hier sind Veränderungen notwendig, möglich und zügig umzusetzen. Das Endkundengeschäft kann problemlos in eine AG ausgegliedert wer-den. Der Service Public, die langfristigen Investitionsentscheide bei den Netzen (z.B. auch Energieversorgungspläne) und damit die energiepolitischen Hand-lungsmöglichkeiten sind politische Fragen und gehören weiterhin unter die di-rektdemokratische Kontrolle.
Quelle:SP Winterthur
Link:www.winti.ch/sp/privatisierung/20001213_glauser.html

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