Die Spannung wächst, sowohl bei den Spielern als auch bei den Fans ist die Nervosität spürbar, denn in wenigen Stunden startet der EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm den Punktspielbetrieb in die Saison 2002/03.
Durch die Zusammenlegung der Regionalliga Süd mit der Oberliga Süd in eine zweigleisige Oberliga spielen die "Haie" nach zwei Jahren Abstinenz wieder in dieser Klasse, die sie aus finanziellen Gründen verlassen mussten. Dabei bekommt es der Meister der Baden-Württemberg-Liga und Regionalliga-Aufsteiger gleich am ersten Spieltag mit dem EHC Memmingen zu tun.
Auf beiden Seiten wird dabei schon elektrisierend vom Derby gesprochen. Derby? fragt sich da der ein oder andere Fan. Wieso denn Derby? Aus dem Fußball kennt jeder das Revier-Derby (BVB vs. S04) oder das Münchner Stadt-Derby (FC Bayern vs. 1860) und im Eishockey ist das rheinische Derby (DEG vs. KEC) ein fester Begriff. Aber von einem Derby Memmingen gegen Ulm/Neu-Ulm hat man bisher nur wenig gehört.
Um das Rätsel zu lösen, wird der Band 5 des Duden "Fremdwörterbuch" zur Hand genommen. Das Wort Derby wird mit zwei Beschreibungen erklärt: 1. "Ein Ausdruck, der für die alljährliche Zuchtprüfung für die besten dreijährigen Vollblutpferde im Form von Pferderennen im 19. Jhdt. aus engl. derby entlehnt und das nach dem 12. Earl of Derby benannt wurde, der solche Rennen im Jahr 1780 begründete". Dies ist natürlich weniger hilfreich und triff nicht auf das zu, was wir suchen. Die zweite Erklärung: "Bedeutendes sportliches Spiel von besonderem Interesse, z.B. Lokalderby"kommt unserem Ansinnen dann doch näher.
Aber ist die Spielpaarung Memmingen - Ulm/Neu-Ulm ein bedeutendes sportliches Spiel, das auch noch von besonderem Interesse ist? Um diese Frage zu klären, blicken wir zurück in die Eishockeygeschichte und zwar weit zurück bis in die Saison 1981/82.
"Früher war alles anders. Besser", erinnern sich die, die von der alten Garde übriggeblieben sind.
Teil I - Saison 1981/82 - 1987/88 "Der Grundstein"
Während der damalige EC Ulm/Neu-Ulm erstmalig mit einer Mannschaft in der Saison 1981/82 an einem Punktspielbetrieb in der Gruppe IV der bayerischen Landesliga, teilnahm, jedoch hoffnungslos unterlegen war, spielte zu diesem Zeitpunkt der damalige SC Memmingen bereits seit drei Jahren (Saison 1979/80), in der klassenhöheren Bayernliga, ein recht ansehnliches Eishockey. Es dauerte jedoch bis zur Saison 1983/84 bis der SCM als Nachrücker (Platz 3) in die Regionalliga Süd aufsteigen konnte. Doch diese Liga sollte nur als Durchlaufstation dienen, denn in der Folgesaison 1984/85 war man bereits als Gruppendritter der Relegation zur Oberliga Süd, in diese Spielklasse aufgestiegen.
Es folgten drei Jahre (1984/85 - 1986/87) in der dritthöchsten Spielklasse. Top-Spieler waren damals: Timothy Turner u. Robert Bailey (84/85), Christophe Lunden u. Edgar Lill (85/86) sowie Daniel Burns u. Brent Gropp (86/87). Dennoch waren die Allgäuer ein unglücklicher Oberligist, den der Zuschauerschnitt im Freiluftstadion war weit unter 1000, zu dem musste der Gang nach den drei Jahren durch eine schlechte Relegationsrunde (Platz 5) in die klassentiefere Regionalliga Süd angetreten werden.
Doch mit der Fertigstellung der Eissporthalle im Dezember 1987 und der Favoritenrolle in der Regionalliga Süd in der Saison 1987/88 zog das Publikum mit. Der SCM konnte nun mehrfach ausverkauftes Haus mit 4000 Fans vermelden und am Ende belohnten die Spieler ihr begeisterungsfähiges Publikum mit der Regionalliga Süd -Meisterschaft und dem Wiederaufstieg in die Oberliga Süd. Und wie erfolgreich der SCM war, zeigt die Bilanz: Die Meisterschaft erlangte der Club verlustpunktfrei, d.h. 22 Spiele = 22 Siege. Topspieler waren damals Paul Bifano, Udo Ried und Kevin Weremy.
Teil II - 1988/89 - 1993/94 "Die erfolgreichen Jahre"
Für die Oberliga Süd hatte sich der SCM angemessen verstärkt: Die Bayreuther Zwillinge Peter und Paul Lowden, der Münchner Torwart Jürgen John sowie die Füssener Markus Gmeiner und Rainer Meisinger waren prominente Zugänge. Die Saison 1988/89 sollte für den Oberligaaufsteiger auch eine Kur werden. Attraktivere Gegner und der Ausbau des Zuschauerbooms sollte die vorangegangenen Oberligazeiten vergessen machen. Es sollten die erfolgreichsten Jahren im Memminger Eishockey werden. Größten Anteil daran hatten die Gebrüder Lowden: Peter und Paul, die nordamerikanischen Zwillinge, die brüderlich teilten. Titel Skorerkönig für den einen, Titel Schützenkönig für den anderen. Ein geniales Duo. Bis zum Wiederaufstieg des SCM in die Oberliga Süd musste der Verein, um den Klassenerhalt zu sichern, bisher immer in die unbeliebte Relegation zu dieser Liga.
Ab der Saison 1988/89 sollte sich dies jedoch ändern, denn ab da an spielten die Maustädter immer um den Aufstieg zur damaligen Bundesliga II Süd. Die Saison beendete man in der Qualifikation etwas enttäuschend als Gruppensiebter und Tabellenletzter mit nur vier Pluspunkten. Als Neuling tat man sich schwer gegen die etablierten Vereine aus Bad Tölz, Stuttgart und Riessersee. Selbst gegen die Oberligisten Ravensburg, Klostersee und Königsbrunn war in dieser Runde einfach nichts zu holen und der SCM noch eine Nummer zu klein. Der Zuschauerschnitt lag aber dennoch weit über 2000 Zuschauer.
Für die Saison 1989/90 verstärkte sich der SCM erneut mit so renommierten Cracks wie Sven Erhart (SV Bayreuth) oder Willi Schweiger und Krystof Kruczek (Augsburger EV). Spektakulärstes Schnäppchen war sicherlich der Torhüter Dietmar Habnitt vom EC Bad Tölz, immerhin zu der Zeit einer der begehrtesten Keeper im Lande. Am Ende war man Vizemeister der Oberliga Süd und verpasste den Aufstieg zur Bundesliga II Süd als Relegationsvierter nur um einen Punkt.
Die Aussichten waren gut, dass die dritte Oberligasaison 1990/91 der Allgäuer ihre vorerst letzte werden sollte. Erster Grund: Die Konkurrenz in der dritten Liga war schwächer geworden: Meister EV Ravensburg konnte nach dem Nichtaufstieg die hochwertig besetzte Truppe nicht ganz zusammenhalten, den anderen Klubs fehlte die personelle Substanz, um sich mit Memmingens Starensemble ernsthaft messen zu können. Grund zwei und der vielleicht wichtigere: Die Torfabrik Lowden bekam einen Spieler hinzu. Einen, der als Empfehlung mitbrachte, einige Jahre im erfolgreichsten deutschen Angriff überhaupt mitgewirkt zu haben, nämlich an der Seite der Düsseldorfer Stars Peter John Lee und Chris Valentine. Auch wenn er danach in Freiburg nicht mehr so toll und in Köln praktisch gar nicht mehr gespielt hatte - die Memminger waren mächtig stolz, einen solchen Spieler in ihren Reihen zu haben: Miro Nentvich, damals 31 Jahre alt und fünffacher Nationalspieler. Man gab ihm gleich ein Drei-Jahres-Vertrag - Zukunftsplanung hieß das damals. Denn diese Reihe sollte länger als nur eine Saison treffen: Peter, Paul und Miro. Und demnächst eine Klasse höher: in der II. Liga. Es sollte reichen, am Ende war der SCM Oberliga-Meister, sage und schreibe mit elf Punkten Vorsprung und belegte in der Qualifikation der Guppe B zur Bundesliga II Süd souverän den ersten Platz und stieg verdient in die Bundesliga II Süd auf. Nach den siegreichen Duellen mit dem Meister der Oberliga Nord, dem EC Bad Nauheim, war man sogar Deutscher Oberligameister 1990/91. Womit sich die dreijährige Aufbauarbeit vom Oberliganeuling zum Zweitliga-Aufsteiger ausgezahlt hatte. Und damit schließlich auch der Transferknüller vor der Saison, die Verpflichtung des einstigen Nationalspieler Miroslav Nentvich. Am Ende stellte das Team von Gerd Wittman, der sein drittes Meisterstück feierte, das fairste, attraktivste (knapp 3000 Zuschauer pro Spiel) und abwehrstärkste Team.
In der Saison 1991/92 stand die Bundesliga II vor einem bedeutendem Umbruch. Denn in der folgenden Saison sollte es nur noch eine bundesweite eingleisige Liga mit zwölf Vereinen geben. In drei Etappen lief die Qualifikation ab. Deshalb war es für jeden Verein in der Nord- und Süddivision sportlich reizvoll, das Nahziel - unter die ersten fünf zu kommen - zu erreichen. In drei Etappen lief die Qualifikation ab: nach der Hauptrunde qualifizierten sich die ersten fünf Teams für die Obere Zwischenrunde, die restlichen Mannschaften für die Untere Zwischenrunde der Bundesliga II. Die ersten acht Teams der Oberen Zwischenrunde sollten sich anschließend für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga I, die restlichen Mannschaften für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga II qualifizieren. Nach dem Aufstieg sollte dies somit eine recht harte Saison mit insgesamt 48 Spielen für die Allgäuer werden. Deshalb musste der Kader mit Rainer Vorerbrüggen (ESV Kaufbeuren), Alwin Wever (EHC Klostersee), Norbert Haslach (Augsburger EV), Jason Hall (Eintracht Frankfurt), Vladimir Lukscheider (EA Schongau) und Roman Zaborowski (SV Bayreuth) verstärkt werden. Die Hauptrunde beendete der SCM zwar als bester Neuling, leider aber unglücklich als Tabellensechster und musste deshalb in die Untere Zwischenrunde starten. Damit war die Qualifikation zur Bundesliga I nicht mehr erreichbar, die Chance sich aber für die eingleisige Bundesliga II zu qualifizieren, blieb gewahrt. In der Unteren Zwischenrunde erreichte der SCM nach 16 Spielen, hinter dem ECD Sauerland und dem EV Füssen, den 3. Tabellenrang und qualifizierte sich damit für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga II. In dieser Qualifikationsrunde wurden die Allgäuer souverän Tabellenerster und qualifizierten sich mit dem EC Bad Nauheim, dem EV Füssen und dem EHC Essen-West für die eingleisige Bundesliga II. Quasi konnte diese Qualifikation auch als erneuter Aufstieg gewertet werden. Der Erfolg gab den Verantwortlichen Recht. Die Investitionen in den Kader hatten sich gelohnt, am Ende waren die Memminger als Zweitligist unter den 24 besten Eishockey-Mannschaften in Deutschland. Trotzdem viel bereits ein kleiner Schatten auf diese Erfolgsstory: In den letzten Jahren musste der Club viel eigenes Geld in Ablösesummen für neue Spieler investieren. Der damalige Obmann Franz Müller gestand eine akut werdende Finanzmisere ein. Im Sommer wurde dann gebangt, ob der Vergleich mit den Gläubigern klappen würde. Das SCM-Flagschiff begann im Frühjahr zu schlingern und konnte nur durch einen außergerichtlichen Vergleich auf Kurs gehalten und das Aus nach 36 Jahren verhindert werden. Alles ging vorerst gut, der SCM konnte seine Aufstiegsstory fortschreiben - aber: Das bisher gute Image war erst einmal dahin.
Mit einem stark veränderten Kader ging der SCM in seine zweite Bundesliga II - Saison (1992/93). Während und zum Ablauf verließen insgesamt 13 Cracks den Verein. Die Fans mussten nach vier Jahren Abschied von den Lowden-Zwillinge nehmen. Nach diesem eher ungewöhnlich langen Engagement auf den Ausländerpositionen wurden zwei neue Hoffnungsträger geholt. Zwei lettische Sturm-Hünen aus Riga: Ilmar Toman (51 A-Länderspiele für die damalige UdSSR) und Ainar Hecht sollten nicht nur allein ihrer Größe wegen für Akzente sorgen. Hinzu kamen u.a. Andreas Keiler u. Sven-Oliver Vieten vom EHC Freiburg, Thomas Deiter vom Bundesligist Schwenninger ERC, Matthias Brod vom SC Riessersee und nach nur einem Jahr, der Rückkehrer und Torhüter Ralf Weinl vom ECUlm/Neu-Ulm. Der SCM gehörte zu den besten Startern der II. Liga, kam am sechsten Spieltag zum Tabellenführer Augsburger EV - und verlor völlig willenlos 0:14. Der Beginn einer Talfahrt. Trainer Gerd Wittmann gab auf, Nachfolger Martinec hielt den SCM wenigstens in der Liga. Enorm dabei der Ausländerverschleiß. Nur der Lette Toman spielte die Saison durch. Sein Landsmann Hecht schied mit dreifachen Beinbruch aus. Ersatzmann Mike Hiltner, ein US-Boy, erwies sich als Blender. Der vierte Ausländer war der Kanadier Stephan Thivierge vom EHC Klostersee - für Memminger Verhältnisse war seine Verpflichtung eine Frechheit. Den Thivierge galt aus seiner Ravensburger Zeit als das Feindbild schlechthin, hatte in seiner rauhbeinigen bis brutalen, meist unfairen Art bevorzugt Memminger Spieler zur Strecke gebracht. Aber Trainer Martinec hielt an dieser ungewöhnlichen Maßnahme fest, da der SCM unbedingt einen Torjäger brauchte. Die Saison verpasste der SCM, enttäuschend als Tabellenzehnter, die Play-offs zur Bundesliga I und musste somit in die Play-downs. Bereits in der ersten Runde konnte der SCM die Fahrkarte für eine weitere Saison in der Bundesliga II lösen. Der SCM setzte sich in fünf Spielen mit vier Siegen (Best-of-seven) gegen den SC Riessersee (4:3 n.V., 2:6, 7:5, 8:7 n.P. und 5:4) durch und hatte letztendlich als einziger Allgäuer Zweitligist doch noch den Klassenerhalt geschafft. Zu verdanken hatten die Verantwortlichen dies dem neuen Trainer Vladimir Martinec. Der auf das leckgeschlagene SCM-Schiff aufsprang, nachdem auch der kurzfristige Nachfolger des ehemaligen Erfolgstrainer Gerd Wittmann, Paul Sommer, die Memminger bereits abgeschrieben hatte. Auch in der Vereinshierarchie brachen nach dem Rücktritt von Obmann Franz Müller und Organisatonsleiter Peter Gemsjäger vorzeitig zwei wichtige Stützen weg und bei der Hauptversammlung traten dann zusätzlich der Vorsitzende Helmut Hirschel und sein Vize Dr. Anton Beck nicht mehr zu Wahl an. Ohne Trikot- bzw. Hauptsponsor trat man die zweite Saison in der eingleisigen Bundesliga II an.
Das Gesicht der Mannschaft änderte sich in der Saison 1993/94 erneut. Die beiden Letten Toman (Schwenninger ERC) und Hecht (zurück nach Lettland), Thomas Deiter (zurück zum SERC) und Markus Martin (zum EC Ulm/Neu-Ulm) standen u.a. als Abgänge fest. Mit dem Kanadier Brad Belland vom EC Kassel und mit dem Amerikaner Rick Erdall aus Malmö verstärkte der SCM sein Kader. Vom ECD Sauerland kamen Rainer Vorderbrüggen und Herbert Plattner sowie zurück vom EC Ulm/Neu-Ulm, Stürmer Ralf Aschenbrenner. Vom Augsburger EV stießen Armin Steigenberger und Ales Volek zu den Memmingern.
Was sich in den vorangegangen Spielzeiten bereits abzeichnete: die Bundesliga II war das Sorgen- und Stiefkind des deutschen Eishockeys. Die Saison 1993/94 endete nicht nur für den SCM im Supergau des Spielbetriebs. Statt mit zwölf, begann die Saison nur mit elf Clubs, nachdem der Schwenninger ERC als Nachrücker in die Bundesliga I für den in die Viertklassigkeit verbannten EHC Freiburg, kurzfristig abhanden gekommen war. Das letzte und auch zugleich schlimmste Jahr der II. Bundesliga forderte einige Todeskandidaten. Zwei verabschiedeten sich aus dem laufenden Spielbetrieb (SV Bayreuth und SC Memmingen), zwei taten ihren Abgang aus dem höherklassigen Eishockey nach den Punktspielen kund (ECD Sauerland u. EHC Essen-West). Der SCM stieg vorzeitig aus. Die Allgäuer gingen am 31.12.93 nach 26 Spielen auf Platz 10 liegend (1 Sieg, 1 Unentschieden, 24 Niederlagen mit 84:189 Toren und 3:49 Punkte) in Konkurs. Alle Spiele wurden gestrichen und die Tabelle ohne die Ergebnisse der Memminger korrigiert. Nach dem Weihnachtsfest war Schluß - und das hatte sich wie im Fall Bayreuth schon angedeutet. Bereits vor der Saison 1991/92 hatten die Allgäuer zäh um ihre Zulassung ringen müssen. Die Zuschauer erwiesen sich zwar als ebenso treu wie begeisterungsfähig - doch es fehlte an Sponsoren. Außerdem hatten die Memminger, als sie in der Oberliga ernsthafte Ambitionen entwickelten, zu viele und zu teure Spieler eingekauft. Wohl in der Euphorie, denn in der schmucken neuen Eissporthalle spielte sich der SCM bekanntlich bis in der II. Liga. Am Ende stand ein vermeintlicher Exodus eines sportlich ambitionierten Allgäuer Eishockeyclubs.
Teil III 1994/95 - 2001/02 "Der Neubeginn"
Der SC ist tot, es lebe der EHC. Schnell wurde eine neuer Eishockeyclub gegründet, der sich als Nicknamen "Die Wölfe" gab. Diese "Wölfe" mussten in der Saison 1994/95 ganz unten in der Bezirksliga - Gruppe 4 beginnen. In dieser Saison kam es überhaupt zum ersten Punktspiel gegen eine (Neu-) Ulmer Mannschaft. 1994/95 hatte der EC Ulm/Neu-Ulm eine Ib-Mannschaft zum Spielbetrieb in der Bezirksliga gemeldet. Der EHC Memmingen gewann am 04.11.94 vor 2.000 Memminger Zuschauern mit 22:1 und auch das Rückspiel gegen das Ib-Team in Neu-Ulm konnte der EHC Memmingen haushoch mit 0:22 gewinnen. Es sollte nicht nur die beiden ersten sondern für lange Zeit das bis dahin letzte Punktspiele gegen ein Team aus der Donaustadt werden. Die Allgäuer wurden bereits im ersten Jahr ihres Bestehens Gruppenerster und damit automatisch Aufsteiger in die Landesliga. Im Finale um die Bezirksliga-Meisterschaft scheiterten die Allgäuer nur an den ESV Bayreuth. Am Ende fehlten zwei zu wenig geschossene Tore, da die beiden Spiele ausgeglichen gestaltet werden konnten. Die Saison beendeten "Die Wölfe" als Vizemeister der Bezirksliga Bayern.
In der Saison 1995/96 startete der EHC Memmingen in der Gruppe 4 der bayerischen Landesliga. In der Vorrunde wurden die Maustädter souverän Gruppensieger und auch in der anschließenden Hauptrunde erreichte der EHC Memmingen den ersten Rang der Landesliga -Gruppe 4. In der nachfolgend ausgespielten Meisterrunde der jeweils Gruppenersten der vier Landesligen, mussten sich "Die Wölfe" nach dem EV Dingolfing und dem ESV Bayreuth mit dem dritten Rang begnügen. Direktaufsteiger in die Bayernliga waren die beiden Bestplazierten, aufgrund des Verzichts des ehemaligen Bayernligisten EV Berchtesgaden, stieg der EHC Memmingen jedoch nach der Saison als Tabellendritter am sog. "grünen Tisch" als Nachrücker in die Bayernliga auf.
Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten, die jeweils mit einem Aufstieg belohnt wurden, musste in der Saison 1996/97 in der Bayernliga der erste Rückschlag verzeichnet werden. Sowohl in der Vorrunde der Gruppe West (Tabellenzweiter) als auch in der Meisterrunde (Tabellendritter) mussten sich die Allgäuer dem ESV Bayreuth und in der Meisterrunde zusätzlich auch noch dem EV Pfaffenhofen, geschlagen geben. An dem ESV Bayreuth, der eine glanzvolle Spielzeit hinlegte, die letztendlich mit dem Aufstieg in die 2. Liga belohnt wurde, kamen die Allgäuer in den letzten zwei Jahren einfach nicht vorbei.
Als Tabellendritter war die Möglichkeit an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilzunehmen leider verspielt, deshalb startete der EHC Memmingen in der Saison 1997/98 erneut in der Bayernliga. In der Gruppe West der Bayernliga wurde der Club souverän Gruppenerster, ließ jedoch in der nachfolgenden Meisterrunde, obwohl die vormals übermächtigen Bayreuther nicht mehr teilnahmen, den vorherigen Elan vollständig vermissen und verspielten leichtfertig ihre Chancen. Die Saison beendete man enttäuschend auf den 5. Rang. Wieder hatten "Die Wölfe" die Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd verpasst. Die Konsequenz war die erneute Teilnahme am Spielbetrieb in der Bayernliga.
In der Saison 1998/99 sollte es aber endlich klappen. In der Vorrunde der Gruppe West musste sich der Club zwar noch hinter der EA Kempten einreihen, in der nachfolgenden Meisterrunde konnte der EHC Memmingen erstmals den ersten Platz belegen und damit als gekrönter Bayernliga-Meister vor der EA Kempten an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilnehmen. In der Aufstiegsrunde mussten die Allgäuer jedoch unerwartet der EA Kempten den Vortritt lassen. Als Tabellenzweiter vor dem Sachsen-Meister ESC Dresden und dem Baden-Württemberg-Meister ERC Schwenningen Ib war der Direktaufstieg leider nicht gelungen. Die Memminger nutzten jedoch ihre zweite Chance. In der Relegation des Tabellenzweiten mit dem Tabellenvorletzten der 2. Liga Süd, dem EHC Klostersee, konnten die Maustädter in zwei Spielen (2 Siege, 8:6 Tore) den lang erhofften Aufstieg in die Regionalliga Süd erzielen. Damit war die Vorstandschaft, des EHC Memmingen, die nach dem Konkurs des damaligen Schlittschuhclubs antrat, am Ziel ihres selbst gesteckten Fünfjahresplanes, der besagte, das "Die Wölfe" innerhalb dieses Zeitraumes wieder den Sprung in eine DEB-Liga schaffen sollten, angelangt.
Den Versuch des DEB, mit seiner höchsten Klasse (Bundesliga) an der Vormachtstellung der DEL zu rütteln, war ab 2000 gescheitert. Gescheitert am Zuspruch der Anhänger, aber auch am geringen Interesse von TV-Anstalten und Sponsoren. Lange Jahre der Verwirrung für den Fans, lange Jahre der Auseinandersetzung für die Verantwortlichen der DEL und des DEB, nach denen nun alles wieder beim Alten war. Denn es folgte ab der Saison 1999/2000 erneut eine Ligenstruktur. Die DEL hieß künftig wieder 1. Bundesliga, die Bundesliga (DEB) zweite Liga, die 1. Ligen Nord und Süd (DEB) Oberligen und die 2. Liga Süd (DEB) wurde in der kommenden Spielzeit als Regionalliga Süd ihren Dienst aufnehmen.
Damit war nun auch klar, dass der EHC Memmingen in der vierthöchsten Liga, der Regionalliga Süd in der Saison 1999/2000 an den Start ging. Die Memminger hatten sich für die Runde mit den 18-fachen Nationalspieler Stefan Steinecker und mit Jaroslav Benak, einem hochkarätigen tschechischen Abwehrstrategen vom EC Peiting, sowie mit einem weiteren Tschechen, Vladimir Petrovka vom HC Litvinov, und dem Schweden Dejan Kostic vom IFK Arboga, verstärkt. Vom EC Ulm/Neu-Ulm kam noch der junge Stürmer Achim Briechle. Zu den bewährten Kräften zählte man Routinier Herbert Kuisle, in der Bayernliga mit 89 Punkten Top-Scorer des EHC Memmingen, Goaly Ralf Weinl, Verteidiger Helge Pyka und Stürmer Günter Hartmann. Gespannt waren die Fans auf das bis dahin größte einheimische 18-jährige Eishockeytalent Martin Löhle. Insgeheim hatten sich die Allgäuer erhofft, sich für einen Platz unter die besten sechs zu qualifizieren, um so an der lukrativen Aufstiegsrunde zur Oberliga Süd teilzunehmen. Als die Felle davon zu schwimmen drohten, wurde mit Peter Lowden ein alter Bekannter und mit Joseph Hayse, ein vom EV Füssen kommender und langjähriger Top-Stürmer vom EC Ulm/Neu-Ulm, nochmals namhaft nachgerüstet. Trotzdem blieb unter dem Strich "nur" der undankbare siebte Platz und damit der Gang in die Qualifikation zur Regionalliga Süd. Der Klassenerhalt war jedoch für "Die Wölfe" freilich kein Problem. Als Tabellenzweiter beendeten die Allgäuer, hinter dem EV Landsberg, als fairste Mannschaft in beiden Runden, die Saison.
Im zweiten Regionalliga-Jahr der Saison 2000/2001 setzten die Memminger auf eine Mischung aus vielen jungen Gesichtern und einigen Routiniers. Von den bisherigen Kontingentspielern wurde nur Jaroslav Benak weiterverpflichtet, der trotz seiner mittlerweile 38 Jahren zu den großen Stützen in der Abwehr zählte. Bei der Besetzung der jetzt zugelassenen vier Ausländerstellen bauten "Die Wölfe" nun auf die tschechische und kanadische Linie. Neben Publikumsliebling Peter Lowden, der einen deutschen Paß vorweisen konnte, stürmte künftig der Tscheche Jiri Cihlar von Dukla Jihlava und die beiden jungen Kanadier Jamie Hogan und Aaron Lewis. Die dann aber als zu schwach befunden und noch vor Punktspielstart wieder ausgemustert wurden. Als Ersatz wurden ebenfalls zwei blutjunge Kanadier, Chris Sandau und Sean Adamick geholt. Letzter blieb bis Saisonende, Sandau sollte vor Weihnachten 2000 nach Hause geschickt werden. Als Abgänge verzeichneten die Maustädter, u.a. Stefan Steinecker, der seine Laufbahn beendete, Joseph Hayse, der zum ESV Königsbrunn wechselte und die beiden ausländischen Stürmer Petrovka und Kostic, die in den entscheidenden Spielen enttäuscht hatten. Bitter war sicherlich auch der Weggang von Günter Hartmann, in der Vorrunde noch viertbester Scorer der Allgäuer, der sportlicher Leiter bei der EA Kempten werden sollte, jedoch auch der Jagd nach dem Puck bei seinem neuen Verein nachging. In der Vorrunde wurde der EHC Memmingen die positive Überraschung der Liga. Die Experten von der Fachzeitschrift Eishockey-News tippten die Allgäuer auf den achten Rang und selbst die größten Optimisten im rot-weißen Anhang hätten nie und nimmer mit dem vierten Tabellenplatz gerechnet. Wie knapp "Die Wölfe" den Schlußspurt schafften, zeigt die Bilanz: Nur ein Punkt fehlten dem Tabellenfünften ERV Schweinfurt und anstellte des EHC Memmingen wären die Unterfranken in die Relegation zur Oberliga Süd an den Allgäuern vorbeigezogen, so konnten aber überglücklich die Allgäuer in die Play-offs einziehen. Die freie Ausländerstelle von Sandau besetzte schließlich Roman Mejzlik, der beim Nord-Oberligisten ESC Dresden überzählig war und den Trainer Leos Sulak gerne schon früher gehabt hätte. Mejzlik verstand sich blind mit Top-Stürmer und Top-Scorer Jiri Cihlar und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass "Die Wölfe", die fast aussichtslos dem vierten Platz hinterherhinkten, doch noch im Endspurt in die Play-offs rutschten. Zwar verloren dort die Memminger im Best-of-five-Modus gegen den Oberliga-Neunten, ERC Haßfurt, die ersten zwei Spiele eindeutig und schnell sowie das dritte Spiel unglücklich nach Penalty-Schießen (7:3, 5:1, 5:4 n.P.), aber dies war nicht ganz so tragisch. Der Club verpasste dadurch zwar den Aufstieg zur Oberliga Süd. Da aber alle vier Regionalligsten (Blue Devils Weiden, EV Ravensburg und der EHC Klostersee) in den Play-offs an den Oberligisten scheiterten, die Dominanz der Oberligisten und die gleichermaßen Unterlegenheit der Regionalligisten somit eindeutig war, wurde das Scheitern nicht überbewertet.
Auch in der vergangenen Saison 2001/02 sollte die Memminger eine gute Rolle in der Regionalliga Süd spielen, allerdings mit kleinerem Etat als bisher. In der vergangenen Runde kam der sportliche Endspurt und damit auch der Zuschauerzuspruch zu spät, das Dilemma bei der Besetzung der Ausländerpositionen hinterließ ebenfalls Spuren in der Vereinskasse. Am Ende blieb auch bei den so seriös wirtschaftenden Memmingern ein beträchtliches Minus. Nachdem die Allgäuer jedoch Überraschungsvierter geworden waren, wurden die Ziele hoch gesteckt. Auf jeden Fall wollten "Die Wölfe" Platz drei oder vier erreichen. Um das zu ermöglichen, wechselte Publikumsliebling Peter Lowden hinter die Bande und löste Leos Sulak als Trainer ab. Aufgrund der guten Erfahrung aus der letzten Spielzeit, versuchte man es wieder mit einer Mischung aus routinierten und jungen Kräften über die Runden zu kommen, wenngleich der Gürtel finanziell enger geschnallt werden musste. Die tschechischen Top-Scorer Jiri Cihlar, zum EHC Freiburg, Jaroslav Benak zurück zum EC Peiting, und Roman Mejzlik (Ziel unbekannt) verließen ebenso den Verein, wie das Eigengewächs Martin Löhle, der zum EC Ulm/Neu-Ulm wechselte und der Kanadier Sean Adamick, der zurück nach Kanada ging. Aus Kempten wurden mit Peter Schmid und den ehmaligen Ulmer Spielern Andreas Weißenborn und Andreas Becherer gleich drei Spieler vom Ligarivalen EA Kempten geholt. Richten sollten es vor allem vier Kontingentspieler. Die beiden Kanadier Paolo D'Ambrosio und Mike Melas, sowie der Schwede Marcus Abrahamsson und der ehemalige lettische Nationalspieler Sergej Boldavesko.Peter Lowden musste jedoch schnell erkennen, dass er sich zu mindestens mit der Empfehlung vom letztjährigen Ortsrivalen Memminger Indians, dem ehemaligen Ulmer Stürmer D'Ambrosio, total verzettelt hatte. Der Italo-Kanadier brachte nicht das, was man sich von ihm versprochen hatte und musste folgerichtig gehen. Nach dem zu Hause kein einziges Derby gegen die EA Kempten und den EV Ravensburg gewonnen wurde, blieben die Zuschauer fern und der Verein versuchte dies mit Neuverpflichtungen zu kompensieren. Aber auch mit den Kanadiern Derek Switzer vom KEV Hannover, Colin Anders vom Rostocker EC und Peter Westerkamp vom Bundesligisten Bad Nauheim wurde der Sprung unter die ersten Top Vier nicht geschafft. Im Frühjahr 2002 drohte finanziell das Licht auszugehen, was allerdings auch daran lag, dass das übernommene Minus bei Amtstritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Mayer höher war, als damals bekannt. Doch die finanzielle Rettungsaktion gelang. Im Januar musste dann auch noch das Memminger Eishockeydenkmal Peter Lowden seinen Trainerposten an Erwin Merath räumen. Die Saison konnte vom neuen Trainer als Tabellensechster ordentlich zu Ende gebracht werden. Im Play-off-Viertelfinale wurde sogar der Favorit und Tabellendritter Blue Devils Weiden beinahe in die Knie gezwungen. Im Best-of-five-Modus ging es über die volle Distanz. Nach den beiden knappen Überraschungssiegen, verloren die Allgäuer leider die beiden nachfolgenden und auch das letzte, entscheidende Spiel wurde unglücklich in der Verlängerung mit 3:4 (3:2 n.P., 4:3, 0:3, 3:5, 3:4 n.V) verloren. Mit etwas mehr Glück wäre sogar eine Sensation durch "Die Wölfe" möglich gewesen. Das Zuschauerinteresse wurde aufgrund dieser Leistung noch einmal geweckt und nur zu gerne hätten "Die Wölfe" den Einzug in das Halbfinale geschafft, um noch etwas mehr Geld in die leere Vereinskasse einzunehmen. Klar war jedoch, dass die Mannschaft für die nächste Saison abgespeckt werden musste, was sowohl die Anzahl der Spieler als auch die Bezahlung betrifft.
Die Oberliga wurde für die Saison 2002/03 erneut umstrukturiert. Mit der Integration der Regionalliga Süd und der nach geographischen Gesichtspunkten durchgeführten Aufteilung der Oberliga in zwei Gruppen zu je zehn Mannschaften sowie der Aufnahme des KEV Hannovers, wurde die notwendige Einigkeit erzielt. Für den EHC Memmingen bedeutete dies eine Doppelrunde mit 36 Spielen gegen die letztjährigen Oberligisten EV Füssen, EC Peiting und TuS Geretsried, gegen die letztjährigen Regionalligisten EHC Klostersee und EV Ravensburg (beide erfolgreiche Oberligaaufsteiger), TEV Miesbach, Eisbären Kempten und Augsburger EV sowie gegen den Regionalliga-Aufsteiger EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm. Das Gesicht der Memminger wurde für die Saison 2002/03 erneut stark verändert. Neben einigen Ergänzungsspielern, wie Florian Jahrmann u. Gabriel Gaube wurde Torwart-Urgestein Ralf Weinl (Memminger Indians), Peter Westerkamp (ERC Selb) und Helge Pyka (EA Kempten) nicht mehr weiterverpflichtet. Zusätzlich verließen gleich drei Spieler: Andreas Becherer, Christoph Eisenlohr und Derek Switzer den Verein in Richtung Norden zum Konkurrenten EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm. Aus finanziellen Gründen musste auch der Abgang von Stürmer Mike Melas, zum Ligarivalen EV Ravensburg, Peter Westerkamp, zum Oberligisten ERC Selb und Derek Switzer verschmerzt werden. Hoffnungen ruhen neben dem Sympathieträger Colin Anders (mit deutschen Paß), der aufgrund von Sponsorenzusagen gehalten werden konnte und dem schwedischen Kapitän des Teams, Marcus Abrahamsson, auf zwei Nobodys. Die Nagle-Brüder, Bobby (22) und Jim (25) aus Boston/Massachussetts. Zwei US-Boys, die bisher noch keine Erfahrung außerhalb von Nordamerika sammeln konnten. Aber Memmingen hatte ja in der Vergangenheit mit Brüdern (Lowden-Zwillinge) bereits gute Ergebnisse erzielen können. Damit stehen jetzt neben den Nieder-Brüdern Ingo u. Fabian, sogar zwei Brüder-Paare erstmals im Kader. Neben der Vertragsverlängerung des Letten Sergej Boldavesko und der Verpflichtung des Italo-Kanadier Michael Spadacini von der EA Kempten, wurde nach längerer Beobachtung der junge Kanadier Dan Gilbertson, als sechster und letzter Kontingentspieler, als weiterer Stürmer verpflichtet. Gehofft wird von den Verantwortlichen und vom Trainer Erwin Merath eine ähnliche gute Rolle wie in der Vorsaison. Aber das ist wohl heuer nicht zu erreichen. Zum einen, weil die Leistungsdichte in der jetzigen Liga aus drei Ober- und sechs Regionalligisten sowie dem EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm höher als zuvor einzustufen ist und zum anderen, weil bei den Memmingern ein rigoroser Sparkursus gefahren werden soll. In der vergangenen Runde konnte das finanzielle Aus (Verbindlichkeiten von 56.000 Euro) nur knapp verhindert werden. Bereits die Erfüllung der Oberliga-Lizenz (Vorlage einer Bankbürgschaft in Höhe von 25.000 Euro und der Vorlage von Werbeverträgen im Wert von 20.000 Euro) waren für die Memminger "Wölfe" eine hohe Hürde, die jedoch mit vereinten Kräften gemeistert werden konnte. Für Unruhe innerhalb des Vereins sorgten Aussagen von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, wenigen Ex-Spielern sowie von Funktionären der Memminger Indians, dass die Tage der Memminger, aufgrund finanzieller Nachforderungen an den Verein, gezählt sind. Am Ende erwiesen sich diese Gerüchte jedoch nur als eine weitere Luftblase von einigen "Spezialisten", die bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang Juli zerplatzte.
Teil IV - Die Vorbereitung
Die bisherigen Vorbereitungsspiele waren sehr durchwachsen. Zwar ließen die Memminger jeweils durch einen Sieg beim Ligarivalen und Top-Favoriten in der Südwest-Gruppe, dem EV Füssen (2:4) sowie der EA Kempten (6:2) aufhorchen. Die weiteren Spiele (2:4 Heimspiel gegen (vs.) eine kanadische Universitätsauswahl, 0:1 Heimspiel vs. EV Füssen, 5:3 Auswärtsspiel vs. EA Kempten sowie Heimspielniederlage vs. Bayernligist ERC Sonthofen) mussten jedoch alle an den Gegner abgegeben werden.
Teil V - Fazit - Die Klärung der Derby-Frage
Statistiken werden im Eishockey gerne und oft herangezogen. Und auch Aberglaube spielt bei den Puckjägern eine große Rolle. Beide Mannschaften haben sich aber bisher noch nie in einem Liga-Punktspiel gegenüber gestanden. Nur in Vorbereitungsspielen wurden die Kräfte gemessen. Aber wenn dies einmal der Fall war und die Spieler doch einmal die Schläger kreuzten, lagen meistens die Nerven blank. Das erste Spiel mit Wettbewerbscharakter überhaupt zwischen der jeweils 1. Mannschaft aus Memmingen und Ulm/Neu-Ulm gab es am 17.09.95, im Rahmen des Schanner-Cups, am Hühnerberg in Memmingen vor 1.250 Zuschauern. Der EC Ulm/Neu-Ulm als Zweitligist (2. Liga Süd) siegte gegen den damaligen bayerischen Landesligist in einem sehr hart geführten Match mit 4:5. Strafzeiten 32+10 für Memmingen sowie 42+3x10+5+Spieldauer für Ulm/Neu-Ulm. Zwei Jahre später traf man sich in zwei Vorbereitungsspielen wieder. Das Hinspiel am 12.09.97 in Memmingen konnte wiederum der Zweitligist EC Ulm/Neu-Ulm mit 5:6 vor 850 Zuschauern gegen den damaligen Bayernligisten gewinnen. Erneut war das Spiel überhart geführt. Denn sowohl die Strafzeiten von 26+10+5+Spieldauer für den EHC Memmingen als auch die Strafzeiten von 38+10+5+Speildauer für den ECU, waren für ein "Freundschaftsspiel" unüblich. Im Rückspiel am 19.09.97 in Neu-Ulm deklassierten die Ulmer "Panther" "Die Wölfe" vor 500 schwäbischen Zuschauern, in einem fairen Spiel (6 Minuten für Ulm, 2 Minuten für Memmingen), mit 14:0. Es sollten wiederum zwei Jahre vergehen, bis sich die Spieler aus Memmingen und Ulm/Neu-Ulm in zwei Vorbereitungsspielen gegenüber stehen sollten. Im Hinspiel am 27.08.99 verlor erneut der damalige Memminger Regionalligist vor heimischer Kulisse mit 1.000 Zuschauern gegen den damaligen Ulmer Oberligisten, der sich jetzt "Piranhas" nannte, mit 4:5. Die Strafzeiten 28 Minuten für Memmingen, 20 Minuten für Ulm waren für "Sommer-Eishockey" noch im sportlichen Rahmen. Auch das Rückspiel 14 Tage später, am 10.09.99 konnte der ECU mit 4:1 vor 336 Zuschauern an der Wiblinger Strasse, in einem äußerst fairen Spiel (6 Minuten für Ulm, 4 Minuten für Memmingen) für sich entscheiden. Ein Jahr später konnten "Die Wölfe" den ersten Sieg gegen den ECU feiern. Am 08.09.00 siegten die Memminger als höher eingestufter Regionalligist gegen den erstmals klassentiefer spielenden baden-württembergischen Landesligisten und neu gegründeten EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm vor 769 Zuschauern, mit 5:3 Toren. Wiederholt gab es Strafzeiten in Übermaß. Nach Spielende notierte man 30+10+5+Spieldauer für Memmingen und 30+5+Spieldauer für Ulm als Strafzeiten auf dem Spielbericht. Im Rahmen des Atlantis-Cups konnten die "Haie" diese erste Niederlage jedoch zwei Monate später, am 11.11.00 in Neu-Ulm vergessen machen. Vor 783 Zuschauern schlug der ECU "Die Wölfe", in einem fairen Spiel (8 Minuten für Ulm, 4 Minuten für Memmingen) mit 6:3. Das bisher letzte Vorbereitungsspiel fand am 14.09.01 in Neu-Ulm statt. Mit 4:2 besiegte der Baden-Württemberg-Ligist EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm den Regionalligisten EHC Memmingen vor 418 Zuschauern. Erstmals mussten die Zuschauer in Neu-Ulm ein mit vielen Strafzeiten gekennzeichnetes Spiel sich ansehen (43 Minuten für Ulm, 30 Minuten für Memmingen). Brisant ist sicherlich die Tatsache, dass in beiden Teams einige Akteure spielten und auch spielen, die jeweils schon das Trikot des anderen trugen bzw. tragen. Im derzeitigen Memminger Kader stehen mit Andreas Weißenborn (1995/96 - 1996/97) und Markus Wartosch (1997/98 - 1998/99) zwei Spieler, die vormals im Neu-Ulm spielten. Im Kader der "Haie" tragen fünf ehemalige Memminger Spieler das Trikot der Ulm/Neu-Ulmer, Markus Emminger (1997/98) Martin Löhle (1997/98 - 2000/01) und mit Andreas Becherer (2001/02), Christoph Eisenlohr (2000/01-2001/02) und Derek Switzer (2001/02), sogar drei Cracks die noch letzte Saison die rot-weißen Farben der "Wölfe" auf dem Eis trugen.
Deshalb aber von einem Derby zu sprechen, ist dann doch etwas abwägig oder noch zu früh diese Wertschätzung darüber abzugeben. Vielleicht liegt die Spannung in den kommenden Spielen vielmehr in der Rivalität der regionalen Nähe beider Vereine. Die vom Neu-Ulmer Eisstadion 60 Km entfernt, an der Ost-Route der Oberschwäbischen Barockstrasse, gelegende kreisfreie Stadt Memmingen, ist mit fast 41.0000 Einwohner, ein am Autobahnkreuz Memmingen und der württembergisch-bayerischen-Landesgrenze gelegenes Oberzentrum. Und als solches will man natürlich mit Städten des Umkreises in Wettbewerb treten und keine Konkurrenz im Sport und somit auch im Eishockey zulassen. Zumal die Memminger bisher immer die Nase, in Form von klassenhöheren sportlich attraktiveren und erfolgreichen Eishockey (Regionalliga-Meister 1987/88 u. Deutscher Oberliga-Meister 1990/91 mit dem SCM und Bayernliga-Meister 1998/99 mit dem EHC Memmingen) mit wenigen Ausnahmen, gegenüber den Ulm/Neu-Ulmern, vorn hatten. Vielleicht liegt es aber auch an der Situation, dass die (Neu-) Ulmer "Haie" nur drei Spielzeiten benötigt haben, um am Oberliga-Spielbetrieb wieder teilzunehmen, wozu die Memminger "Wölfe" nach dem Aus des SCM neun Jahre dazu gebraucht haben. Sicher ist auf jeden Fall, dass es einige emotionale Partien geben wird. Freuen wir uns alle auf diese nachbarschaftliche Rivalität und an ein Novum im Allgäuer Eishockey: Die ersten Punktspiele gegen eine Ulm/Neu-Ulmer Mannschaft.
Stefan aus Neuss
Stand: 26.09.02 10:33
PS: Als ehemaliger Wahl-Ulmer bin ich mit dem Ulmer Eishockey-Virus verseucht Aufgrund der Entfernung kann ich nur noch über das Internet u. den Fachzeitschriften den Kontakt darüber halten. Halte aber die Erfolge des Memminger Eishockeys immer noch bzw. auch weiterhin für herausstellungswürdig. Immerhin waren sie über 12 Jahre hinweg, für die (Neu-)Ulmer Ansporn und beispielgebendes Vorbild.
Herzlichen Dank an Stefan aus Neuss, der mir freundlicher Weise diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.