Memmingen (dan). An diesem Wochenende wird es ernst. Der ECDC Memmingen startet am Freitag in Erding und am Sonntag vor heimischer Kulisse gegen Schweinfurt (18.30 Uhr) in die neue Bayernliga-Saison. Die Memminger Zeitung fasst alles Wissenswerte um die Indians vor dem Saisonstart zusammen:
Der Trainer: Mit Franz-Xaver Ibelherr steht erstmalig ein hauptamtlicher Trainer an der Bande des ECDC Memmingen. Der 43-Jährige ist eine bekannte Persönlichkeit im deutschen Eishockey und war als Spieler unter anderem in Rosenheim, München, Landsberg und Augsburg aktiv. Er gilt in der Branche als "harter Hund", der immer 100 Prozent von seinen Spielern fordert. Unter anderem deshalb hat ihn Helge Pramschüfer verpflichtet. Der erste Vorsitzende der Indians erhofft sich von Ibelherr eine konsequente Mannschaftsführung. Seit Juni ließ der gebürtige Tölzer seine Spieler zunächst im Sommertraining und zuletzt auf dem Eis mehrmals wöchentlich ordentlich schwitzen.
Die Mannschaft: Eine gelungene Mischung aus routinierten Kräften und jungen eigenen Leuten - diese Idee steckt hinter dem runderneuerten Indians-Team. Kompensiert werden mussten vor allem die Abgänge von Bryan Phillips (nach Hannover) und Dale Crombeen (zurück nach Waldkraiburg). In der Abwehr zog es Markus Keintzel und Patrick Meißner zum Rivalen nach Ulm. Hier sollen es nun unter anderem die beiden "Urgesteine" Helge Pyka und Klaus Micheller (beide 40 Jahre alt) richten. Im Tor steht weiterhin Routinier Reiner Vorderbrüggen. In der Offensive bilden die Memminger Martin Löhle, Ingo Nieder und Andreas Börner eine echte einheimische Sturmreihe.
Die Neuzugänge: "Wir haben bewusst auf Qualität, nicht auf Quantität gesetzt", sagt Pramschüfer. Mit dem Amerikaner Jim Nagle besetzt ein alter Bekannter die einzige Kontingentstelle. Nagle spielte bereits in der Saison 2002/03 für den EHC Memmingen in der Oberliga. Vom EC Ulm/Neu-Ulm konnte man Wunschspieler Manfred Jorde verpflichten. Er brachte mit Christian Augst und Verteidiger Martin Valenti die weiteren Topscorer aus Ulm gleich mit. Außerdem wechselten mit Dennis Stroeks aus Düsseldorf und Nicolas Oppenberger aus Kempten zwei junge, hungrige Spieler nach Memmingen.
Die Liga: Die Indians gehen in ihre dritte Saison in der Bayerischen Eishockeyliga (BEL). Für diese Liga werden die 16 teilnehmenden Clubs von vielen Eishockeyfans in Deutschland beneidet. Fernab von Skandalen, Pleiten und einer überhöhten Anzahl an ausländischen Spielern wird hier attraktiver Sport auf einer soliden finanziellen Basis geboten. Auch die Gegner können sich sehen lassen: Viele bayerische Traditionsvereine wie Erding oder Peissenberg haben sich in der Liga etabliert. Hinzu kommen mit Sonthofen, Pfronten und Ulm/Neu-Ulm gleich drei Derby-Gegner für die Indians. Die Liga gilt als äußerst ausgeglichen. Stark einzuschätzen sind vor allem die Teams aus Waldkraiburg, Pfaffenhofen und Peissenberg - allerdings gehören zum erweiterten Favoritenkreis bis zu sechs Mannschaften, darunter der ECDC Memmingen. Dazu kommen die starken Aufsteiger aus Nürnberg, Selb und Pfronten.
Die Ziele: Der Anspruch ist klar formuliert: Nach der enttäuschenden letzten Spielzeit ist das Erreichen der Play-Offs in dieser Saison Pflicht. Das Potenzial hierfür sieht Pramschüfer bei seinem Team: "Wenn alles optimal läuft, können wir es unter die ersten Vier schaffen. Haben wir aber viele Verletzte oder kommen nicht in Tritt, kann man auch schnell auf Platz 10 abrutschen."; Außerdem soll die Mannschaft den Fans mitreißende Heimspiele bieten und auch zum Ende der Saison noch Standfestigkeit beweisen. "Sollten wir die Play-Offs erreichen, würde ich dort gerne einmal eine Runde weiterkommen", so Pramschüfer.
Die Auftaktgegner: Gleich das erste Punktspielwochenende hat es in sich. Die Gegner Erding und Schweinfurt zählen wie der ECDC zum erweiterten Favoritenkreis der Liga. In Erding erwartet die Indians am Freitag ein junges, läuferisch starkes Team. Der TSV kann seit vielen Jahren auf seine hervorragende Nachwuchsarbeit bauen. Zu den gefährlichsten Stürmern zählen der junge Daniel Krzizok, Kapitän Stefan Breiteneicher und der Tscheche Ales Jirik. Für das erste Heimspiel am Sonntag um 18.30 Uhr erhoffen sich die Verantwortlichen des ECDC bis zu 1000 Zuschauer und eine tolle Atmosphäre in der Eissporthalle am Hühnerberg. Gegner Schweinfurt schaffte es in der vergangenen Saison bis ins Play-Off-Halbfinale und zog über den Sommer einen spektakulären Neuzugang an Land. Vom Zweitligisten Crimmitschau wechselte der Kanadier Mikhail Nemirovsky nach Unterfranken. Auch ansonsten verfügt Spielertrainer Sergej Waßmiller über ein eingespieltes Team, das einen harten Prüfstein für den ECDC darstellen wird.
Interviews: Memmingen (dan). "Er soll die Erfolge im Nachwuchs ausbauen und mit der 1. Mannschaft die oberen Plätze in der Bayernliga anvisieren." Indians-Vorstand Helge Pramschüfer hat klare Vorstellungen von der Zusammenarbeit mit Cheftrainer Franz-Xaver Ibelherr. Vor dem Saisonstart am Wochenende hat sich die Memminger Zeitung mit den beiden Verantwortlichen des ECDC unterhalten:
Herr Ibelherr, die Vorbereitungszeit ist vorüber, unterm Strich stehen 7 Siege, 1 Unentschieden und nur 3 Niederlagen gegen klassenhöhere Clubs. Sind Sie zufrieden? Ibelherr: Nein, mein Fazit fällt eher durchwachsen aus. Eigentlich war ich nur mit ein, zwei Spielen richtig zufrieden. Ansonsten ist es nicht so gelaufen, wie ich mir das für meine Mannschaft vorstelle.
Woran hakt es denn noch konkret? Ibelherr: Solange sich die Jungs an die Vorgaben halten, klappt es. Aber oftmals sind sie noch zu eigensinnig, wollen ihren eigenen Kopf durchsetzen. Hinzu kommt, dass wir zu undiszipliniert agieren und zu viele Strafzeiten bekommen. Das muss ich abstellen. Pramschüfer: Es ist natürlich schade, dass mit Manfred Jorde und Jim Nagle gleich zwei Schlüsselspieler oftmals angeschlagen ausfielen. Die Bayernliga ist so ausgeglichen, dass die meisten Spiele voraussichtlich die Special-Teams im Über- und Unterzahlspiel entscheiden. Da brauchen wir die beiden dringend und setzen große Hoffnungen in sie.
Herr Ibelherr, Sie haben verhältnismäßig wenig experimentiert in den Vorbereitungsspielen. Die Reihen wurden kaum durcheinander gewürfelt. Bedeutet dies, dass Sie sich schon konkret festgelegt haben, wie die Mannschaft am Wochenende aufläuft? Ibelherr: Hundertprozentig weiß ich es noch nicht. Ich grüble schon noch, da ich das Potenzial bei meinen Spielern sehe, aber sie es bisher überwiegend noch nicht abgerufen haben. Deshalb weiß ich nicht, wo wir wirklich stehen.
Es gab auch kritische Stimmen aus der Mannschaft: Sie würden zu hart trainieren. Ibelherr: Wir haben darüber geredet und einen Kompromiss gefunden. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Wille bei meinen Jungs ist da. Manchmal würde ich mir halt wünschen, dass sie im Training noch konzentrierter arbeiten. Sie sollen erkennen, dass überall noch Luft nach oben ist. Pramschüfer: Es war leider so, dass es nicht besser geworden ist, nachdem der Trainer den Spielern entgegengekommen ist und das Trainingspensum etwas reduziert hat. Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft jetzt den Hebel umlegt. Denn eines ist klar: Mit angezogener Handbremse wirst Du in der Bayernliga kein einziges Spiel gewinnen.
Und die positiven Aspekte aus dieser Vorbereitung? Ibelherr: Überzeugt haben mich alle drei Torhüter. Auch die eingesetzten Junioren haben ordentlich Gas gegeben. Pramschüfer: Mir hat vor allem die positive Stimmung im Umfeld imponiert. Ich glaube, das Memminger Publikum akzeptiert mittlerweile, dass wir uns finanziell in keine Abenteuer stürzen, sondern ehrlichen Sport bieten. Das hat mir vor allem der neue Vereinsrekord beim Dauerkartenvorverkauf gezeigt.
Blicken wir voraus. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Saison? Ibelherr: Zunächst einmal erwarte ich ein ganz schwieriges Auftaktwochenende. Erding hat ein junges, hungriges Team, das 60 Minuten Volldampf geht. Da müssen wir unsere Cleverness gegen jugendlichen Elan setzen. Und Schweinfurt zählt ohnehin zu den Topfavoriten der Liga. Wir müssen Ruhe bewahren und daran denken, dass alles möglich ist. Um in die Play-Offs zu kommen, brauchst Du 16 bis 17 Siege. Die wollen wir so bald wie möglich einfahren. Pramschüfer: Wir können in den Heimspielen viele Sympathien gewinnen. Gegen Schweinfurt am Sonntag hoffe ich auf 1000 Zuschauer. Mein Appell an die Fans: Unterstützt uns, wir brauchen Euch. Um die ersten acht Plätze in der Liga werden rund 14 Teams spielen. Das heißt, wir haben eigentlich 32 Endspiele.
Herr Ibelherr, zu guter Letzt: Sie haben viel erreicht im deutschen Eishockey. War es die richtige Entscheidung, nach Memmingen zu kommen? Ibelherr: Auf jeden Fall. Das Umfeld ist sehr gut und ich bekomme vom Vorstand jegliche Unterstützung. Jetzt wünsche ich mir einfach, dass die Mannschaft noch 10 bis 20 Prozent drauflegt. Das Potenzial ist da, aber wir müssen um jeden Zentimeter Eis kämpfen, egal ob jung oder alt. Wenn wir als Einheit auftreten, Team und Trainer, dann sehe ich für die Zukunft keine Probleme.
(Dieser Bericht wurde mir vom ECDC Memmingen zur Verfügung gestellt.)