Hölzerner Trainingspartner

von Wendelin Fritz

 

Das Wooden Dummy des Wing Chun Stiles:
Wohl am bekanntesten dürfte der Mak-Jong sein. Sein einfacher Aufbau ermöglicht viele interessante Übungen. Obwohl der Jong sehr statisch wirkt, „bewegt" sich der Jong in der Vortellung des Übenden voll mit. 
Hier können Erfahrungen, die im Sparring gemacht worden sind unter vollem Krafteinsatz wieder geübt werden.
Jong im Choy Lee Fut:
Wohl die kompliziertesten Konstruktionen lassen sich im Choy Lee Fut System finden. Hier sieht man deutlich den „Zugarm" mit Gegengewicht. Ähnlich dem Wing Chun Stil sind die beiden Arme in der Mitte im engen Winkel angeordnet.


Sweet little Secrets:
Wie unterschiedlich Holzdummys gebaut waren, zeigt diese Puppe deutlich.Allerdings wurden die Übungen oft geheimgehalten. Wahrscheinlich erfanden einige Meister  die unterschiedlichsten Trainingsgeräte. Um ihre Erfindungen „versilbern" zu können, galt in den Schulen der strengste Geheimhaltungskodex.
 


Trainingsarm:
Eine komplizierte Mechanik soll möglichst genau einen menschlichen Arm ersetzen. Der Arm ist in einem Schlagpolster angebracht.


Einfache Konstruktion:
Schlagbaum, der auf einer starken Feder sitzt


Bruce Lee (JKD) und  Wong Shun Leung (Ving Tsun):
Zwei sehr bekannte Kampfsportler bei ihrem Training. Deutlich ist, wie unterschiedlich an einer Puppe trainiert werden kann. Die Puppe Lees unterscheidet sich deutlich: Sie hat einen betonten Hals und Kopf. Das Bein ist aus Stahl und deutlich höher angebracht.


Arme Außen:
Der „Silent Fighter" ist eine Puppe, die sich aus dem Wing Chun entwickelte.

Spätestens seit Hongkongs Streifchen in unseren Kinos flimmern, sind uns auch diese geheimnisvollen Trainingsgeräte, wie die „Holzmänner” bekannt. Es gibt kaum einen chinesischen Stil, der nicht mit mindestens einem dieser ominösen Geräte aufwarten kann. Ob es nun der Gottesanbeterinnen Stil (Praying Mantis, Tan Lang), das Wing Chun oder Choy-Lee-Fut ist. Nun mag der fremdartige Anblick der Gerätschaften Mysteriöses vermuten. Doch meine Ausführung soll ein kleines Licht in die Dunkelheit bringen und dem Leser die Idee und die Methode solcher Gerätschaften geben.
 

Legende und Wirklichkeit

Der Legende nach, soll es im südlichen Shaolin Kloster, den sogenannten Lohan Saal gegeben haben. Hier waren 18 Maschinen sogenannte Lohans aufgereiht. Anscheinend verfügten die Maschinen über einen hochkomplizierten Mechanismus. Die Lohans wurden als Abschlußprüfung für die Shaolin-Schüler eingesetzt. Der Prüfling wurde in die Halle geführt. Immer wenn er vor einen Lohan trat, aktivierte er die Maschine, die ihn dann auf sehr unterschiedlich traktierte und die er zu überwinden hatte. Der 18.Lohan, war ein etwa 80 Kilogramm schwerer, mit brennenden Kohlen gefüllter Kupferkessel. An den Seiten war ein Tiger und ein Drache gezeichnet. Der Prüfling mußte den Lohan mit den Unterarmen hochheben, so daß sich der Tiger und der Drache in seinen Unterarmen einbrannten.
Allerdings sind derartig komplexe Maschinerien, die zudem auch noch Arme und Beine brechen können, im Kung Fu heutzutage unbekannt. Auch wenn die Holzmänner eine gewisse Mechanik haben, so sind doch derartige vorindustrielle Kampfroboter aus Holz eher unwahrscheinlich.

Der Boxsack

Als erstes sollte man nicht von dem Unbekannten ausgehen, sondern von dem, was uns vertraut ist.
Fälschlicherweise, wird dieses Gerät immer „Sandsack” genannt. Er ist mit allem Möglichen, bloß nicht mit Sand gefüllt. Jedem dürfte der Gebrauch des Gerätes bekannt sein. Man schlägt einfach drauf. Auch hier sind Unterschiede bekannt. Leichte Boxsäcke, die Punching Bälle” geben dem Schlag Geschwindigkeit, die schweren dem Schlag die sogenannte K.O.-Power

Schlagbäume

Ein asiatisches Äquivalent des Boxsackes ist der Schlagbaum. Dabei handelt es sich um einen Pfahl, der in die Erde gerammt wurde, oder einen abgestorbenen Baum. Oftmals wurde der Baum in Schlaghöhe umwickelt. Hierzu dienten Textilien oder Beutel, die mit Reis gefüllt wurden. Immer noch läßt sich eine spezielle Variante dieser Geräte in Dojos finden - das Makiwara.
Die Vorteile dieser Geräte liegen auf der Hand. Hier kann man ungehindert Schläge trainieren, was ja an unserem Trainingspartner schlecht geht. Aber auch der Nachteil läßt sich schnell finden. Der Boxsack oder der Schlagbaum wehren sich nicht. Und wer Kampfsportler kennt, weiß, daß diese Leute schnell Phantasie entwickeln, um diesem Mißstand ein Ende zu setzen.

Der Boxsack mit Arm und andere „einarmige Banditen”

Mit einer einfachen Vorrichtung läßt sich ein Arm an einen Boxsack befestigen. Dieser „Arm” simuliert den gegnerischen Angriff. Er schränkt Angriffs- und Schlagmöglichkeiten ein. Auch mit einer einfachen Konstruktion aus Federarm und Pratze läßt sich eine einfach Wandkonstruktion bauen.
Hier wird eine neue Situation simuliert. Der Arm des Dummys schützt das Ziel, ähnlich wie ein Gegner seinen Arm schützend vor den Kopf hält.
Eine spezielle Form des Angriffs findet man in vielen Kung Fu Stilen vor. Es wird am Arm gezogen und gleichzeitig zugeschlagen. Eine spezielle Holzpuppe findet sich im Choy-Lee-Fut System. Durch einen Schlagbaum wird ein beweglicher Arm geführt. Am anderen Ende hängt eine Eimer, der mit Wasser oder Sand aufgefüllt werden kann. Hier können speziell die Kräfte für den Zug am Arm kontrolliert werden.
 

Wooden Dummys - Mak-Yong im Wing Chun

Die Holzpuppe im Wing Chun hat oben zwei Arme, die die Angriffe des Gegners symbolisieren. Unter den oberen Armen ist ein dritter Arm angebracht, der die unteren Angriffe simuliert. Das kann ein Schlag in die Magengruppe, als auch ein Tritt sein. Das untere „Bein” deutet Lowkicks und Beinarbeit an. Die oberen Arme stehen in einem Winkel von etwa 20-24 Grad auseinander. Die Arme haben in ihrer Befestigung Spiel.
Die frühen Holzpuppen wurden noch - ähnlich den Schlagbäumen - direkt in den Boden gerammt. Yip Man einer der bedeutendsten Vertreter des Wing Chun, lebte aber in Hongkong. In seiner Schule, die im Dachgeschoß eines Hochhauses lag, konnte er natürlich die Puppe nicht in den Boden rammen. Deshalb machte er aus der Not eine Tugend und hängte die Puppe an federnden Balken auf. Dies stellte eine Verbesserung im Training da.
Es gibt eine spezielle Holzpuppenform. Sie enthält allerdings keine „geheimen Bewegungen”. Der Schüler sollte aber erst mit der Holzpuppe beginnen, wenn er die grundlegenden Prinzipien des Systems begriffen hat, da er sonst beginnt gegen die Arme zu schlagen. Etliche Techniken am Mak Jong sind lediglich „Korrekturbewegungen”; etwas was man tut, wenn ein Fehler unterlaufen ist. Zu früh erlernt führen sie zu schlechten Angewohnheiten im Kampf.

Dummys in anderen Stilen und im Jeet Kune Do (JKD)

Um einige Punkte besonders zu üben, entwickelte Bruce Lee einige Details, die sich von der Wing-Chun-Puppe unterscheiden. Auch hatte er als „reicher Amerikaner” andere Möglichkeiten, als die zum Teil sehr armen Wing Chun Leute in Hongkong. Er baute z.B. eine Holzpuppe auf Rädern, die er verfolgen mußte. Die Puppe wurde einfach auf einer Karre montiert und hinten mit Gewichten beschwert.
In anderen Stilen, welche die Puppe aus dem Wing Chun übernahmen, wurden einige Dinge variiert, weil niemand so recht wußte, wozu der enge Winkel zwischen den oberen Armen diente. So wurden dann die Arme einfach außen montiert, damit man spezielle Techniken trainieren konnte.
 

Holzmänner an die Waffen!

Ähnlich wie bei waffenlosen Übungen gab es auch Geräte, die den Waffenkampf trainieren lassen. Im Choy Lee Fut gab es mehrere Puppen für jede Waffe. Man kannte Puppen für Übungen mit dem Fächer, dem Säbel oder dem Speer. Es gab im Choy Lee Fut sogar ein Gerät, daß den Kampf zu Pferde trainieren ließ. Dieses Gerät war auf einem Karren montiert, der seine Geschwindigkeit je nach Angriffskraft verändern konnte. Auch gab es für den 3 Meter langen Langstock im Kanton-Wing Chun einen Dummy. Dieser soll allerdings so groß gewesen sein, und so umständlich, daß er in Vergessenheit geriet.

 

Wendelin, wendelin@vingtsun.org, www.vingtsun.org schrieb am Dienstag, 13.11.2001, 2:53

Fehler in meinem Artikel
Im Kung Fu mischt sich viel in die Geschichte, auch im Ving Tsun. Es wurden Legenden hinzuerfunden und schöne Geschichten kreirt. So wissenschaftlich auch das Ving Tsun sein mag, es mischen sich doch oft Legenden unter die Erkenntnisse.

Ich schrieb, daß die "lebendigen" Holzmänner erst in Hongkong entwickelt wurden. Jetzt - mehr als ein Jahr nach dem Erscheinen des Artikels - kann ich das nicht mehr so stehen lassen. Schwingende und federnde Holzpuppen gab es wahrscheinlich schon vor der Hongkong Ära .... bereits in Fatshan.

So schön und logisch meine Beschreibung ist, mir gefällt es doch besser den Fehler explizit zu korrigieren.

Schwingende Holzpuppen wurden nicht erst in Hongkong entwickelt. Es gab sie bereits VOR Yip Man ....

Wendelin Fritz
Ving Tsun Gung Fu Nürnberg

 

MisterDevil, , www.tai-chi-centre.com/woodendummies.htm schrieb am Mittwoch, 21.11.2001, 15:47

Noch ein interessanter Beitrag zu deinem Thema
Hallo Wendelin,

dein Beitrag ist sehr interessant.
Supi....

Hier noch eine interessante Seite zum thema Wodden Dummy im Choy Lee Fut -Kung Fu.

 

Wendelin, wendelin@vingtsun.org, http://www.vingtsun.org schrieb am Mittwoch, 21.11.2001, 18:30

Choy Lee Fut - Puppe
Mal schauen habe selber mal einen Artikel über den Balancearme-Dummy des Choy Lee Fat geschrieben. Würde mir das aber mal sehr gerne zeigen lassen. Ich finde diese Geräte einfach wunderbar!

 

H.P., DH9KP@gmx.de, schrieb am Montag, 3.12.2001, 18:45

Mach Dir nichts draus..
Alte Überlieferungen haben nunmal
manchmal Fehler. Prima ist es wenn Du´s
heraus findest und zu Fehlern stehst.
Weiter so..Prima.
H.P.

 

Deckard, Deckard@gmx.li, schrieb am Mittwoch, 6.3.2002, 19:06

Hmmm....

Cool!
Jetzt wundere ich mich nur warum ein Wing Chun Dummy in meinem Kyokushin / Kickbox Dojo rumsteht...

Rätsel über Rätsel!

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